Zwei schwarze Hände halten eine rostige Kette in den Himmel

Wie eng die Popmusik verknüpft ist mit der Geschichte der Versklavung und mit Flucht weltweit, das erzählt Klaus Walter in seinen Popstories. Ohne die musikalischen Wurzeln in Afrika wäre unsere populäre Musik nicht denkbar.

Somalia, Syrien, Afghanistan: Oft reicht es, Namen von Ländern zu nennen, um Bilder entstehen zu lassen. Bilder von Menschen, die aus ihrem Land flüchten wollen oder aber dazu gezwungen werden. Migration hat eine lange Geschichte – und Migration ist auch bis heute eine der Grundlagen der Pop-Musik. Oder anders gesagt: Ohne Migration kein Pop.

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Zum Artikel Ohne Migration kein Pop (Teil 1): Von Afrika in die Welt - Der Sound der Sklaverei

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Der Musikjournalist Klaus Walter spürt in seinen neuesten Popstories dem Sound der Sklaverei nach und begibt sich auf eine musikalische Reise – ausgehend von Afrika in die Welt. Bob Marley propagiert 1977 mit seinem Song „Exodus“ erst einmal den umgekehrten Schritt: den wohl weltweit populärsten Aufruf zur Rückkehr ins gelobte Land - Afrika: "Mein Ziel ist die Einheit Afrikas, wir sind Rastas, erst durch den Sklavenhandel sind schwarze Menschen in den Westen gekommen. Unsere Wurzeln liegen in Afrika."

 Bis zu 12 Millionen Menschen verschleppt

Unsere Wurzeln liegen in Afrika: "Our roots began in Africa" Dieses Mantra verkündet Pharoah Sanders, der afroamerikanische Jazz-Veteran, 1996 in seinem gleichnamigen Song, "Our roots began in Africa", der sich wie viele andere mit der Ur-Migration beschäftigt und mit der Verschleppung von Afrikanerinnen und Afrikanern aus ihrer Heimat.

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Zum Artikel Ohne Migration kein Pop: Nennt uns nicht Einwanderer - Von der Kolonie nach Europa (Teil 2)

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Seit dem 16. Jahrhundert werden geschätzt bis zu 12 Millionen Menschen im Sklavenhandel über den Atlantik nach Alabama und nach Georgia, nach Brasilien und nach Jamaika verschleppt. Nicht alle überleben die Überfahrt. Etwa 15 Prozent sterben auf hoher See oder ertrinken im Atlantik. Das einzige, was die Sklaven in die sogenannte "Neue Welt" mitnehmen können, ist nicht mehr als ihr nacktes Leben. Und ihre Musik!

Ein Kampf um Worte und Würde 

"Schwarze Menschen wollten nicht immer als Schwarze bezeichnet werden, es war ein umstrittenes Wort", so die Sängerin Jamila Woods. Die Geschichte der afroamerikanischen Musik ist auch immer eine Geschichte der unfreiwilligen Migration. Und eine Geschichte der Wörter. Heute beschäftigt sich Woods mit dem musikalischen Erbe ihrer versklavten Vorfahren. "Zuerst war Negro das richtige Wort, dann African American. Schwarze Künstlerinnen und Künstler haben sich dann das Wort Black zurückgeholt, sie haben Black vom negativen Unterton befreit. Also haben wir uns fortan als Schwarz bezeichnet."

Der Kampf um diese Wörter ist auch ein Kampf um Würde und Selbstwertgefühl. "Ich bin schwarz und ich bin stolz darauf", singt James Brown 1968 und formuliert ein neues Schwarzes Selbstbewusstsein. Über die Jahrhunderte entwickeln sich aus diesen afrikanischen Wurzeln immer neue Stile: Reggae und Ska in Jamaika, Calypso in Trinidad & Tobago, die Música Popular Brasileira, Jazz in allen Varianten, Blues, Soul, Rhythm & Blues und am langen Ende HipHop in den USA – die inwzischen bedeutendste Pop-Kultur der Welt. Bei allen Unterschieden haben die vielen Spielarten afroamerikanischer Musik eines gemeinsam: Sie transportieren und bewahren die Erinnerung an die Sklaverei, die Erinnerung an die gewaltsame Migration über den Atlantik von Afrika nach Amerika.

Sendung: hr-iNFO Wissenswert, 19.4.2020, 7:35 Uhr

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