Impfung

Weil Menschen mit Rheuma zur Corona-Risikogruppe gehören, haben sie jetzt Anspruch auf eine Drittimpfung. Besonders wichtig ist das laut Medizinern, wenn sie durch die ersten Impfungen nicht ausreichend geschützt sind. Das kommt bei Rheuma-Patienten häufiger vor.

In Deutschland sind 1,5 Millionen Menschen an Rheuma erkrankt. Rheuma ist eine immunologische Erkrankung und macht viele Patienten deshalb in der Corona-Pandemie sehr verletzlich. Schwer Rheumakranke haben oft zusätzlich Herz-Kreislauf-Probleme und sie brauchen Therapien, die das Immunsystem unterdrücken. Dadurch steigt das Risiko, schwer zu erkranken. Von der Corona-Impfung haben Rheumapatienten deshalb massiv profitiert.

Aber nicht alle sind durch eine Impfung ausreichend geschützt, sagt Professor Georg Schett, Direktor der medizinischen Klinik für Rheumatologie und Immunologie am Universitätsklinikum Erlangen: "Man muss mit einer gewissen Einschränkung sagen, dass niedrigere Ansprechraten bei Rheumapatienten vorliegen. Also, die Impfung wirkt in der Regel. Aber es gibt auch ein paar Patienten, die eine unzureichende Antwort haben."

Geringere Impfantwort bei Rheumapatienten

Auch in der gesunden Bevölkerung haben nicht 100 Prozent der Geimpften eine Impfantwort, es gibt sogenannte "Impfversager". Bei Rheumapatienten gibt es solche Non-Responder aber häufiger: "Es gibt sicher einen von zehn Patienten, der keinen ausreichenden Impfschutz hat und der wahrscheinlich profitiert von einer Nachimpfung. Die wird jetzt auch durchgeführt und für Rheumapatienten ist es wichtiger als für die Allgemeinbevölkerung, den Impfschutz tatsächlich zu wissen."

Werden Rheumapatienten etwa mit B-Zell-hemmenden Therapien behandelt, kann die Impfantwort geringer ausfallen. Rituximab ist zum Beispiel ein Präparat, das beim Immunstatus Fragen aufwerfen kann. Professor Georg Schett rät dazu, die Antikörper zu testen und bei mangelhaftem Schutz sofort nachzuimpfen. Es gebe dafür keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission, aber es sei "ein Hausverstand, wenn jemand keine Impfantwort hat, dass er sich boostern lassen sollte." Erste Studien zur Wirkung der Dritt-und Viertimpfung bei Impfversagern würden zeigen, dass es gut funktioniere.

Wichtige Erkenntnisse

Für die Medizinerinnen und Mediziner war es in den letzten eineinhalb Jahren wichtig, viel über Corona und die besondere Situation ihrer Patienten zu lernen, sagt Schett. Zum Beispiel, dass das Risiko eines schweren Verlaufs von Covid-19 bei Rheumapatienten vor allem durch klassische Risikofaktoren wie Alter und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bestimmt wird. Oder dass die allermeisten Rheuma-Therapien, die das Immunsystem verändern, nicht abgesetzt werden müssen. Die bei Rheuma angewandten Zytokin-Hemmer können den Verlauf einer Infektion sogar abschwächen.

"Gleichzeitig konnte immer wieder gezeigt werden, dass Cortison eine große Gefahr ist", so Schett. Cortison als breiter Immunhemmer sei ein Risiko für eine schwerere Covid-19-Infektion und damit sei die Regeltherapie, die gegeben werde, um Cortison zu sparen, die richtige Therapie.

Kinder weniger gefährdet

Es gibt in manchen Bereichen aber auch Entwarnung, beispielsweise aus der Kinder-Rheumatologie. Für Kinder unter zwölf Jahren, die an Gelenkrheuma leiden, gibt es zwar noch keinen zugelassen Impfstoff. Aber die Wissenschaft weiß heute, dass sie durch eine Corona-Infektion auch nicht so sehr gefährdet wären.

Eine Hoffnung der Mediziner hat sich bislang noch nicht erfüllt: Dass sich nämlich unter den Rheumamitteln auch ein Wundermittel gegen Corona finden ließe. Trotzdem können Rheumapatientinnen und -patienten im zweiten Corona-Jahr deutlich besser und sicherer durch die Pandemie gehen.

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