Grace Choga, Laien-Therapeutin in Simbabwe, sitz auf einer sogenannten Freundschaftsbank

Vor 13 Jahren hatte ein Psychiater in Simbabwe die Idee, Großmütter zu Laien-Therapeuten auszubilden. Seitdem sitzen die alten Damen auf Bänken unter Bäumen, hören zu - und helfen nicht nur anderen, sondern auch sich selbst.

Im Umland von Harare holt man Wasser mit großen Kanistern und Handkarren. Fließendes Wasser und Strom gibt es nicht. Das ist nur ein Teil der wirtschaftlichen Situation in Simbabwe. Kein Wunder, dass viele Menschen psychische Probleme haben.

Hilfe gibt es von Großmüttern wie Grace Choga. Das alles hier setze die Menschen ganz schön unter Stress, sagt sie. „Manche Leute haben auch kein Geld für Gas und fragen sich, wie sie für ihre Kinder kochen sollen. Sogar Feuerholz können sich viele Leute nicht leisten. Sich ständig Sorgen über solche Dinge machen zu müssen, belastet die Menschen ungemein.“

Tiefgreifende Gespräche

Choga hat sich freiwillig ausbilden lassen, ohne jede Bezahlung. Sie setzt sich auf die sogenannte Freundschaftsbank im Schatten eines Baumes und empfängt dort andere Frauen – gewissermaßen ihre Patientinnen. Eine davon ist Blangina Munenga. "Wenn man ständig über seine Probleme grübelt, dann raubt einem das die Energie oder man wird sogar noch herzkrank", sagt sie. Aber seit sie Großmutter Choga treffe, fühle sie sich viel besser.

Die Gespräche haben System. Sie schürfen tief, sie packen das Problem an. Die Frauen, die den Mangel an Psychologen ausgleichen, kennen sich in der Nachbarschaft aus. Sie sind mit den Problemen vertraut und sie strukturieren sie. Sie geben Menschen mit ernsthaften Depressionen wieder Halt.

Nur elf Psychiater im ganzen Land

"Unfassbar wertwoll" findet das Ruth Verhey. Die deutsche Psychologin gehört zu dem Team, das die Großmütter ausbildet – mit gutem Grund. "Damit sie auch was erkennen können", sagt Verhey. Denn in einem "Kontext wie hier, wo so wenig Wissen darüber herrscht, ganz viele Missverständnisse entstehen oder so Fehlkonzepte, wie dass jemand, der eine Psychose hat, verhext ist." Wer als verhext gilt, wird in Simbabwe schon mal festgebunden von Verwandten oder einer der wenigen Kliniken, die sich überhaupt der psychischen Gesundheitsversorgung widmen können.

Das ist das Manko, das Dixon Chibanda auf die Idee gebracht hat, die Freundschaftsbank zu gründen. Er ist einer der insgesamt elf Psychiater landesweit. "In Simbabwe gibt es wie in vielen afrikanischen Ländern keine ausreichende psychologische Betreuung", erklärt Chibanda.

Das Überraschende an ihrem Projekt sei, dass die Großmütter extrem belastbar seien, wenn es um die am meisten verbreiteten psychischen Probleme gehe. Eine Befragung unter ihnen habe ergeben, dass es ihnen einen Sinn im Leben gebe. "Das ist also nicht nur für die Klienten therapeutisch, sondern auch für die Großmütter selbst. Sie werden nicht bezahlt, finden es aber bereichernd."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 22.11.2019, 15 bis 18 Uhr

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