Auf einem Ortsschild sind "Hotspots" ausgeschildert. Durchgestrichen ist untendrunter "Beteiligung Corona Regeln"

Ein "regionales Hotspot-Konzept" soll künftig regeln, welche Corona-Maßnahmen wo in Deutschland getroffen werden. Unsere Kommentatorin hat einen anderen Namesvorschlag für das Konzept: Nonsens.

So, dann zählen wir mal durch: Stuttgart 71, Kreis Fulda 16, Berlin-Mitte 116, Hochsauerlandkreis 10, Amberg 33. Das sind die Inzidenzwerte. Die regeln die Regeln. Die Werte, die besagen, wie viele Menschen sich in den letzten sieben Tagen bezogen auf 100.000 Einwohner infiziert haben. Je höher, desto Peng. Genannt: regionales Hotspotkonzept. Besser wäre: Nonsens. Undurchschaubar, kompliziert, verwirrend.

Ein Konzept ist es jedenfalls nicht, denn ein Konzept ist ein klar umrissener Plan, und genau das ist das, was die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten da vorgelegt haben nicht. Wer steht schon morgens auf und schaut sich als erstes den Inzidenzwert an, um dann nachzulesen, was noch erlaubt ist und was nicht? Unter 35, über 35 oder über 50. Muss ich die Maske nur in Bus und Bahn tragen und in Geschäften oder auch auf dem Marktplatz und in der Fußgängerzone? 'Schau nach in der Corona-Schutzverordnung deines Landes!' Wer macht das? Genau. Es haben ja noch nicht mal alle verstanden, dass man die besagte Maske über Mund UND Nase trägt.

Täglich neue Regeln?

Regeln und Vorgaben müssen nachvollziehbar, einfach und logisch sein. Dieses Krisenmanagement ist zum Scheitern verurteilt, weil es genau das nicht ist. Ein Beispiel: Liegt die Inzidenz über 35, gilt eine ergänzende Maskenpflicht. Was das heißt, legt jedes Bundesland für sich fest. Steigt der Wert auf über 50, wird die Maskenpflicht noch einmal erweitert. Inwiefern? Unklar. Nun könnte man sagen, dass es bald in ganz Deutschland so viele Infizierte gibt, dass der Wert fast überall über 50 liegen wird, ja. Aber warum wartet man darauf? Warum nicht eine Pflicht, Mund- und Nasenbedeckung zu tragen, immer wenn man mit Menschen zusammentrifft - egal wo? Auch in den Regionen mit wenig Infizierten. Gegen Vorbeugung kann doch nichts einzuwenden sein.

Das gilt auch für die Größe von Feiern, Sperrstunde und Alkoholverbot. Aber nein, auch hier gilt überall und womöglich täglich etwas anderes. Immerhin könnte sich das unsinnige Beherbergungsverbot, das nebenbei bemerkt für beruflich Reisende nicht überall gelten soll - als würde das Virus vor einem Aktenkoffer Angst haben, jedenfalls quasi von außen erledigen. Nicht weil die Herren Söder, Günther oder Kretschmann zur Einsicht kommen. Nein, weil Gerichte es kippen. Ein erstes Urteil gibt es schon - in Baden-Württemberg. Wer also aus einem Hotspot kommend dort Ferien machen will, kann das tun, aber bitte vorher nochmal den Inzidenzwert checken und die Quadratwurzel aus der vielseitigen Schutzverordnung im Ländle studieren.

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Der Kommentar spiegelt die Meinung der Autorin wider, nicht die der Redaktion.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 15.10.2020, 15-18 Uhr

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