Leerer Dorfplatz in Fornalutx, Mallorca

Auch im Herbst wird es wohl nur wenige Deutsche auf ihre Lieblingsinsel ziehen. Seit Mitte August gilt eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts für Mallorca. Das ärgert vor allem die Orte, in denen es gar keine Covid-19-Fälle gibt.

Worauf Fornalutx besonders stolz ist, lesen Besucher schon ein paar Meter vor dem Ortseingang auf einem großen Schild: Das Dorf gehört zu den schönsten Spaniens. Tatsächlich hat es schon mehrfach vordere Plätze bei der spanischen Version von "Unser Dorf soll schöner werden" gewonnen.

Der Ort besteht nur aus klassischen Bruchsteinhäusern, kein Hotelklotz weit und breit. Das steht in Mallorca-Reiseführern und lockt normalerweise Touristen an. Jetzt im Herbst vor allem Wanderer, die von Fornalutx aus das Tramuntana-Gebirge erkunden.

"Praktisch kein einziger Tourist mehr"

Doch im Traditionsrestaurant "C’an Antuna" herrscht gähnende Leere. An diesem Mittag sind gerade einmal zwei der 13 Tische auf der Terrasse belegt. Sonst gibt es hier oft nur einen Platz mit Reservierung. Besitzerin Marga Busquets säufzt: „Im Ort ist praktisch kein einziger Tourist mehr. Nur am Wochenende haben wir etwas zu tun, wenn Leute aus Palma hierher kommen, um sich Fornalutx anzuschauen und bei uns zu essen. Immerhin das."

Auch in den Cafés und Bars am Dorfplatz sitzen fast nur Einheimische. Franzi und Vincent aus Köln sind heute die einzigen Ausländer. Für die beiden ist dieser Mallorca-Urlaub nur möglich, weil sie anschließend Zeit für eine Quarantäne haben, die nach der Rückkehr aus Risikogebieten nötig ist. Franzi steht vor ihrer Uni-Abschlussprüfung, erzählt sie, und wäre sowieso fast ausschließlich daheim geblieben.

Kein einziger Covid-19-Fall

Wenn jemand den 350-Einwohner-Ort Fornalutx besucht, dann Tagesgäste. Denn alle vier Hotels des Ortes sind geschlossen, die meisten schon seit Beginn der Coronakrise. Nach einer Mini-Sommersaison scheint jetzt auch das Herbst-Geschäft für die Tourismusbetriebe auszufallen.

Die beiden wichtigsten Urlaubermärkte sind weggebrochen: Großbritannien und Deutschland haben Mallorca zum Corona-Risikogebiet erklärt. Und damit auch Fornalutx. Obwohl es in dem Ort seit Ausbruch der Pandemie keinen einzigen Covid-19-Fall gab, sagt Vize-Bürgermeister Felip Reynes. "Natürlich ist das für uns ein bisschen ungerecht."

Die Flaute als Chance

Felip sieht in der Tourismusflaute aber auch eine Chance: Er ruft die Vermieter von Ferienhäusern dazu auf, sich stärker um Urlauber zu bemühen. Sie müssten mehr Qualität zu attraktiveren Preisen bieten, um gegen die Konkurrenz in anderen Ländern zu bestehen. Einige Betriebe hätten sich in den Tourismus-Boomjahren ausgeruht, so der Vize-Rathauschef. "Wenn Touristen kommen, funktioniert das. Aber jetzt muss man daraus lernen. Also: Nicht immer nur nach oben gucken, vielleicht auch eine Stufe herunterschalten. Und ein bisschen anders denken.“

Nach Felips Worten gibt es aktuell kaum einen sichereren Ort auf Mallorca als Fornalutx. Dass das Dorf virusfrei ist, hängt wohl mit der eher älteren Bevölkerung zusammen: Die Menschen tragen stets Maske, es gibt kein Nachtleben mit Diskos und Clubs, wo das Coronavirus bekannterweise schnell weitergetragen wird. Allerdings: Der Nachbarort von Fornalutx hat sich zu einem neuen Corona-Hotspot auf Mallorca entwickelt. Sóller verzeichnet auf die Einwohnerzahl gerechnet die meisten Fälle der Insel. Die Wahrscheinlichkeit, dass Fornalutx coronafrei bleibt, dürfte eher gering sein.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 8.10.2020, 6 bis 9 Uhr

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