Frische Hähnchen in Plastiktüten verpackt und mit Gewichts - und Preisangabe an einem Marktstand in Osterode am Harz
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Der Fleischverbrauch der Deutschen ist rückläufig. Es gibt aber auch Fleischsorten, die sich dem Trend widersetzen: Geflügelfleisch zum Beispiel. Besonders beliebt ist Hühnerfleisch. Welche Folgen hat das für die Haltung der Tiere?

Grillhähnchen, Hühnersuppe, Hähnchencurry oder Chicken Wings – die Bandbreite an Rezepten mit Hühnerfleisch ist riesig. Und sie wächst. Denn in den letzten Jahren  erlebte Hühnerfleisch eine enorme Nachfragesteigerung. Seit 1960 hat sich der Konsum von Hühnerfleisch weltweit in etwa verfünffacht. Er liegt derzeit im Durchschnitt bei über 11 Kilo pro Kopf und Jahr. Allein aus deutschen Betrieben kommen jährlich rund 1000 Tonnen Hühnerfleisch. Anna Olschewsky ist Agrarwissenschaftlerin von der Universität Kassel. Sie hat das Buch "Planet der Hühner" geschrieben, in dem sie das Mensch-Huhn-Verhältnis unter die Lupe nimmt. Ihre Antwort auf die Frage nach der Popularität des Huhnes:

„Das eine ist einfach so ein bisschen der Wandel in den Ernährungsgewohnheiten, dass man eher fettarme Produkte präferiert und Produkte, die vielleicht auch proteinreich sind. Viele Leute machen Sport und wissen, dass es gut ist, wenn man da auch Proteine zu sich nimmt. Außerdem ist Geflügelfleisch oder eben Hühnerfleisch besonders fettarm und auch proteinreich. Ein anderer Aspekt ist, dass Menschen zunehmend gar nicht mehr so viele Erfahrungen in der Küche haben. Hühnerfleisch ist sehr einfach zuzubereiten. Das ist auch ein wichtiger Aspekt, also ganz anders als beispielsweise ein Rinderfilet oder so.“

Huhn auf Wiese
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Ein weiterer Grund für die steigende Beliebtheit des Hühnerfleischs ist sicher auch, dass es in allen Kulturen auf dem Speiseplan steht. Außerdem ist Hühnerzucht wirtschaftlich attraktiv. Die Vögel brauchen weniger Platz als Schweine und Rinder, sie wachsen schneller, und einmal geschlachtet lassen sie sich rascher verbrauchen. Das ist vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern attraktiv, dort wo es wenig Kühlmöglichkeiten gibt.
Um den Bedarf an Hühnerfleisch zu decken, werden sogenannte Hochleistungsrassen gezüchtet. Sie sind genetisch in vielen Details optimiert, sie brauchen relativ wenig Futter und setzen trotzdem besonders viel Fleisch an – vor allem an Brust und Beinen.

Dreimal so viele Hühner wie Menschen

Aktuell gibt es auf der Welt rund dreimal so viele Hühner wie Menschen.  Dieser enormen Zahl an Vögel stehen erstaunlich wenige Zucht-Unternehmen gegenüber, so Anna Olschewsky: "Für die Zucht ist es tatsächlich so, dass es weltweit nur vier große Konzerne gibt, die das unter sich aufteilen, und wenn man jetzt auf die Fleischproduktion guckt, da gibt es jetzt auch zum Beispiel für Deutschland gesehen nur ganz wenig große Unternehmen, die da Bedeutung haben. Da ist diese PHW-Gruppe von der Familie Wesjohann, wo eben auch Wiesenhof mit im Zusammenhang steht, die haben beispielsweise einen Umsatz von über zwei Milliarden Euro im Jahr, nur einfach mal das als Größenordnung wo man die Bedeutung und die Größe der Unternehmen sieht." Tendenz steigend, sagt Anna Olschewsky.

Hühnerfleisch in Auslage
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Schattenseiten

Die Beliebtheit von Hühnerfleisch hat viele Schattenseiten. Dafür einige Beispiele: Viele Hühner leben in sogenannten Mastställen. 40.000 Vögel pro Stall sind keine Seltenheit. Die Umgebungsbedingungen sind genau ausgetüftelt. Denn Hochleistungshühner sind empfindlich. Um die Hühner zu ernähren, werden vor allem in warmen Erdteilen große Mengen eiweißreicher Pflanzen angebaut und importiert, Soja zum Beispiel. Um die Hühner fit zu halten, werden oft Medikamente eingesetzt, wie Antibiotika. Für möglichst wenig Geld soll am Ende möglichst viel Fleisch herauskommen.

Ein Ausweg, sagt Anna Olschewsky, kann Fleisch aus ökologischer Tierhaltung sein, weil "ökologische Tierhaltung einfach einen anderen Fokus setzt, also dass es ganz vordergründig darum geht, dass man der Tiergesundheit mehr Rechnung trägt, also dass die Haltung optimaler ist, besser zu den Bedürfnissen der Tiere passt, dass die beispielsweise immer einen Zugang zu einem Auslauf haben, und da gibt es tatsächlich Abstufungen zu einzelnen Ökosiegeln, es ist in jeden Fall dass auch da es unterschiedlich strenge Vorgaben gibt, und je mehr Vorgaben, desto teurer ist natürlich auch das Produkt."

Sendung: hr-iNFO, 9:10 Uhr

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