Nato Hauptquartier

Sich selbst gegen einen äußeren Feind verteidigen können: Das war die Gründungsidee der NATO im Jahr 1949. Das Bündnis hatte seitdem aber auch intern immer wieder mit heftigen Konflikten zu kämpfen. Ein Rückblick.

Ein erster Meilenstein in der Geschichte der NATO ist die Suez-Krise. Ägypten will den Suezkanal verstaatlichen. Großbritannien und Frankreich wollen aber die Kontrolle über diesen wichtigen Handelsweg zwischen Europa und Asien nicht aufgeben. Franzosen und Briten schicken ihre Luftwaffe.

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Reformvorschläge für die NATO

Die NATO fiel in der jüngeren Vergangenheit vor allem durch Streit und Uneinigkeit innerhalb der Allianz auf. Jetzt legt eine Gruppe von Experten Vorschläge für eine Reform des Bündnisses vor. [mehr]

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Ägypten ruft die Sowjetunion um Hilfe. Die Welt steht vor einem neuen Weltkrieg. Aber die USA greifen ein, pfeifen ihre NATO-Partner zurück. Es war der erste große Streit. Und der hatte Folgen. In Frankreich wuchs die Unzufriedenheit über die Übermacht der USA im Bündnis. Man wollte selbst militärische Entscheidungen treffen und trat 1966 aus dem Militärbündnis wieder aus, kooperierte allerdings weiter mit der NATO. Und kam erst 2009 zurück in den Klub.

Vorwände und Lügen

Die Zeit vor dem Irakkrieg 2003 war auch eine Bewährungsprobe für den Zusammenhalt der NATO: Die USA strapazierten das Verhältnis mit allergrößter Kraft und mit Hilfe von Vorwänden und Lügen. So berichtete Colin Powell, der damalige US-Verteidigungsminister, der Weltöffentlichkeit: „Eines der besorgniserregendsten Dinge, die sich in unserer dicken Geheimdienstakte über die biologischen Waffen im Irak befinden - wir haben Zeugenaussagen über mobile Biowaffen-Fabriken auf Rädern und auf Schienen.“

Die internationale Gemeinschaft war nicht überzeugt. Und auch nicht die NATO. Und so zogen die USA mit einer „Koalition der Willigen“ in den Krieg gegen Bagdad. Großbritannien, Spanien und Italien machten mit. Frankreich, Belgien und Deutschland lehnten ab. Die NATO war gespalten wie nie zuvor.

Ein ewiger Streit

Einen Streit allerdings hatte sich die NATO schon 1952 praktisch mit in die Wiege gelegt: Der Beitritt des 13. und 14. Mitglieds: Griechenland und die Türkei, seit jeher im Dauerclinch. Die Türkei, ein strategisch enorm wichtiger NATO-Partner, steht in den vergangenen Jahren immer wieder im Mittelpunkt mehrerer Streitigkeiten: Unter Recep Tayyip Erdogan hat die Türkei russische Raketenabwehrsysteme gekauft, ein Eklat innerhalb der NATO und ein Sicherheitsproblem. Die Türkei ist eigenmächtig in Nordsyrien einmarschiert. Und sie streitet sich, natürlich mit Griechenland, um Erdgas. Und weiterhin um Zypern.

Die NATO – das Bündnis zur Selbstverteidigung – ist offensichtlich eine streitlustige Allianz, vor allem intern. Und hatte von Beginn an immer auch genug mit sich selbst zu tun.

 Sendung: hr-iNFO Aktuell, 1.12.2020, 15 bis 18 Uhr

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