Echt Jetzt - Impfpflicht

Um der schlimmen Corona-Situation Herr zu werden, sollte es eine Impfpflicht in Pflege- und Gesundheitsberufen geben, findet Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie. Im Gegenteil, meint hr-iNFO-Redakteurin Selina Rust: Eine Impfpflicht würde dazu führen, dass Menschen aus diesen Berufen abwandern. Das würde für zusätzlichen Druck sorgen.

Die Corona-Infektionszahlen gehen durch die Decke, händeringend sucht die Politik nach wirksamen Strategien, um die vierte Welle einzudämmen. Ein Diskussionspunkt: Soll es eine Corona-Impfpflicht für die Beschäftigten im Pflege- und Gesundheitswesen geben? Und zwar trotz aller politischen Versprechen, es werde keine Impflicht kommen.

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Zum Artikel Zwingen oder aufklären – Corona Impfpflicht im Pflege- und Gesundheitswesen?

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Lange genug auf Einsicht gesetzt?

Ulrich Lilie meint: Ja, unbedingt, "wir haben lange genug auf Einsicht gesetzt". Lilie ist Präsident der Diakonie, das evangelische Kirchenwerk betreibt tausende Pflegeeinrichtungen in Deutschland. Er will die Impfpflicht, denn "wenn wir das tun, helfen wir den Unentschlossenen, jetzt ein Teil der Lösung zu sein."

Selina Rust, hr-Journalistin und "Echt jetzt"-Gastgeberin, hält dagegen: "Zwang vertreibt Pfleger*innen", sagt sie. Wer soll die entstehenden Lücken an den Intensivbetten füllen? Außerdem sei die Organisation der Impfpflicht – Gesetzesverfahren, erste Impfung, vier Wochen warten, zweite Impfung – unter dem akuten Zeitdruck kein probates Mittel. Stattdessen müssten Pflegekräfte in persönlichen Gesprächen, auch in Fremdsprachen, intensiver und schneller aufgeklärt werden.

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10 Kommentare

  • Nein, sollte es nicht! Was würde eine zwangsgeimpfte Pflegekraft an den hohen Inzidenzwerten und/oder der Hospitailisierungsrate ändern nichts! Das weiss jede Pflegekraft, zu der ich auch gehöre.
    Ausserdem arbeiten in Krankenhäusern, Pflegeheimen noch andere Berufsgruppen, ZB Ärzt:innen, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten, viele andere Therapeuten,Transportpfleger, Röntgenassistenten, Reinigungspersonal, Küchenhilfen, Praktikanten (Vorbereitung Medizinstudium, Schüler), FSJ und viele mehr. Was ist denn mit denen, die Arbeiten auch länger als 15 Min. unter einem Abstand von 1,5m am Patienten. Das einzige Ziel scheint mir (besonders von jemanden aus der Caritas, der es eigentlich wissen müsste)die letzten Pflegekräfte in einem zusammengebrochenen System arbeiten zu lassen! Entweder eine Impfpflichtig für alle oder keinen!
    Hört endlich auf das was die Pflege euch schon lange sagt (siehe Vivantes Charité), Gespräche mit Lobbyisten haben die letzten Jahre keine Vebesserung gebracht

  • Nein, denn auf welcher Basis soll denn die Impfpflicht geregelt werden, wenn wir uns die leider hohe Zahl an Impfdurchbrüchen anschauen? Sicher ist testen testen, testen und so schnell wie möglich einen "Totimpfstoff" zu bekommen, der sicher die Impfquote erhöht! Und grundsätzlich so schnell als möglich die Fallpauschalen für die Krankenhäuser aussetzen , damit sie sich auf die Pandemie konzentrieren können und nicht auf die Erwirtschaftung von Gewinnen!

  • Ich halte beide Standpunkte für falsch. Beim klinischen Pflegepersonal liegt die Impfquote über 90. In der Altenpflege zwar deutlich niedriger aber da zeigt sich das diese Zahl mehr durch das ungeimpfte Hilfspersonal zustande kommt. Eine Impfpflicht hätte keine signifikante Auswirkung auf das pandemische Geschehen. An die viel beschworene Kündigungswelle mit Blick auf Frankreich glaube ich nicht. Weiter halte ich ein gutes dreiviertel Jahr um mich zu informieren und Aufklären zu lassen für absolut ausreichend.

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