Schutt, Bäume und sogar Autos sind nach dem Hochwasser an einer Ahrbrücke in Rheinland-Pfalz hängengeblieben. (dpa)

Beim Aufräumen in den Hochwassergebieten offenbart sich das nächste Problem: In Schlamm und Schutt findet sich alles, was die Fluten mit sich gerissen haben, darunter Gift- und Gefahrstoffe von Heizöl bis Munition. Was dagegen getan wird und welche Folgen das für die Region hat: ein Überblick.

Seit dem ersten Tag nach den Überschwemmungen ist Viola Wohlgemuth im nordrhein-westfälischen Katastrophengebiet unterwegs. Gemeinsam mit einem Kollegen nimmt sie an verschiedenen Stellen Boden- und Wasserproben. Als Expertin für Umweltchemie arbeitet sie für die Umweltschutzorganisation Greenpeace. "Was wir sehen ist, dass nicht nur Deponien überflutet wurden und Recycling-Anlagen, sondern ganze Kläranlagen wurden aufgerissen und die Kanalisation, plus natürlich die ganzen Heizöltanks."

Schadstoffe auf Spiel- und Sportplätzen

Viola Wohlgemuth nimmt Proben auf Spiel- und Sportplätzen, auf Feldern, in Hausgärten. Auch dorthin verteilten die Fluten Heizöl und Benzin, beides gut erkennbar, aber auch Lösungsmittel, Asbest, Haushaltschemikalien, Pestizide und andere Schadstoffe. In einem mobilen Labor bereitet sie die Proben auf Nachweise auf solche Verunreinigungen vor.

Die Tests müssen nach besonderen Regeln verlaufen, sagt Benjamin Schwan vom Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft der Technischen Universität Dresden. Die Analyse der Proben werde in akkreditierten Laboren mit akkreditierten Analysemethoden vorgenommen, die nachvollziehbar und sehr aussagekräftig seien.

Schwan sagt, jetzt sei es wichtig, schnell zu wissen, woraus der Multischadstoffmix in den Überschwemmungsgebieten genau besteht und in welche Richtungen er vom Wasser verteilt wurde, "weil dann kann man auch die Entsorgung wesentlich einfacher und umweltverträglicher gestalten." Natürlich könne man nicht alle Stoffe sondieren und analysieren, weil das zu lange dauern würde und zu teuer wäre. Aber die wichtigsten Schadstoffe seien gut identifizierbar.

Krankheitserregende Keime aus Kanalisationen

Doch Gifte sind nur das eine. Nicht zu unterschätzen sind auch krankheitserregende Keime aus geborstenen Kanalisationen und Kläranlagen. Über Wasser und Schlamm können sie bis in unsere Körper hineinkommen. "Diese Sache mit den Keimbelastungen ist für mich das Akuteste, was erstmal vorherrscht", sagt Schwan, "weil man sich tatsächlich mit kleinen Kratzern schonmal die Gesundheit verschlechtern kann." Alles andere könne man im Nachhinein noch regeln, "aber das ist das Akuteste, was auch die Menschen vor Ort bitte beachten sollten."

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„Das sind Dinge, die wirklich sehr langfristig dort sein können, und das beunruhigt mich sehr.“ Viola Wohlgemuth, Expertin für Umweltchemie bei Greenpeace Viola Wohlgemuth, Expertin für Umweltchemie bei Greenpeace
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Hygiene tut Not, auch Viola Wohlgemuth trägt deshalb bei ihren Probennahmen Schutzkleidung. Sie ist davon überzeugt, dass die Folgeprobleme der Verschmutzung die Menschen noch länger beschäftigen werden: "Es kommt ganz darauf an, mit welchen Schadstoffen und welchen Konzentrationen bestimmte Gebiete betroffen wurden. Wenn ich mir eine ganze Ackerfläche vorstelle, wenn da der Boden kontaminiert ist, sind das Dinge, die wirklich sehr langfristig dort sein können, und das beunruhigt mich sehr."

Früchte, Gemüse und Trinkwasser könnten belastet werden

Denn Schadstoffe könnten sich in den Früchten und im Gemüse ablagern. Schadstoffe könnten aber auch ins Tinkwasser gelangen. Deponie-Kapazitäten könnten für den beim Reinigen und Entsorgen anfallenden Müll nicht ausreichen – die Liste möglicher Folgeprobleme ist lang. Doch die Gefahr, dass sie ein zweites Mal geschrieben werden muss, lässt sich reduzieren: durch künftiges Zusammendenken von Katastrophenschutz und Klimapolitik etwa oder durch den Verzicht auf unnötige Chemikalien.

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