Das Geschäft "Die fantastische Welt der portugiesischen Sardinen" in Lissabon

Sardinen sind zweifellos ein Herzstück der portugiesischen Küche. Die Fangsaison ist eröffnet, allerdings gehen die Fangquoten seit Jahren zurück. Die Fischer im Hafenort Peniche machen sich Sorgen um ihre Existenz.

Eigentlich ist alles wie immer um diese Zeit. Teresa sitzt im Hafen und flickt die Fischernetze ihres Mannes. In denen hoffentlich bald viele Sardinen landen. "Wir bereiten jetzt die Netze vor, damit alles fertig ist, wenn der Sardinenfang losgeht. Es gibt viele Sardinen, auch wenn wir wegen der Quoten nur wenige fangen dürfen. Aber ja, Sardinen gibt es viele", erzählt Teresa. Das sagen auch die Fischer von Peniche. José Maria Pereira zum Beispiel.

Pereira ist 59 Jahre alt und einer der Dienstältesten hier. Er hat Zeiten erlebt, in denen hier rund 60 Boote Sardinen gefischt haben. Heute sind es nur noch 14. Und selbst die dürften nur noch wenige Monate lang auf Sardinenjagd – der Fangquoten wegen.

"Das hält auf Dauer keiner aus!"

Die Fischer bekommen für die Ausfälle Subventionen, aber die gleichen die Verluste nicht aus, sagt José. "Wenn wir nicht fischen, verdienen wir nichts. Im ersten Jahr haben wir noch drei Monate lang Zuschüsse bekommen, in diesem Jahr wird noch ein Monat gezahlt – und im kommenden Jahr soll es gar keine Subventionen mehr geben. Das hält doch auf Dauer keiner aus! Ein Fischer kann nicht überleben, wenn er nur vier Monate im Jahr arbeiten darf!"

Dabei haben die Fischer lange Verständnis dafür gehabt, dass sie weniger fischen dürfen. Jorge Abrantes, Sprecher der Sardinenfischer von Zentralportugal, sagt: Sie selbst hätten Alarm geschlagen, als ihnen immer weniger Sardinen ins Netz gingen. Unter anderem hatten Klimawandel und Überfischung an den Beständen genagt.

Vorsichtig optimistische Prognosen

"Wir Fischer wissen doch, dass sich die Bestände nicht von einem auf den anderen Tag erholen können. Daher sind wir heute sehr zufrieden: Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die Bestände von fortpflanzungsfähigen Sardinen heute 180.000 Tonnen betragen – also um rund die Hälfte höher sind als 2015, als wir die historisch niedrigen Bestände hatten." Abrantes bezieht sich bei den Zahlen auf Schätzungen von Meereswissenschaftlern, die mit Forschungsschiffen vor der portugiesischen und spanischen Küste unterwegs waren.

Auch die portugiesische Regierung ist vorsichtig optimistisch: Vieles deute auf eine leichte Erholung der Bestände hin, sagte gerade der zuständige Staatssekretär. Trotzdem will die Regierung dem Druck der Fischer nicht nachgeben: Sie hat gerade die Quote für das laufende Jahr in einem ersten Schritt auf gut 7.000 Tonnen festgesetzt – noch einmal gut 2.000 Tonnen weniger als im vergangen Jahr. Vor fünf Jahren lag die Quote noch bei 16.000 Tonnen, also mehr als doppelt so hoch.

Ziehen sie Sardinen weiter?

Die Fischer sind empört. Sergio Leandro, Meeresbiologe der Fachhochschule Leiria, kann das verstehen. "Weder die Wissenschaftler noch die Fischer haben absolut recht. Es kann sein, dass die Fischer an manchen Orten in einem bestimmten Moment mehr Sardinen  sehen – und dass da, wo die Wissenschaftler suchen, in einem anderen Moment weniger Sardinen sind. Die Wissenschaftler haben schon den richtigen Forschungsansatz, aber sie brauchen einfach mehr Mittel, um den weiten Ozean genauer untersuchen zu können."

Die Sardine genauer zu erforschen ist nicht einfach. Sie ist ein scheues Wesen, das es kalt mag. Schreitet der Klimawandel fort und erhitzt sich das Meerwasser weiter, ist es gut möglich, dass die Sardinen künftig in kühlere Gewässer ziehen – fernab von Portugal. Aber ein Sommer ohne gegrillte Sardinen, das mag sich hier noch kein Portugiese vorstellen.

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