CDU-Logo auf einem Tisch

Wie geht's weiter in der CDU nach dem Rückzug von Annegret Kramp-Karrenbauer? Mit einem Nachfolger wird sich die Partei auch auf den Kurs festlegen, den sie in Zukunft einschlagen will. Wie es um die Chancen möglicher Kandidaten bestellt ist und wofür sie stehen - ein Überblick.

Friedrich Merz

Er ist der Liebling aller, die die gute alte Zeit gerne wiederhätten. Als die CDU ihrer Ansicht nach noch Männer mit Durchsetzungsvermögen an der Spitze hatte. Dazu kommt: Friedrich Merz hatte Topjobs in der Wirtschaft, also auch international Erfahrung außerhalb des Politikbetriebs. Für den Wirtschaftsflügel in der Union deswegen der absolute Wunschkandidat.

Wenn er gut drauf ist, ist Merz ein begnadeter und mitreißender Redner. Seine Chancen schmälert, dass er manchmal arrogant und überheblich rüberkommt, viele CDU-Frauen nehmen ihn deswegen als eitlen Macho wahr. Und es hat ihm geschadet, dass er sich nach seiner Niederlage gegen AKK erst Mal dünne gemacht hat, statt sich in der Partei zu engagieren.

Der frühere Bundestags-Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU, Friedrich Merz (CDU), spricht beim 48. Landestag der Jungen Union (JU) Baden-Württemberg

Armin Laschet

Er ist die Verkörperung der Mitte, liberal und sozial; einer, der versucht, die Ränder zu versöhnen. Den konservativen Teilen in der CDU ist Laschet deswegen manchmal zu lasch. Für die Merkel-Gegner, und davon gibt es ja einige in der CDU, wäre er die Fortsetzung ihrer Politik und deswegen unwählbar. Er punktet mit seinem Image als Landesvater, der lieber mit den Leuten auf der Straße redet, als sich um die drögeren Teile der Politik zu kümmern.

Für ihn spricht, dass er als Ministerpräsident Regierungserfahrung hat und dass sein Landesverband in Nordrhein-Westfalen der größte und einer der mächtigsten in der Union ist. Kleiner Wermutstropfen: Auch zwei andere mögliche Kandidaten kommen aus Nordrheinwestfalen und graben vielleicht die ein oder andere Landesstimme ab. Dazu gehören Friedrich Merz und der nächste Kandidat aus NRW ...

Armin Laschet

Jens Spahn

Er ist schon einmal gegen AKK und Friedrich Merz angetreten - und hat dabei viele positiv überrascht. Jens Spahn ist extrem ehrgeizig und teilt normalerweise gern aus, ab und zu auch unter der Gürtellinie. In diesem innerparteilichen Wahlkampf hat er sich aber äußerst fair verhalten. Als Minister ist er einer der fleißigsten in der Regierung, das spricht sich rum. Auch, dass er innerhalb der Groko partnerschaftlich und geräuschlos einen Pakt mit zwei SPD-Ministerkollegen geschlossen hat, damit die Gesetze gemeinsam schneller durchkommen.

Jens Spahn setzt sich stark für die Rechte von Homosexuellen ein, auch weil ihm das persönlich ein Herzensanliegen ist. Das verschreckt die extrem Konservativen in seiner Partei - und ermutigt die Moderneren, die sich ein weltoffeneres Image für die Partei wünschen. Er wäre ein Generationswechsel an der Spitze der CDU. Bisher landet er aber immer nur auf dem dritten Platz in den Umfragen.

Jens Spahn

Daniel Günther

Er ist der Geheimtipp. Er führt sein Land Schleswig-Holstein als Chef einer Jamaika-Koalition ohne Theater und Streitereien. Grüne bekommen darin genauso ihre Projekte wie Schwarze oder die FDP. Daniel Günther ist für viele die modernste Form des Konservatismus, die CDU der Zukunft. Er verteidigt die CDU-Werte, ist aber wenn's drauf ankommt flexibel und zeigt dennoch immer öffentlich Haltung. Auch gegen den Strom. 

Für die CDU ist er aber wahrscheinlich noch zu modern, die Fraktion der alten Männer in der Partei kann sich mit so einem jungen Politiker an der Spitze wohl noch nicht anfreunden. Es wäre aber schon ein echter Neuanfang und ein starkes Signal, wenn sich Daniel Günther mit seinem früheren Minister Robert Habeck plötzlich in einer Koalition an der Spitze Deutschlands wiederfinden würde. Aber so weit ist die CDU noch nicht.

Daniel Günther Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein

Markus Söder

Er hat sich vom Wadenbeißer zum Landesvater gemausert, ein bisschen grün angestrichen und gegen die AfD positioniert. Im Moment würde ihm das eine gute Startchance als Kandidat liefern. Aber: Söder ist bei der kleinen Schwesterpartei CSU - und die kommt sicher nur zum Zug, wenn sich die große Schwester CDU auf niemanden aus den eigenen Reihen einigen kann. Deswegen hat Söder schon selbst abgewunken. Zumindest für dieses Mal ...

Markus Söder

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 11.2.2020, 12:45 Uhr

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