Mallorca

Die Coronakrise trifft Mallorca hart, die Insel ist zu einem großen Teil vom Tourismus abhängig. Viele Deutsche besitzen dort ein Haus oder eine Ferienwohnung. Einige von ihnen machen nun Druck auf die Inselregierung, die weitreichende Ausgangssperre zu lockern. Das sorgt für Irritation.

Eigentlich kann sich Frank Heuberger nicht beklagen. In seinem Wohnort Frankfurt kann er Spazieren gehen – und auch viele Geschäfte sind offen. An seinem Zweitwohnsitz auf Mallorca herrscht dagegen strikte Ausgangssperre. "Aber natürlich wären wären wir jetzt gerne da – auch wenn im Moment das Wetter dort mehr zu wünschen übrig lässt als das unsrige in Frankfurt, über das wir uns nicht beklagen können", so Heuberger. Doch den Frühling auf Mallorca wird er in diesem Jahr nicht erleben. Und ob er in den Sommerferien wieder auf die Insel kann, ist ungewiss.

Nicht alle bleiben höflich

Derzeit dürfen nur Menschen nach Mallorca, die dort ihren Erstwohnsitz haben. Alle anderen müssen zu Hause bleiben. Heuberger besitzt dort ein Haus in einer Wohnanlage. Zusammen mit seinen Nachbarn hat er einen Brief an die Präsidentin der Regionalregierung der Balearen verfasst. Und darin gefragt: "...ob es nicht eine Möglichkeit gäbe, eine Regelung zu finden, die es Besitzern von Zweitwohnungen ermöglichen würde, wieder auf die Insel zu kommen. Zumal diejenigen, die dort ihr Häuschen oder ihr Apartment haben, schon sehr mit der lokalen Wirtschaft verbandelt sind." Der lokale Gemüsehändler oder Handwerker würde von den Ausländern profitieren, so Heuberger – was wiederum der Wirtschaft der Insel zugute käme.

Wie er haben viele Deutsche der Inselregierung geschrieben - manche höflich, manche aber auch etwas ruppiger: "Wir können es nicht verstehen, dass wir sehr hohe Steuern zahlen und trotzdem nicht mehr auf die Insel kommen können, um unsere Immobilie zu nutzen", heißt es da. Und: "Zerstören Sie nicht das Vertrauen der Investoren!"

Ausländer schert das "nicht die Bohne"

Auf der Insel sorgen die scharfen Töne für Ärger. "Die Ausländer, die Häuser gekauft haben, um hier ihre Ferien zu verbringen, Immobilienspekulation zu betreiben oder Geschäfte zu machen, werden nicht die Maßnahmen ändern, die die Ausbreitung der Covid-Epidemie bremsen sollen", heißt es in einem Kommentar der lokalen Zeitung Ara Balears. Die Rechte und Freiheiten der Bürger scherten diese Ausländer in Wirklichkeit "nicht die Bohne".

Die, die sich derzeit auf Mallorca befinden, sind bei der Debatte geteilter Meinung: "Wir wohnen schon seit circa zwölf Jahren hier. Wir haben auch keinen Wohnsitz mehr in Deutschland. Dass die anderen rüberkommen wollen, finde ich natürlich nicht so toll, weil die haben ja einen Wohnsitz in Deutschland. Man muss ja nicht durch die Gegend reisen und den Virus noch weiter verteilen", heißt es von der einen Seite. "Ich bin der Meinung, dass diese Leute einreisen sollten, denn die bleiben ja zu Hause und werden auch bestimmt was für die Wirtschaft tun", auf der andern.

Keine Sonderbehandlung für Deutsche

Die Inselpräsidentin Francina Armengol hat den Deutschen schon geantwortet – und klar gemacht, dass es keine Ausnahmen für einzelne Nationalitäten geben wird. Nach dem Alarmzustand werde sie sich um eine allmähliche Rückkehr zur Normalität einsetzen.

Der spanische Transportminister José Luis Abalos hat für die Lage der Deutschen Verständnis. Auf Anfrage des ARD Studios Madrid sagte er: "Viele Deutsche haben eine Wohnung in Spanien – wir wollen, dass sie sie genießen können. Damit das so bald wie möglich geschehen kann, müssen wir sehen, ob beide Länder auf verbindliche und verantwortungsvolle Weise Möglichkeiten finden können, bei denen auch die gesundheitliche Sicherheit garantiert ist."

Frau Heuberger bleibt optimistisch

Wann Frank Heuberger wieder zu seinem Haus nach Mallorca reisen kann, ist noch völlig offen. Alternativpläne für den Sommer hat er noch nicht gemacht: "Meine Frau hat sich standhaft geweigert, darüber nachzudenken, weil sie in ihrem grenzenlos Optimismus der Auffassung ist, dass wir im August im Flieger sitzen. Ich bin da ehrlich gesagt inzwischen anderer Meinung. Ich glaube, wir werden jetzt doch eher die Nordseeinseln ins Auge fassen."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 23.04.2020, 18-20 Uhr

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