Bienenstich
Kleiner Stich, große Wirkung. Ursula D. bekam vor über 20 Jahren ihren ersten allergischen Schock. Bild © picture-alliance/dpa

Ein Landwirt verletzt sich bei der Arbeit, verliert einen Daumen. Eine Reinigungskraft hat Schmerzen, weil die Hände durch das Putzmittel gereizt sind. Wer dann nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr arbeiten kann, kann sich an die gesetzliche Unfallversicherung wenden. Doch die zahlt nicht immer.

Ein Insektenstich hat gereicht um das Leben von Ursula D. völlig zu verändern. Sie ist um die sechzig Jahre alt und stammt aus einem kleinen Ort im Vogelsbergkreis - mehr soll nicht über sie verraten werden

Vor über 20 Jahren hat eine Wespe Ursula D. gestochen als sie als Verkäuferin in einer Bäckerei gearbeitet hatte sie bekam ihren ersten allergischen Schock: "Ich bin gestochen worden und hab kurze Zeit später angefangen zu reagieren, Kreislauf abgegangen, Atemwege nicht mehr so frei, das Gesicht zugeschwollen, so dass ich mit dem Notarzt in die Klinik gekommen bin", erzählt sie.

"Es ist ja nur eine kleine Wespe gewesen"

Ursula D. hat sich medizinisch behandeln lassen doch die Medikamente hat sie nicht vertragen. Die allergische Reaktion – im weitesten Sinne ein Arbeitsunfall – hatte für sie letztlich gravierende gesundheitliche Folgen. Heute kann sie deshalb kaum noch laufen. Ans Arbeiten ist nicht mehr zu denken. Wovon aber leben?

Um ausreichend finanzielle Unterstützung zu bekommen, muss Ursula D. bis heute kämpfen. "Was mich nur traurig macht, ist eben nicht, dass ich selbst beeinträchtigt bin. Ich habe jeden Tag Schmerzen und ich habe das Gefühl, es wird einem nicht geglaubt, es ist ja nur eine kleine Wespe gewesen."

Woher kommen die Probleme?

Ursula D. hat sich juristischen Rat geholt, beim Sozialverband VDK Hessen-Thüringen. Monika Steinbring ist dort Geschäftsführerin der Bezirksgeschäftsstelle Fulda. Sie erzählt, Probleme gebe es oft vor allem mit der gesetzlichen Unfallversicherung. Die sollte einspringen, bei Arbeitsunfällen und sogenannten Berufskrankheiten. Den Betroffenen steht dann eine Rente zu. Allerdings würde die Versicherung viele Krankheiten als Berufskrankheiten erst gar nicht anerkennen.

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Alleingelassen trotz Versicherung

Wann springt die Unfallversicherung ein? Wie kann man sich möglichst gut absichern? Darüber haben wir mit Hermann-Josef Tenhagen gesprochen. Er ist Chefredakteur des Online-Verbrauchermagazins Finanztip. Das Interview lesen Sie hier.

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"Große Probleme gibt es bei der Anerkennung von Wirbelsäulenerkrankungen, bei Menschen, die schwere Lasten tragen, auf der Schulter, häufig in gebückter Haltung arbeiten. Bei Fliesenlegern haben wir jahrelang um die Anerkennung von Knieproblemen gekämpft", berichtet Steinbring. Wenn gesundheitliche Probleme bestehen, sind sie dann wirklich auf die Arbeit zurückzuführen? Hat sich ein Unfall wirklich am Arbeitsplatz oder auf dem Weg dorthin ereignet? Wer einen Antrag auf Rente stellt, muss das selbst nachweisen.

Viele Anträge werden abgelehnt

Genau das hält die Juristin Steinbring aber für schwierig, gerade bei älteren Menschen. Da könnten zum Beispiel Gesundheitsprobleme auch altersbedingt sein. Letztendlich erlebt sie immer wieder, dass die Unfallversicherung Anträge ablehne: "Da gibt es wirklich strenge Kriterien und wir haben schon den Eindruck, dass es intern sehr rigoros zugeht, also das man lieber erst einmal ablehnt und dann abwartet, wenn sich die Leute wehren, kann man immer noch etwas zusprechen."

Was Berufskrankheiten angeht hat die Unfallversicherung 2016 bundesweit in 80.000 Fällen entschieden, aber nicht einmal jeder Zehnte hat eine Rente bekommen. Bei Arbeitsunfällen kamen die Betroffenen noch seltener zum Zug. Ursula D. ist eine der wenigen, für die es letztendlich eine Unfallrente gab. Zum Leben reicht das längst nicht. Deshalb streitet sie sich noch mit der deutschen Rentenversicherung herum und hofft auch da auf eine Rente. Und das kommt eben auch ganz häufig vor,
dass Betroffene wie sie an mehreren Fronten kämpfen müssen.

Sendung: hr-iNFO, 29.06.2018, 6 Uhr

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