Grafik: Verbreitung der Covid-19-Fälle in Hessen

Wie viele Menschen in Hessens Landkreisen sind an Covid-19 erkrankt? Dazu kursieren unterschiedliche Zahlen, obwohl sie mit derselben Stand-Angabe veröffentlicht werden. Weder die einen noch die anderen Zahlen sind deshalb falsch.

Auf dem Dashboard des Robert-Koch-Instituts sind am Freitag 3.993 Fälle von Corona-Erkrankten in Hessen gemeldet, 33 Menschen sind nach Angaben des RKI an dem Virus gestorben. Die Daten werden mit Stand 00:00 Uhr am Morgen angegeben. Ein Klick in die Kreise zeigt: Der Kreis Bergstraße etwa ist mit 197 Fällen angegeben. Zum gleichen Zeitpunkt ist auf der Homepage des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration, für das Thema Gesundheit zuständig, zu lesen: 3.882 Fälle in Hessen, 31 Todesfälle. Für den Kreis Bergstraße sind 190 Fälle verzeichnet. Der Kreis selbst wiederum meldet auf seiner Homepage aber bereits 203 Fälle.

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Zuschauer und User fragen in den sozialen Netzwerken: Wie kann es sein, dass etwa der Kreis Bergstraße bereits am Vortag höhere Zahlen veröffentlicht hat als die, die vom RKI in der Nacht darauf veröffentlicht werden – wo doch die Kreise über ein Meldesystem täglich an das RKI melden? Auch das Ministerium für Soziales und Integration meldet immer wieder abweichende Zahlen.

Es wird die berechtigte Frage aufgeworfen, ob nun alle 26 Landkreise höhere Zahlen aufweisen als die, die das Ministerium gesammelt veröffentlicht. In Kurzfassung die Antwort von Minister Kai Klose: "Wir melden exakt das, was beim RKI gemeldet ist. Das funktioniert so, dass die Gesundheitsämter das direkt über eine Software in das RKI einspeisen. Es kann aber sein, weil die Gesundheitsämter unter Volllast laufen, dass es dort zu Verzögerungen kommt." Klose spricht von in der Regel zwei bis drei Tagen Verzögerung.

Meldungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten

Wie es im Detail zu den verschiedenen Werten kommt? Diana Stolz ist Gesundheitsdezernentin im Kreis Bergstraße. Seit Beginn der Corona-Krise habe man Abläufe des Gesundheitsministeriums auf den Kopf gestellt, eine neue Verwaltungsstruktur geschaffen. Die Behörde ist täglich besetzt – auch die Pressestelle. So können auch am Wochenende die neuesten Daten bereitgestellt werden. "Wir veröffentlichen zum einen täglich auf unserer eigenen Website, melden zum anderen ebenfalls tagesaktuell über das Meldeportal die Zahl der Fälle, auch der Todesfälle, an das RKI und das Ministerium", sagt Stolz. "Transparenz ist uns sehr wichtig, soweit der Schutz der Betroffenen und deren Privatsphäre nicht verletzt wird."

Weil der Kreis wie viele andere täglich die Angaben zu den Fällen – allerdings zu unterschiedlichen Zeitpunkten – aktualisiert, können so mitunter neuere Zahlen auf der Kreisebene veröffentlicht sein, als sie im Dashboard des RKI um Mitternacht oder vom Ministerium am Vormittag zusammengetragen und publiziert werden. Auch für den Kreis Limburg-Weilburg ergeben sich so asynchrone Zahlen. Vormittags meldet der Kreis die Zahlen über das System Surfnet an das RKI, die folglich erst in der darauffolgenden Nacht vom RKI veröffentlicht werden.

Das Hessische Ministerium greift dieselben, an das RKI gemeldeten Zahlen über das Portal HLPUG ab, allerdings erst am Vormittag, also etwa 24 Stunden nach der Meldung aus dem Kreis. Zumeist werden diese Zahlen dann gegen 14 Uhr veröffentlicht – also mehr als "rund einen Tag hinterher", wie der Gesundheitsdezernent des Kreises Jörg Sauer bestätigt.

Verzögerungen am Wochenende

Auffällig ist, dass die Zahlen der Neuinfizierten an den Wochenenden zunächst zurückgehen, dann aber sprunghaft ansteigen. Das bedeutet aber nicht, dass sich am Wochenende weniger Menschen infizieren. Auch liegt es nicht nur daran, dass manche Kreise die Zahlen am Wochenende nicht weitergeben. Limburg veröffentliche etwa auch am Wochenende aktuelle Zahlen.

Die Sprünge, die sich Anfang der Woche in einigen Kreisen ergeben, entstünden aber mutmaßlich nicht nur wegen fehlender Besetzung in den Behörden. "Vielmehr wird an den Wochenenden weniger getestet und im Labor ausgewertet. Wenn also am Wochenende weniger Abstriche gemacht werden, kann auch bei uns im Laufe des Montags oder des Dienstags ein Sprung an Zahlen entstehen", so Sauer. "Am Amt liegt es bei uns definitiv nicht, wir erfassen und ermitteln sieben Tage die Woche. Wir müssen ja auch die entsprechenden Quarantäne-Maßnahmen einleiten", erklärt Diana Stolz aus dem Kreis Bergstraße. Auch sie bestätigt, dass am Wochenende vor allem weniger getestet werde.

Zahl der Genesenen wird immer wichtiger

Die Zahl der Genesen ist zwar nicht meldepflichtig, für die Gesundheitsämter sind diese Zahlen dennoch sehr wichtig – und werden entsprechend etwa im Kreis Bergstraße veröffentlicht. "Genesen ist eine Person für uns, wenn sie mindestens 14 Tage nach Auftreten der Symptome symptomfrei ist und von einem Arzt des Gesundheitsamtes untersucht wurde", so Gesundheitsdezernentin Stolz. "Es ist wichtig, diese Zahlen zu melden, weil es für die Leute zum einen ein Zeichen ist, zum anderen für die Statistik, um Veränderungen darzustellen. Die letzten Tage hatten wir mehr Genesene als Infizierte."

Limburg veröffentlicht auch die Zahlen der Genesenen. "So schwierig ist das nicht. Wir betreuen die infizierten Personen, bekommen Rückmeldungen über den Genesungsprozess." Wenn eine Person zwei Tage frei von Symptomen sei und das Ergebnis eines Abstriches vorliege, würden die Personen als "genesen" in der Statistik ausgewiesen. "Das können wir täglich punktgenau machen", so Sauer. In Limburg seien von bisher 179 bestätigten Corona-Fällen entsprechend 122 derzeit als infiziert und 57 als genesen gemeldet.

In der Zukunft könnte dieser Wert theoretisch sogar den der gemeldeten Infizierten übersteigen, erklärt der Limburger Gesundheitsdezernent Sauer. Nämlich dann, "wenn wir einen Antikörper-Test machen können, um zu belegen, wer den Virus schon alles hatte. Wir wollen da auch in Zukunft möglichst transparent und realistisch informieren." Auch Diana Stolz hofft auf diesen Test, "schlichtweg, um die noch Daten valider zu machen und entsprechend zu handeln."

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Welche Zahlen der hr weshalb verwendet

Warum verwendet der Hessische Rundfunk die Zahlen des RKI, um über die Ausbreitung zu informieren? Der hr hat sich früh festgelegt, die Zahlen des hessischen Sozialministeriums zu verwenden - der Vergleichbarkeit und Verlässlichkeit wegen. "Vom Ministerium erwarten wir einmal täglich überprüfte und gut vergleichbare Zahlen. Diese Zuverlässigkeit ist derzeit wichtiger, als noch schneller zu sein", sagt Jan Eggers aus dem hr-Datenteam.

"In diesen Zahlen des Ministeriums stecken aber nicht so viele Informationen, wie wir sie aus den RKI-Informationen lesen können - etwa zu Alter und Geschlecht der Corona-Fälle; für diese Auswertungen nutzen wir dann doch die RKI-Zahlen." Da beide aus derselben Datenquelle stammen - der Meldedatenbank des RKI - seien die durch den Abfrage-Zeitpunkt bestehenden Unterschiede ohnehin gering.

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Infografik: Wie sich Corona in Hessen ausbreitet

Wie viele Corona-Fälle gibt es aktuell? Wie schnell breitet sich das Virus aus? Welche Altersgruppen sind betroffen? Wo gibt es besonders viele Fälle? Hier finden Sie die bestätigten Coronavirus-Infektionen in Hessen auf einer interaktiven Karte.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 4.4.2020, 6 bis 9 Uhr

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