Stillgelegte Passagiermaschinen der Lufthansa stehen auf dem leeren Rollfeld des Flughafen Frankfurt.

Der deutsche Staat springt ein, um die Lufthansa zu retten. Viel Mitsprache wird es aber nicht geben. Das ist auch gut so, meint unser Kommentator. Zu große Einmischung würde der Fluggesellschaft schaden.

Es ist gut, dass der Bund die Lufthansa retten will. Und es ist auch gut, dass sich die SPD nicht durchgesetzt hat. Bei Deutschlands größter Fluglinie mitreden, mitgestalten, für mehr Klimaschutz? Nein, das ist nur ein Traum. Und das wäre der wirtschaftliche Untergang der Lufthansa gewesen. Der Staat ist ein schlechter Unternehmer - denken wir nur an das Milliardendesaster Flughafen Berlin-Brandenburg. Und bitte jetzt nicht auf böse Konzerne schimpfen. Rund 138.000 Menschen arbeiten bei Lufthansa, ihre Arbeitsplätze wären in Gefahr.

Platzhalter

Der Deal bei der Lufthansa-Rettung zwischen Konzern und Bund heißt jetzt: stille Beteiligung. Genau der richtige Weg. Statt die Lufthansa wegen der unverschuldeten Corona-Krise zu kapern, wird sie gerettet. Ja, der Bund schickt zwei Aufsichtsräte ins Lufthansa-Kontrollgremium, aber das sollen zum Glück keine Politiker sein, sondern unabhängige Experten. Platzhalter also. Und der Bund verzichtet auf die sogenannte Sperrminorität - es sei denn, es bahnt sich eine feindliche Übernahme an, dann kann der Bund sein Veto einlegen. Eine kluge und wichtige Option!

Harte Bedingungen

Damit bekommt die Lufthansa jetzt die Chance, wieder selbst zu Vor-Corona-Stärke zu kommen. Vielleicht ist sogar mehr drin. Dass die Airline das kann, hat sie in den letzten Jahren bewiesen. Und nein, Lufthansa verpulvert jetzt nicht einfach das Steuergeld! Der Bund hat ziemlich elegant harte Bedingungen gestellt. Solange der Staat drinsteckt: Keine Boni für Manager, keine Dividenden, aber dafür Nachhaltigkeitsziele - Lufthansa muss ihre Flotte erneuern.

Doch noch ist der Deal nicht ganz durch, die Genehmigung durch die EU-Kommission ist kein Selbstläufer. Brüssel liebäugelt damit, Lufthansa teilweise Start- und Landerechte zu entziehen. Das Argument: Deutschland päppelt das Unternehmen jetzt mit Staatsknete auf! Das könnte andere Fluggesellschaften schlechter stellen - Wettbewerbsverzerrung also. Das Argument geht aber ins Leere: Denn Billigflieger kommen besser durch die Krise – vor allem, weil sie ihre Mitarbeiter schlechter bezahlen, um ihr Konzernergebnis aufzuhübschen. Diese Unternehmen dürfen jetzt nicht auf Kosten der Lufthansa profitieren! Der gute Deal steht, Brüssel muss zur Einsicht kommen und darf jetzt nicht blockieren.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 26.5.2020, 12 bis 15 Uhr

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