Ein Gedenkstein erinnert an die getötete 15-jährige Mia aus Kandel
Ein Gedenkstein erinnert an die getötete 15-jährige Mia aus Kandel Bild © picture-alliance/dpa

Am Montag hat am Landgericht in Landau in Rheinland-Pfalz der Prozess um den Tod der 15-jährigen Mia aus Kandel begonnen. Sie wurde mutmaßlich von ihrem Ex-Freund, einem Flüchtling aus Afghanistan, getötet. Wir haben die wichtigsten Fragen zum Prozess beantwortet.

Weil der Angeklagte zur Tatzeit möglicherweise noch keine 18 Jahre alt war, wird nach Jugendstrafrecht, das heißt unter anderem nicht öffentlich verhandelt. Was heißt das?

Dafür sorgt eine sogenannte sitzungspolizeiliche Verfügung. Da steht drin: In den Sitzungssaal des Landgerichts kommt niemand rein außer den Verfahrensbeteiligten - also dem Angeklagten Abdul D., seinem Pflichtverteidiger, die Richter und Schöffen, der Staatsanwalt, die Nebenkläger, also Mias Eltern, und deren Anwälte und ihre psychosoziale Prozessbegleiterin. Außerdem: Sachverständige, Dolmetscher, Zeugen - und weil unter diesen Zeugen auch Freunde von Mia sind, also Kinder, dürfen auch deren Eltern mit rein und jemand von der Jugendgerichtshilfe. Sonst niemand, kein Publikum, auch keine Medien. Auch nicht auf dem Flur vor dem Sitzungssaal; da dürfen nur Justizangehörige hin. Das alles werden zwei Justizwachtmeister und zwei Polizisten überwachen. Für die, die reindürfen, gibt es strenge Sicherheitskontrollen beim Einlass, ähnlich wie denen am Flughafen.

Warum wird nicht öffentlich verhandelt?

Beim Jugendstrafrecht steht der Erziehungsgedanke ganz vorne, nicht, wie im Erwachsenenstrafrecht Sühne, Schuld und Strafe. Das heißt: Der jugendliche Beschuldigte soll geschützt werden, damit der Prozess ihn nicht endgültig zu einem wirklich Kriminellen macht, der er vielleicht gar nicht ist. Bei Mord fällt einem das schwer zu verstehen, aber auch einem jugendlichen Mörder will der Rechtsstaat nicht die Zukunft verbauen und ihn für immer stigmatisieren. Deshalb hat an den vorgesehenen 13 Verhandlungstagen bis Ende August das Landgericht Landau klar gesagt: Niemand kommt rein. Dass die Medien nicht teilnehmen dürfen, haben sie ein Stück weit der Bild-Zeitung zu verdanken. Die hat in ihrer Berichterstattung nach der Tat von Kandel das Bild von Abdul D. nicht verpixelt, sondern wie ein Porträtfoto gezeigt, und hat seinen vollen Namen genannt. Deshalb hatte das Landauer Gericht die Sorge, dass das so weiter ginge. Und das wäre mit dem Erziehungsgedanken, dass man den Jugendlichen schützen und schonen soll, nicht vereinbar.

Welche Strafe droht Abdul L.?

Wird er wegen Mordes verurteilt, dann gibt es dafür - und nur dafür - im Jugendstrafrecht die einmalige Höchststrafe von zehn Jahren für Jugendliche. Zum Vergleich: Im Erwachsenenstrafrecht ist "lebenslang" die Höchststrafe für Mord. Aber wegen Mordes kann Abdul D.  nur verurteilt werden, wenn er mindestens ein so genanntes Mordmerkmal erfüllt. In der Anklage stehen zwei: "heimtückisch", weil er ohne Vorwarnung mit einem Messer auf Mia einstach, und sie deswegen arg- und wehrlos war; und "aus niedrigen Beweggründen", aus Rache, weil sie ihn verlassen hat, und damit seine männliche Ehre - in seinem Sinne, nämlich afghanisch geprägt, verletzt hat.

Aber Vorsicht: Die unteren Gerichte sind da manchmal ein bisschen vorschnell, Mordmerkmale zu bejahen. Die fünf Richter in Landau, drei hauptberufliche Richter und zwei Jugendschöffen, die müssen das ganz pedantisch prüfen, sonst kann das schon ein Revisionsgrund zum Bundesgerichtshof sein. Das kommt öfter vor.

Sendung: hr-iNFO, 18.6.18, 9:20 Uhr

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