Schüler am Tablet

In Berlin haben am Montag Lehrer, Politiker, Wissenschaftler und Interessenverbände über die Zukunft der Bildung in Deutschland diskutiert. Im Vordergrund dabei: das Thema Digitalisierung. Wie digital sind Hessens Schulen schon? Eine Zwischenbilanz.

Glasfaser, WLAN, Tablets oder Laptops – Begriffe, die immer wieder fallen, wenn es um die ausbaufähige Infrastruktur unserer Schulen geht. Um hier besser zu werden, haben Bund und das Land Hessen reagiert und gemeinsam 50 Millionen Euro für Investitionen bereitgestellt. Von diesem Geld haben die Landkreise und kreisfreien Städte nach hr-iNFO-Recherche bereits rund 59.000 Laptops oder Tablets bestellt.

Dennoch haben vor allem Eltern Fragen: "Wie unterstützen Sie Schulen bei der Auswahl von digitalen Endgeräten, der Erarbeitung von digitalen Konzepten und der Schulung der Lehrer?" oder "Wann werden alle Schulen in Hessen am Netz sein?" Auf die Frage nach der Netzanbindung hat Digitalminister Sinemus eine klare Antwort: "Unser Ziel ist, die flächendeckende Anbindung bis 2022 realisiert zu haben und ich kann auch sagen, dass wir in den letzten Monaten sehr gut vorangekommen sind." Aktuell besäßen 623 von den rund 2000 Schulen Glasfaseranschluss, das sei ein Zuwachs von knapp 70 Prozent im Vergleich zum Oktober 2019. 1100 weitere Schulen seien derzeit zudem in der Planung.

Bis 2022 nicht zu schaffen

Rund 61 Prozent der hessischen Schulen verfügen über eine Gigabitanbindung. Allerdings heißt das nicht, dass in den Schulen bereits WLAN angekommen ist. Da müssen noch viele Löcher gegraben und Kabel verlegt werden. So zum Beispiel im Landkreis Offenbach: Landrat Oliver Quilling spricht sich dafür aus, dass die Schulen digitaler werden müssen, aber bis 2022 sei das nicht zu schaffen.

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"Es hängt nicht nur am guten Willen, das Land unterstützt uns da sehr", sagt Quilling. Der Markt gebe das nicht her: "Wir stellen jetzt in der Praxis fest, dass sich manche Firmen auf Ausschreibungen gar nicht mehr bewerben." Das Geld sei da, aber praktisch werde sich das nicht so schnell umsetzen lassen, wie sich das alle wünschen.

Internetversorgung an Schulen steht erst am Anfang

Der Landkreis Offenbach ist kein Einzelfall. Das zeigt eine Recherche von hr-iNFO bei allen hessischen Landkreisen und kreisfreien Städten. Die flächendeckende Internetversorgung an den Schulen steht erst am Anfang. Die Stadt Kassel zum Beispiel beziffert sechs von 53 Schulen als mit WLAN ausgestattet. Im Main-Kinzig-Kreis sind es mehr als die Hälfte aller Unterrichtsräume.

Das Land kümmert sich also darum, das schnelle Internet bis zur Schule zu verlegen. Dafür, dass es in der Schule genutzt werden kann, müssen die Kommunen sorgen. Doch gemeinsam wolle man das jetzt anpacken, sagt Digitalministerin Sinemus. Unterstützung käme unter anderem auch durch das Breitbandbüro Hessen als zentraler Ansprechpartner für die Kommunen.

"Die Digitalisierung ist ein so großes Projekt, das wir auch schon vor Corona beschlossen haben. Das bedarf einer gemeinsamen Kraftanstrengung", sagt Kultusminister Lorz in einer digitalen Veranstaltung mit Eltern und verspricht bis Ende des Schuljahres, alle Lehrkräfte mit digitalen Endgeräten auszustatten. Diese können sich aktuell in rund 300 Fortbildungen digital fit machen. Bislang ist dieses Angebot freiwillig. Doch auch hier kann sich der Wind drehen.

Sendung: hr-iNFO, Aktuell, 14.09.2020, 15 bis 18 Uhr

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