Ein Impfpass weist zwei Corona-Impfungen auf. Im Hintergrund ist ein Apothekenschild zu sehen.

Wer nach der Corona-Impfung einen digitalen Nachweis braucht, erhält diesen kostenlos in einer Apotheke. Das heißt aber nicht, dass das Zertifikat auch tatsächlich umsonst ist.

Kaum drin, schon wieder draußen: Kunden, die den digitalen Impfpass wollen, freuen sich, wenn sie mit den Zertifikaten aus der Apotheke kommen. Fix, unkompliziert und umsonst sei das Ganze abgelaufen, freuen sie sich. Das stimmt allerdings nicht ganz.

Zwar zahlen die Bürger nichts in der Apotheke, doch die Bundesregierung zahlt den Apotheken für das erste Zertifikat 18 Euro, für das zweite 6, macht zusammen also 24 Euro. Für das Sichten der Unterlagen, Impfpass und Personalausweis, und das Eingeben der Daten in den PC.

Der Apothekerverband sagt, die 24 Euro seien angemessen. Wenn man aufs Amt gehe, koste die einfache Beglaubigung eines Schreibens schon 20 Euro. "Unter den aktuellen Umständen ist die Vergütung durchaus angemessen", sagt Holger Seyfahrt, Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbandes. "Es musste quasi über Nacht eine Infrastruktur aufgebaut werden, es sollte sicher sein und schnell gehen." Die Apotheken seien die einzigen gewesen, die diese Anforderungen erfüllen konnten.

"Irgendwie stimmt das Verhältnis da nicht"

Ärztevertreter sehen das anders. Im Verhältnis zum personellen und finanziellen Aufwand von wenigen Minuten sei der Betrag, den die Apotheker bekommen, zu hoch. "24 Euro stehen einfach in keinem Verhältnis zu dem, was wir fürs Impfen bekommen", so Frank Dastych, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH).

Für eine Leistung, die mit der Aufklärung, Überwachung und Dokumentation viel aufwendiger sei, bezahle der Bund nur 20 Euro. "Ich kann ihnen auch nicht sagen, wie das BMG das kalkuliert. Aber irgendwie stimmt das Verhältnis da nicht", klagt Dastych. Wie das BMG, also das Bundesministerium für Gesundheit von Jens Spahn (CDU), auf die 24 Euro gekommen ist, das wissen auch die Apotheker nicht.

Sparen scheint keine Option

Blackbox Bundesgesundheitsministerium, könnte man sagen. Geld für Maskenausgabe in Apotheken, Schnelltests oder Impfzertifikate: Geld sparen scheint derzeit keine Rolle zu spielen. Und damit zurück zu der Frage: Wer zahlt denn dafür am langen Ende wirklich?

Kassenarzt Dastych hat eine Antwort, die derzeit kein Politiker laut sagen möchte: "Man kann natürlich die Leistungserbringer zu Tode sparen. Das geht aber irgendwann in die Hosen. Also ist es viel besser, die Leistungen massiv einzuschränken, und das heißt: Am Ende zahlt der Bürger für die Milliardenausgaben im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie das Ganze selber – und wird es auch an der Versorgung spüren."

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