Rote Ampel, daneben ein Schild mit der Aufschrift "Hollywood"

Kalifornien ist zum Epizentrum der Coronakrise in den USA geworden. Laut Experten finden die Ansteckungen vor allem daheim und auf illegalen Partys statt. Bislang hat die Politik jedoch kein geeignetes Mittel gefunden, um dem entgegenzuwirken.

Kinder, die sich per Telefon bei den Eltern am Sterbebett im Krankenhaus dafür entschuldigen, dass sie sie mit Corona angesteckt haben: Solche Geschichten hätten ihr Krankenhausmitarbeiter erzählt, berichtet die Politikerin Hilda Solis bei einer Pressekonferenz in Los Angeles. "Bitte bleiben Sie zu Hause, für ihre Lieben. Lassen Sie sie am Leben!", ruft Solis die Angelenos auf. Es sind Worte, die offenbar verhallen, denn die Coronakrise ist im Großraum Los Angeles so dramatisch wie nie.

Kühlwägen, um Leichen aufzubewahren

Alle acht Minuten stirbt ein Mensch durch Corona, einer von drei Menschen hat oder hatte eine Coronavirus-Infektion, heißt es von den Behörden. Die Intensivstationen der Krankenhäuser sind überlastet, es werden mittlerweile Kühlwägen vor die Gebäude gestellt, als zusätzlicher Platz, um Leichen aufzubewahren.

A person now dies every 8 minutes from #COVID19 in LA County. Stay home to save lives, always wear a mask when out for essentials and avoid gathering with people you don't live with.

[zum Tweet mit Bild]

Weil die Übertragungsrate so hoch ist, rät Barbara Ferrer, Leiterin des Gesundheitswesens in Los Angeles, sogar zu Hause eine Maske zu tragen, wenn man mit älteren Menschen zusammenlebt: „Wenn sie jeden Tag raus gehen um zu arbeiten oder die Einkäufe erledigen, raten wir, die Maske anzubehalten. Es sorgt für eine extra Portion Sicherheit und hilft, die Fallzahlen zu verringern."

Übertragung vor allem daheim und auf Superspreaderevents

Für die Maßnahmen gibt es Verständnis – bei manchen Kaliforniern: "Wenn wir unsere Großmutter besuchen, trage ich Maske. Man macht das für Menschen, die man liebt", sagt Lee, die mit Maske am Strand von Santa Monica spazieren geht, bei 22 Grad, Sonnenschein, blauer Himmel. Aber: "Es nervt." Der Gouverneur habe viel getan, jetzt liege es an der Bevölkerung, sich an die Regeln zu halten.

In Kalifornien gibt es zumindest auch im Januar die Möglichkeit, viel draußen zu unternehmen. Eigentlich könnte genau das hilfreich sein in der Pandemie. Gesundheitsexperten betonen, dass die Übertragungen vor allem in geschlossenen Räumen stattfinden. Zu Hause – oder auf so genannten Superspreaderevents.

Keine Konsequenzen oder Strafen

Journalistin Cerise Castle hat dazu in der illegale Partyszene für das LA Magazine recherchiert. Große Untergrundpartys würden immer noch stattfinden, mit teilweise bis zu mehreren hundert Gästen, die keine Maske trügen: "Die finden oft in Lagerhallen in Downtown statt, große Räume mit nur einem oder zwei Klos - so schon unbequem, in einer Pandemie eine schreckliche Umgebung. Perfekt um Corona zu verbreiten."

Dass genau diese Veranstaltungen ein Grund sind, warum sich das Virus dramatisch ausbreitet, dafür hätten die meist jungen Partygäste kein Verständnis, meint Castle: "Sie glauben, das ist alles Schwindel oder eine Verschwörung, dass die Ärzte und Regierung lügen, was die Gefährlichkeit des Virus angeht – oder die Zahl der Menschen, die gestorben sind.“

Die Polizei unternehme oft nichts dagegen, im Gegenteil. Polizisten wüssten ihrer Ansicht nach oft Bescheid, würden in ihrer Freizeit sogar als Security von den Veranstaltern angeheuert. Bisher gebe es kaum Konsequenzen oder Strafen, weder für die Veranstalter noch für die Partygäste.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 15.1.2021, 15 bis 18 Uhr

Jetzt im Programm