Ein Fahrrad liegt unter einem Lkw
Unfälle, in die Fahrradfahrer und Lkw involviert sind, enden oft tödlich. Bild © picture-alliance/dpa

Immer wieder übersehen Lastwagenfahrer beim Rechtsabbiegen Fußgänger oder Fahrradfahrer. Oft enden solche Unfälle tödlich. Ein Abbiegeassistent kann das verhindern.

Im Führerhaus des Müllwagens blinkt ein kleines Dreieck erst gelb, dann rot auf. Wenn der Abbiegeassistent den Fahrer warnt, gibt es außerdem ein akustisches Signal. Stefan Kratz von der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) hat den Müllwagen sofort gestoppt. "Der tote Winkel: Den wollen wir abdecken. Alles andere sieht die Mannschaft beim Rausschauen. Aber diesen verdammten toten Winkel konnten wir nicht abdecken", sagte Kratz. Mit dem Abbiegeassistenten ist das nun anders.

Oft entscheiden Sekundenbruchteile

Die FES ist für die Müllentsorgung zuständig und hat bereits 15 Prozent ihrer großen Fahrzeuge mit Abbiegeassistenten ausgestattet. Auf diese Technik muss Uwe Lehmann aus Mörfelden noch verzichten. Seit 30 Jahren fährt er Lkw. Aber obwohl er so erfahren ist, fährt gerade im Rhein-Main-Gebiet die Angst immer mit. "Weil ich auch viel in Städten fahre, direkt in Industriegebiete. Da sind sehr viele Fahrradfahrer unterwegs. Da fährt man immer mit einem gemischten Gefühl rein", sagt er. Der Grund: der tote Winkel.

Lkw-Fahrer sitzen hoch und können trotz Außenspiegel schlecht sehen, was sich am Boden rechts von ihrem Lkw abspielt. Selbst wenn mehrere Spiegel in jede Richtung zeigen: Beim Abbiegen entscheiden oft Sekundenbruchteile. Da kann ein Fahrer kaum jeden Spiegel checken. Was im toten Winkel liegt, das können Lkw-Fahrer nur raten. Hinzu kommt, dass Fußgängern und Fahrradfahrern oft gar nicht klar ist, wie schlecht Lkw-Fahrer sie sehen können. Das kann lebensgefährlich werden.

Das Problem mit dem Leasing

Verhindern könnte solche Situationen ein Abbiegeassistent im Lkw. Die Firma Meyer-Logistik fährt mit drei verschiedenen Marken – und erst eine hat einen Abbiegeassistenten bei neuen Lkw überhaupt im Angebot. "Es ist dann natürlich auch eine  betriebswirtschaftliche Betrachtung. Unsere Autos sind zu 99 Prozent  gelaesed. Das heißt: Einfach einen Abbiegeassistenten nachrüsten, ist nicht so einfach. Die Leasing-Zeiten dauern in der Regel zwei Jahre. Und das müssten wir dann wieder 'entbauen' sozusagen", erklärt Sascha Plaum von Meyer-Logistik.

Bei der FES in Frankfurt bestellen sie den Abbiegeasstistenten bei Neufahrzeugen immer mit. Die Kosten pro Fahrzeug schätzt Kratz auf 2.000 bis 3.000 Euro. Geld, das die FES gerne investiert, sagt sein Kollege Norman Wiesener. Denn: "Es ist schlimm genug für denjenigen, der eventuell einen körperlichen Schaden erleidet, also Radfahrer, Fußgänger oder wie auch immer. Aber auch für den, der jeden Tag mit so einem Fahrzeug fährt. Dem wollen wir die bestmögliche Sicherheit geben."

Sendung: hr-iNFO, 14.06.2018, 7.40 Uhr

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