E-Roller liegen auf dem Boden

E-Roller sind gekommen um zu bleiben. Wenn da nicht die rigiden Regeln so mancher skandinavischen Städte wären: Kopenhagen hat es geschafft, die Innenstadt fast von E-Rollern zu befreien. Oslo führt ab September Nachtfahrverbote ein und Stockholm schickt Polizisten zu Verkehrskontrollen auf die Straße.

50 Euro Strafe pro Person und ein Eintrag in ein Strafregister, sagt Polizist Frederik Ehrström. So teuer wird es, wenn die Stockholmer zu zweit auf einem E-Roller fahren und erwischt werden. Innerhalb von einer halben Stunde hat die Polizei in der vergangenen Woche 50 Personen angehalten und einige mussten zahlen. "Die meisten wissen, welche Regeln gelten, wenn sie Fahrrad fahren. Aber bei E-Rollern denken sie, alles sei anders", sagt ein Kollege von Ehrström.

Oslo ist ungewollter Rekordhalter

Wie in vielen anderen Städten auch ist die Zahl der E-Roller auf Stockholms Straßen regelrecht explodiert: Vor drei Jahren waren es keine 500, heute sind es 21.000. In Kopenhagen wiederum sind fast alle Roller aus der Innenstadt verschwunden. Hier dürfen sie nämlich nicht mehr geparkt oder ausgeliehen werden. Oslo wiederum behauptet von sich, die Stadt mit den meisten E-Rollern zu sein. Ein ungewollter Rekord, sagt Sirin Stav zuständig für Umwelt und Transport in der Stadt.

 "Wir erleben in unserer Stadt inzwischen eine untragbare Situation mit fast 25.000 E-Rollern. Damit liegen wir weit über den europäischen Höchstwerten. Es war an der Zeit, das Problem anzugehen, und jetzt haben wir endlich die Genehmigung dafür bekommen, das lokal zu regulieren", so Stav.

Anbieter suchen alternative Lösungen

Ab September gelten hier neue Regeln: ein Nachtfahrverbot zwischen 23 und 5 Uhr morgens und außerdem dürfen nur noch 8.000 E-Roller in der Stadt unterwegs sein. Weniger Roller, weniger Unfälle mit betrunkenen Fahrerinnen und Fahrern – das ist das Ziel. Nicht alle sind mit den neuen Regeln einverstanden. Christina Moi Gjerde vom E-Rollerverleih Voi wirft Oslo schlechtes politisches Management vor: "Der Vorschlag bedeutet das Ende für das Angebot an Mikromobilität in Oslo. Sehr schade", sagt sie enttäuscht.

Gleichzeitig versuchen in Skandinavien einige Anbieter selbst, die Sicherheit ihrer Kunden zu stärken. Man wolle das Vertrauen der Menschen und der Politik zurückgewinnen, sagte kürzlich ein Sprecher eines Verleihs. Die Ideen gehen von gedrosselter Geschwindigkeit in der Nacht bis hin zu einer freiwilligen Sperrstunde, in der die E-Roller nicht gestartet werden können. Geschwindigkeit und Unfälle sind aber nur ein Problem. Die E-Roller stehen und liegen überall rum. Das nervt viele und für manche ist das sogar eine richtige Gefahr.

Ein Problem für Blinde

So etwa für Fatmir Seremeti: Er ist blind und hat einen TikTok-Kanal, wo er über seinen Alltag spricht – auch über die E-Roller in Malmö. "Ich habe ein paar blinde Freunde, die über Roller gefallen sind. Einer hier hat sich am Ellenbogen verletzt, und zwar so sehr, dass sogar die Nerven in der Hand betroffen sind. Dadurch hat er jetzt für immer Beeinträchtigungen", erzählt Seremeti. Und trotzdem sagt er: Die E-Roller sind doch ein tolles, umweltfreundliches Fortbewegungsmittel. Verschwinden müssen sie seiner Meinung nach nicht.

"Ich finde, man sollte einfach Parkplätze für die E-Roller einrichten – und wenn man sie da nicht abstellt, dann kriegt man einen Strafzettel. Und dann sollten wir alle einfach Respekt für einander haben: Man würde ja auch nie sein eigenes Fahrrad mitten auf dem Fußgängerweg abstellen. Warum macht man das dann mit einem E-Roller?"

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen
Jetzt im Programm