Symbolbild Impfung

Die Grippeschutz-Impfung ist in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie gefragter denn je. Aber kann und sollte sich tatsächlich jeder impfen lassen?

In diesem Jahr ist sie gefragter denn je: die Grippeschutz-Impfung. Umfragen zeigen, dass sich jeder Zweite Deutsche impfen lassen möchte. Die Empfehlung kommt diesmal auch von ganz oben. Bundesgesundheitsminister Spahn (CDU) und auch Hessens Gesundheitsminister Klose (Grüne) raten dringend dazu.

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Grippe Impfung
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Immerhin: Insgesamt 26 Millionen Grippe-Impfstoffdosen gibt es diesmal deutschlandweit. Das sind rund fünf Millionen mehr als im vergangenen Jahr. Das sollte eigentlich reichen. In den Vorjahren sei der Impfstoff nie komplett ausgeschöpft worden, sagte eine Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts dem hr. Doch Corona ändert alles.

RKI: Impfstoff könnte knapp werden

Professor Sabine Wicker empfiehlt die Grippeschutzimpfung derzeit jedenfalls nur für Menschen aus der Risikogruppe, damit der Impfstoff auch auf jeden Fall reicht. Sie arbeitet am Uniklinikum Frankfurt und ist die stellvertretende Vorsitzende der ständigen Impfkommission STIKO am Robert-Koch-Institut.

Zwar gebe es deutlich mehr Impfstoff als in den vergangenen Jahren, so die Expertin. Aber wenn sich alle, für die die STIKO eine Impfung empfiehlt - also alle über 60, alle chronisch Kranken, alle Menschen mit Publikumsverkehr, das medizinische Personal - impfen lassen würden, bräuchte man allein schon über 40 Millionen Impfstoffdosen. "Wenn wir jetzt sagen: Leute, lasst euch alle impfen, dann könnte es unter Umständen schon problematisch sein."

Impfung hat bei Risikogruppe größten Effekt

Das sei zwar eher unwahrscheinlich, denn bisher hat sich nur jeder Dritte über 60 gegen Grippe impfen lassen. Aber man möchte in diesem Herbst sicher gehen, dass es für alle aus der Risiko-Gruppe, die sich impfen lassen wollen, auf jeden Fall reicht.

Denn bei dieser Gruppe habe die Impfung den größten Effekt, sagt die Expertin. Sie könne schwere Verläufe und Krankenhauseinweisungen verringern – und damit auch unser Gesundheitssystem schonen. Man wolle während der Pandemie erreichen, dass alle mit einem erhöhten Risiko gut vor der Influenza geschützt sind, "um zu verhindern, dass der Höhepunkt der Influenza-Welle zeitgleich mit einem Anstieg der SARS-CoV-2-Fallzahlen auftritt", so Wicker.

Gleichzeitige Infektion "sehr problematisch"

Jedes Jahr kommt es allein durch die Grippe zu Millionen Arztbesuchen und tausenden Krankenhausaufenthalten. Das könnte das System in Corona-Zeiten an seine Grenzen bringen. Und was passiert eigentlich, wenn man sich gleichzeitig mit Corona und Grippe infiziert? Darüber weiß man wissenschaftlich noch wenig.

Allgemeinmediziner Wolfgang Seher aus Frankfurt möchte es lieber nicht ausprobieren: "Das wird dann doch, kann man sich vorstellen, für unser Immunsystem sehr problematisch." Man habe dann zwei Bereiche, die die Lunge schwer belasten und man wisse ja inzwischen, "dass Corona vor keinen Organen hält, wir kriegen Belastungen mit dem Herz, auch gibt es jetzt Neuro-Studien, dass das Gehirn beteiligt ist." Das sei dann "natürlich eine sehr problematische Variante." Er empfiehlt deshalb allen seinen Patienten - ob Risikogruppe oder nicht - sich impfen zu lassen. Sicher ist sicher.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 12.10.2020, 6 bis 9 Uhr

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