Ein Bootsflüchtling nach der Rettung in Spanien
Ein Bootsflüchtling nach der Rettung in Spanien Bild © picture-alliance/dpa

Wie viele Flüchtlinge hat Deutschland bisher aufgenommen? Wie viele Anträge auf Asyl wurden bewilligt? Und warum kommen die Menschen hierher? Wir haben wichtige Fragen zum Thema beantwortet.

Wie viele Flüchtlinge gibt es weltweit?

Laut UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) waren im Jahr 2017 weltweit rund 68,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Das sind so viele wie nie zuvor. Seit fünf Jahren steigt die Zahl der Schutzbedürftigen an. Etwa 40 Millionen Menschen sind Vertriebene im eigenen Land.

Woher kommen die meisten Geflüchteten?

Die meisten (6,3 Millionen) kommen aus Syrien. Am zweithäufigsten suchen Menschen aus Afghanistan Schutz (2,6 Millionen), danach kommen Südsudan, Myanmar und Somalia als Herkunftsländer.

Warum flüchten Menschen aus ihren Heimatländern?

Hauptgründe sind Krieg, Gewalt und Verfolgung, im Südsudan verschlimmert eine Hungersnot die Situation. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung geben die meisten Betroffenen als Fluchtursachen Angst vor gewaltsamen Konflikten und Krieg an (70 Prozent, vor allem aus Syrien, Afghanistan, Irak, Iran). Andere Motive sind Verfolgung (44 Prozent), Diskriminierung und Zwangsrekrutierung (vor allem Eritrea). 39 Prozent nennen schlechte persönliche Lebensbedingungen und 32 Prozent die wirtschaftliche Situation in ihrem Herkunftsland als Fluchtmotiv.

Wie viele Geflüchtete starben bisher im Mittelmeer?

Im Jahr 2017 haben 3116 Menschen den Versuch einer Einreise übers Mittelmeer nicht überlebt. Das waren deutlich weniger als im Vorjahr, da hat die Internationale Organisation für Migration 5143 tote Bootsflüchtlinge gezählt.

Welche Länder haben die meisten Geflüchteten aufgenommen?

85 Prozent der Geflüchteten sind in Entwicklungsländern untergebracht. Die Türkei hat mit 3,5 Millionen weltweit die meisten Schutzbedürftigen aufgenommen. Jeweils 1,4 Millionen sind in Pakistan und Uganda, danach kommen der Libanon, Iran und Deutschland.

Warum kommen die Schutzbedürftigen nach Deutschland?

73 Prozent der Befragten geben die Achtung der Menschenrechte an, laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Weit dahinter mit 43 Prozent werden das Bildungssystem und das "Gefühl willkommen zu sein" genannt. 26 Prozent nennen die staatliche bzw. soziale Wohlfahrt als Grund. Auch die wirschaftliche Lage spielt eine Rolle (24 Prozent).

Wie viele Flüchtlinge hat Deutschland aufgenommen?

Insgesamt hat Deutschland 970.400 Schutzbedürftige aufgenommen - und damit die meisten in Europa nach absoluten Zahlen. (Hinzu kommen noch rund 429.000 Menschen, deren Asylverfahren noch läuft.) Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung sind es jedoch Lettland, Estland und Schweden die Länder, die am meisten Menschen aufgenommen haben.

Wie viele Asylanträge wurden seit 2015 in Deutschland gestellt?

Im Jahr 2015 wurden laut BAMF 467.649 Asylanträge gestellt, davon 441.899 Erstanträge. 2016 stieg die Zahl stark an: Es wurden 745.545 Asylanträge gestellt, davon 722.370 Erstanträge. Im Jahr 2017 wurden es deutlich weniger: Nur noch 222.683 Asylanträge wurden gestellt, davon 198.317 Erstanträge. Der Abwärtstrend setzt sich auch im Jahr 2018 fort.

Wie viele Asylanträge wurden abgelehnt?

Im Jahr 2015 wurden 32,4 Prozent der Asylanträge abgelehnt, im Jahr darauf waren es nur noch 25 Prozent und im Jahr 2017 stieg die Zahl auf 38,5 Prozent. Im Jahr 2018 wurden bislang 36,2 Prozent abgeleht (bis Mai).

Wie viele Menschen wurden abgeschoben?

Im Jahr 2015 gab es insgesamt 20.888 Abschiebungen, im Jahr 2016 25.375, im Jahr 2017 23.966.

Ist die Zahl der Straftaten in Deutschland durch Migration gestiegen?

Nein, die Zahl der Straftaten ist auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik wurden im Jahr 2017 fast zehn Prozent weniger Straftaten registriert als im Vorjahr. Die Gewaltkriminalität ist um 2,4 Prozent zurückgegangen, Diebstahl und Einbrüche sind deutlich seltener geworden (11,8 bzw. 23 Prozent).

Sendung: hr-iNFO, 29.6.2018, 6.10 Uhr

Jetzt im Programm