Symbolbild: Das Coronavirus mutiert

Die Zahl der Infektionen mit der Delta-Variante nimmt derzeit in Großbritannien stark zu. Mediziner fürchten, dass sich die zunächst in Indien entdeckte Variante des Coronavirus auch in Deutschland durchsetzen könnte. Wie gefährlich ist sie? Und wie wirksam sind die Impfstoffe gegen diese Variante?

Warum ist man wegen der Delta-Variante so besorgt?

Es gibt Belege dafür, dass die Delta-Variante deutlich ansteckender ist als die Alpha-Variante, die in den letzten Monaten vorherrschend war. Forscher des National Centre for Desease Control in Neu Delhi gehen davon aus, dass die Übertragbarkeit 50 Prozent höher ist als bei der Alpha-Variante, was auch in Großbritannien so beobachtet wird. Was das heißt, das sieht man ja dort: Die Delta-Variante hat sich als dominierende Variante gegen die Alpha-Variante durchgesetzt.

Bei den Sequenzierungen in Deutschland ist der Anteil der Delta-Variante bei den Stichproben im Moment nur bei etwa zwei Prozent. Die Zahl ist noch gering, sie ist aber von Woche zu Woche stetig angewachsen und hat die beiden anderen besorgniserregenden Varianten schon hinter sich gelassen. Mediziner wie etwa Gernot Marx, Präsident der deutschen Notfallmediziner, befürchten, dass sich die Delta-Variante Schritt für Schritt auch in Deutschland verbreiten könnte - gefördert zum Beispiel durch die Urlaubsreisen.

Entscheidend ist die Zweitimpfung

Wirken die derzeitigen Impfstoffe gegen die Delta-Variante gut genug?

Die Delta-Variante scheint durch ihre Mutationen tatsächlich in der Lage zu sein, dem menschlichen Immunsystem besser zu entkommen. Das Robert-Koch-Institut spricht in seinem aktuellen Virusvarianten-Bericht davon, dass alle Impfstoffe bei den Varianten, also auch der Delta-Variante, zumindest vor schweren Erkrankungen schützen. Die Staatliche Gesundheitsagentur Public Health England sagt, die Impfstoffe schützen, aber nicht ganz so effektiv wie bei Alpha.

Entscheidend ist aber wohl, dass man beide Impfungen hat. Das hat auch eine Studie von Wissenschaftlern in Großbritannien gezeigt: Eine Impfung ist demnach zwar besser als nichts, damit könne das Virus der Immunantwort aber immer noch entgehen. Deshalb ist die Impf-Strategie der Briten jetzt natürlich schwierig, weil man darauf gesetzt hat, möglichst vielen Menschen möglichst schnell die erste Impfung zu geben.

Schwierig ist auch, dass Genesene keinen ausreichenden Immunschutz haben. Die Antikörper reichen offenbar nicht aus, um das Spike-Protein ausreichend zu neutralisieren.

Vierte Welle im Herbst?

Es heißt, die Delta-Variante mache kränker. Stimmt das?

Das ist noch nicht ganz klar. Eine Studie aus Indien verzeichnet mehr Tote. Das könnte aber auch am Zusammenbruch des Gesundheitssystems dort gelegen haben und nicht daran, das diese Virus-Variante tödlicher ist.

Dann gibt es noch die Risiko-Einschätzung von Public Health England, dass es ein erhöhtes Risiko für Krankenhaus-Einlieferungen geben könnte. In einigen Regionen Englands und Schottlands war das so, aber man kann den nationalen Trend im Moment noch nicht abschätzen. Dazu braucht es noch mehr Daten.

Steht uns im Herbst eine vierte Welle bevor, getrieben von der Delta-Variante?

Das ist im Moment schwer zu sagen, auch wie sich die Variante über den Sommer in Europa verbreitet. Die englischen Wissenschaftler haben in ihrer Studie vorgeschlagen, dass es im Herbst Booster-Impfungen geben könnte, zum Beispiel in Regionen, wo die Delta-Variante sehr verbreitet ist oder auch bei den Personengruppen, von denen man weiß, dass die Neutralisationswirkung der Antikörper nicht ausreicht. Idealerweise wären das Impfungen mit Impfstoffen, die schon speziell an die neuen Varianten angepasst sind. Aber man wird sehen müssen, ob und wann das kommt.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 9.6.2021, 12 bis 15 Uhr

Jetzt im Programm