Familie Jabas

Die Familie Jabas ist aus Aleppo geflohen und lebt seit einem Jahr in Deutschland. Wir haben im Dezember ein Video veröffentlicht, in dem die zehnjährige Tochter Nada von ihren zwei Leben erzählt. Darauf gab es enorm viel Resonanz. Hier beantworten wir Ihre Fragen.

Dieses Video haben wir im Dezember von der Familie Jabas gedreht:

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Auf unserer Internetseite haben wir außerdem ein Video von Nadas Vater veröffentlicht, in dem er über die Situation seiner Familie in Syrien und hier in Deutschland erzählt.

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Große Resonanz auf die Geschichte der Familie

Die Resonanz hat uns selbst überrascht. Das Video von Nada wurde auf Facebook innerhalb von wenigen Tagen knapp 80.000 Mal angesehen, 500 Mal geteilt und erreichte fast eine Viertelmillion Menschen. Auch wurden uns viele Fragen dazu gestellt und Kommentare abgegeben - positive wie negative.

Waren die Szenen im Video gestellt?

Ein Facebook-Nutzer schrieb beispielsweise, es wirke, als hätten wir dem Mädchen die Worte in den Mund gelegt. Unser Online-Redakteur Lukas Gedziorowski war beim Dreh dabei, er hat die Mädchen gefilmt. Seine Antwort auf diese Unterstellung: "Gemeint war vor allem die Szene auf dem Spielplatz, wo das Mädchen über Syrien erzählt. Das Interessante ist, dass gerade diese Szene ganz beiläufig entstanden ist. Ich habe die Kinder einfach beim Spielen gefilmt, um etwas von ihrer Lebenswirklichkeit aufzuzeichnen, und dabei habe ich ganz nebenbei gefragt, ob sie Syrien vermissen.

Daraufhin erzählte Nada ganz beiläufig, wie es in Syrien ist – nämlich, dass die Stadt, aus der sie kommt, zerstört sei, dass viele Menschen tot seien und viele ihrer Freunde auch. Eigentlich wollte ich Fragen nach dem Krieg vermeiden, schon alleine aus Rücksicht auf die Sensibilität des Themas. Und dann hat mich das Kind so stark überrascht mit dieser Offenheit. Daher ist der Vorwurf, wir hätten dem Mädchen etwas in den Mund gelegt, völlig haltlos. Er beruht wahrscheinlich auf einem grundlegenden Misstrauen gegenüber den Medien. Aber die meisten werden wahrscheinlich gemerkt haben, dass die Kinder sich sehr natürlich verhalten."

Warum bekam die Familie kein Asyl? - Schutzmöglichkeiten für Geflüchtete in Deutschland

Zahlreiche Facebook-Nutzer wollten wissen, weshalb der Asylantrag der Familie abgelehnt wurde. Die Begründung lautet, dass kein individuelles Verfolgungsschicksal vorliege. Die Behörde beruft sich dabei auf die Aussagen der Eltern bei ihrer Anhörung im Rahmen ihres Asylverfahrens. Der Familie Jabas droht in ihrem Land "nur" ganz allgemein aufgrund willkürlicher Gewalt ernsthafte Gefahr und das führt, so das Bundesinnenministerium, nach dem geltenden Recht nicht zu Asyl oder Flüchtlings-, sondern zum weniger umfangreichen subsidiären Schutz. Gegen die Entscheidung hat die Familie Klage eingereicht.

Hier haben wir nochmal das Wichtigste zu den drei Schutzmöglichkeiten, die geflüchtete Menschen in Deutschland erhalten können, zusammengefasst:

Weitere Informationen

Schutzmöglichkeiten für Geflüchtete in Deutschland

Es gibt für Flüchtlinge drei Möglichkeiten, in Deutschland Schutz zu erhalten:

1. Sie erhalten Asyl,
2. Sie werden als Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt,
3. Sie erhalten subsidiären - also quasi vorläufigen - Schutz.

Ob und wenn ja welchen Status der Asylsuchende erhält, entscheidet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Asyl im eigentlichen Sinne steht nach den Bestimmungen des Grundgesetzes nur denjenigen zu, die persönlich "politisch" verfolgt werden (Artikel 16a). Gemeint sind ernsthafte Diskriminierungen durch einen Staat oder staatliche Organisationen. Eine allgemeine Gefährdung etwa durch einen Bürgerkrieg reicht nicht aus. Bekommt ein Geflüchteter Asyl, bedeutet das, dass er zunächst drei Jahre bleiben und auch seine Familie nachholen darf.

Asylberechtigten rechtlich gleichgestellt sind sogenannte "Flüchtlinge unter internationalem Schutz", die nach den Bestimmungen der auch von Deutschland anerkannten Genfer Konvention von 1951 aufgenommen werden. Deren Definition ist breiter angelegt und erfasst neben rein politischer Verfolgung auch Menschen, die aus Angst vor sehr schweren Menschenrechtsverletzungen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Rasse, Religion oder "sozialen Gruppe" geflohen sind. Auch der Flüchtlingsstatus gemäß Genfer Konvention ist daran gekoppelt, dass der Betroffene aufgrund spezifischer Umstände individuell bedroht ist - allgemeine Notsituationen reichen nicht aus.

Als Rückfalloption gibt es nach EU-weit geltendem Recht den "subsidiären Schutz", um Menschen, die nicht unter die Genfer Flüchtlingskonvention oder das deutsche Grundrecht auf Asyl fallen, aufzunehmen. Die Behörden können einen Ausländer, bei dem keine konkrete individuelle Verfolgung vorliegt, als "subsidiär Schutzberechtigten" unter internationalen Flüchtlingsschutz stellen, sofern in seinem Land etwa aufgrund "willkürlicher Gewalt" in einem Krieg oder Bürgerkrieg eine "ernsthafte" Gefahr droht. Die Aufenthaltserlaubnis wird für ein Jahr erteilt und kann verlängert werden. Seit Inkrafttreten des Asylpakets II im März 2016 wurde die Möglichkeit des Familiennachzugs für Menschen unter subsidiärem Schutz für zwei Jahre (bis zum 31.07.2018) ausgesetzt.

Momentan kommen nach wie vor die meisten Asylsuchenden aus Syrien. Hier ist auffällig, dass im Laufe des vergangenen Jahres immer mehr von ihnen nur noch einen subsidiären Schutz bekommen haben. Während im Juli laut BAMF nur 55 Prozent der Antragsteller aus Syriendiese Form des Schutzes bekamen, waren es im September 2016 schon 71 Prozent. Die Quote derjenigen, die umfassenderen Schutz erhielten (Flüchtlingsschutz nach Genfer Konvention oder Asyl), sank entsprechend.

Immer mehr Geflüchtete, die nur einen subsidiären Schutz erhalten, klagen gegen diese Entscheidung. Das geht aus den Zahlen an Klagen hervor, die im Laufe des Jahres bei den Verwaltungsgerichten eingegangen sind. Vor allem syrische Flüchtlinge machen von diesem Recht Gebrauch – so auch die Familie Jabas. Und offenbar haben viele von ihnen damit auch Erfolg. Von den bis Oktober 2016 bearbeiteten Fällen erhielten 75 Prozent der Kläger Asyl oder Flüchltingsschutz.

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Woher wissen Sie, dass die Familie tatsächlich aus Syrien stammt?

Einige zweifelten an der angegebenen Herkunft der Familie. Neben einigen Hinweisen, die Syrien als Heimatland der Familie sehr wahrscheinlich erscheinen lassen (Sprache, Fotos), haben wir Kopien von Ausweisdokumenten gesehen, die das bestätigen.

Wie kam die Familie nach Deutschland?

Wie gelang der Familie mit zwei kleinen Kindern der schwierige Weg nach Deutschland?, war eine weitere Frage, die uns häufig gestellt wurde. Wir haben ihre Fluchtroute, die über den Libanon in die Türkei nach Europa führte, nachzgezeichnet.


Überfahrt von Izmir nach Lesbos

Mit seinem Handy hat Mahmoud Jabas ein kurzes Video von der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland gefilmt. Zusammen mit 52 Menschen sind sie in einem neun Meter langen Boot nach Lesbos übergesetzt, der Motor sei während der dreistündigen Überfahrt mehrere Male ausgefallen.

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Mehr zum Thema

Nachgefragt: Familie Jabas klagt auf Flüchtlingsschutz - wie ist der aktuelle Stand?

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Redaktioneller Hinweis

Die Familie Jabas hat uns diesen Einblick in ihr Schicksal gewährt und war bereit, auch die vielen Nachfragen zu beantworten, um Menschen einen Eindruck zu vermitteln, was es bedeutet, wegen eines Krieges die eigenen Heimat verlassen und in einem fremden Land neu anfangen zu müssen. Fremdenfeindliche Tendenzen bleiben auch der Familie nicht verborgen und deshalb möchte sie mit dem Öffentlichmachen ihrer Geschichte "zu mehr Verständnis für Geflüchtete" beitragen, so Mahmoud Jabas.

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