Türkischer Panzer in Afrin (Syrien)
Türkischer Panzer in Afrin (Syrien) Bild © picture-alliance/dpa

Die türkisch-islamische Religionsgemeinschaft Ditib ist Partner des Landes Hessen beim islamischen Religionsunterricht. Allerdings wird sie verdächtigt, unter dem Einfluss der türkischen Regierung zu stehen. Dieser Verdacht erhärtet sich jetzt, denn einige Moscheen in Hessen verbreiten türkische Militär-Propaganda.

Ein Kampfpilot sitzt in einem türkischen Jet. Er fliegt in Formation mit anderen Jets. Über sein Bordmikrophon schreit er empört, die "Landesverräter da unten" an, sie bekämen die Stärke der Türkei zu spüren. Es ist nicht zu erkennen, ob das Video einen Kampfeinsatz in Nordsyrien zeigt, etwa in der umkämpften Stadt Afrin. Aber über dem Video steht "Wir wünschen den türkischen Soldaten in Afrin viel Erfolg." Gepostet wurde es auf der Facebook-Seite von Ditib Gelnhausen.

Dieses Video ist Joachim Schäfer aufgefallen. Er ist Pastoralreferent der katholischen Kirche in Wetzlar und hat sich in einem Medienprojekt kritisch mit Videos auf Ditib-Seiten auseinandergesetzt. "Ich konnte es selbst nicht glauben, ich dachte das sind radikale Gruppen, Jugendliche", sagt er. "Aber ich habe gesehen, das kommt wirklich offiziell von Ditib-Facebookseiten."

Auf den Facebookseiten weiterer Ditib-Gemeinden, zum Beispiel Dietzenbach, hat Schäfer Videos von vorrückenden türkischen Soldaten gefunden. Sie werden beim Feuern mit Gewehren und Panzern gezeigt.

"Viel Erfolg bei den Recherchen"

Auf Anfrage von hr-iNFO hat sich bislang weder der Ditib-Bundesverband noch der hessische Landesverband zu den Internetvideos geäußert. Auch die betroffenen Gemeinden haben nicht geantwortet, mit einer Ausnahme. Ditib Bad Nauheim wünscht "viel Erfolg bei den Recherchen", ohne allerdings auf die Fragen von hr-iNFO einzugehen.

Anders das hessische Kultusministerium. Es hat nun erstmals auf die Kriegspropaganda von Ditib-Gemeinden reagiert. Schriftlich erklärt das Ministerium: "Wir registrieren solche Videos bzw. die Inhalte dieser Videos, wie von Ihnen unten übermittelt, durchaus mit Besorgnis. Das bedeutet, dass sie in der letztendlichen Bewertung bzw. Beurteilung darüber, ob Ditib über das Jahr 2018 hinaus weiterhin Kooperationspartner für den bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht sein kann, mit aufgenommen werden."

Bis Ende des Jahres will die Landesregierung entscheiden, ob Ditib Kooperationspartner bleiben kann. Das heißt: die Gemeinden könnten mit dem Propaganda-Material ein Eigentor geschossen haben. Auch für den Wetzlarer Pastoralreferenten Schäfer überschreiten die Militärvideos klar die Grenzen einer Religionsgemeinschaft.

"Jugendlichen wird Hass vermittelt"

"Ich habe das Gefühl, dass nach außen hin schon der Patriotismus gezeigt wird auch gegenüber unseren Politikern", sagt Schäfer. "Das ist salonfähig: 'Ich bin stolz, ein Türke zu sein.' Aber dass diese wahre Brutalität, oder dieser Hass, der auch aus diesen Videos herauskommt, dass der bewusst versteckt wird, aber hinter verschlossenen Türen unseren Jugendlichen vermittelt wird."

Die türkisch-islamische Religionsgemeinschaft Ditib ist die größte muslimische Organisation in Hessen, rund 80 Ditib-Moscheen gibt es landesweit. Ditib ist auch Partner des Landes Hessen beim islamischen Religionsunterricht. Allerdings gibt es schon seit langem den Verdacht, dass die Religionsgemeinschaft als verlängerter Arm der türkischen Regierung agiert, denn sie ist eng mit der türkischen Religionsbehörde verbunden.

Sendung: hr-iNFO, 7.3.2018, 6.10 Uhr

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