Die Corona-Pandemie lässt sich am besten mit der No-Covid-Strategie bekämpfen, meint Heinz Bude. Der Kasseler Soziologe will nicht mit dem Virus leben, sondern es besiegen. hr-iNFO-Redakteur Jens Borchers überzeugt die Strategie hingegen nicht.

Die Autorinnen und Autoren nennen ihre No-Covid-Strategie (hier downloadbar via ZDF) einen "nachhaltigen Weg zur Bewältigung der Krise". Es gehe darum, nicht mit dem Virus zu leben, sondern das Virus zu besiegen. Und das heißt: keine Infektion mehr zuzulassen.

Der Weg dahin ist allerdings ein harter: Ausgangssperren, noch mehr Einschnitte für die Wirtschaft, konsequentes Homeoffice, notfalls sogar Grenzschließungen. Mit der Perspektive, dass die Verbreitung des Corona-Virus am Ende nicht nur unter einen definierten Schwellenwert sinkt, sondern dass das Virus weg ist.

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Die Streitsendung bei hr-iNFO

"Echt jetzt? Überzeug mich in 18 Minuten" ist die neue Streitsendung bei hr-iNFO. Wir lassen zwei Menschen 18 Minuten lang über ein Thema debattieren. Und dann sind Sie dran: Wir sind sehr daran interessiert zu erfahren, was Sie über das Gehörte denken. Was Sie überzeugt hat, was nicht. Deshalb gehört zu jeder Folge auch die Möglichkeit, die Sendung und den Inhalt zu kommentieren. [hier geht's zur ersten Folge]

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Heinz Bude

Heinz Bude

Einer der Autoren des "No Covid"-Papiers ist der Kasseler Soziologe Heinz Bude. Er ist überzeugt, dass sich die Pandemie am besten mit Tests, Kontrollen und einer konsequenten Umsetzung bekämpfen lässt. "Taiwan hat es geschafft, die Volksrepublik China, Neuseeland hat es geschafft – warum sollen wir das in Deutschland nicht schaffen?", sagt er.

Jens Borchers

Jens Borchers

Gastgeber Jens Borchers ist hingegen der Meinung, dass "No Covid" lebensfremd und nicht durchsetzbar ist. "Auf einer meiner Argumente-Karten steht – zugespitzt formuliert – Polizeistaat", sagt er zu den geforderten Kontrollen. Die Leute seien ohnehin schon genervt, manche auch wütend. Die Stimmung könne bei vielen Kontrollen leicht kippen.

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16 Kommentare

  • Prof. Bude ha mich nicht überzeugt.
    Die Schnelltests sind nur in begrenztem Umfang verfügbar und können z.B. schwache Infektionen nicht nachweisen.
    Das Recht auf Lebensschutz und unser gesetzliches Verbot jemand einzusperren, ohne dass er eine Straftat begangen hat, basieren auf der selben historischen Grundlage. Ich kann nicht einen Grundsatz über den anderen erheben und Menschen in Hotels sperren, weil sie einer gesellschaftlichen Absprache nicht zustimmen.
    Es gibt kein Schutzkonzept gegen weitere psychologische Erkrankungen durch den Lockdown und anders als in Australien käme No-Covid nach einem Jahr großer Belastungen. Wir würden unser Experiment auf Kosten schwerster psychologischer Erkrankungen und deren Folgen führen, was mit dem Lebensschutz eigentlich auch nicht vereinbar ist.
    Zuletzt, wie lange soll das anhalten? Das Virus kann jederzeit in eine grüne Zone zurück und sie zu einer roten machen. Wollen wir uns für immer in solche Zonen einteilen?

  • Ich bin sehr dafür, die No-Covid-Strategie auszuprobieren. Die derzeitgen Lock-Down-Maßnahmen gehen jetzt schon bald 3 1/2 Monate lang - mit mäßigem Erfolg und einer Ungleichbehandlung in der Wirtschaft und im sozialen Leben. Wie lange diese Maßnahmen aufrecht erhalten werden müssen, ist nicht absehbar, bei Lockerungen ist mit neuen Schließungen zu rechnen. Dann ist doch ein konsequentes Handeln aller über einen absehbaren Zeitraum der für alle bessere Weg.

    Den Gegnern der No-Covid-Strategie ist die Lektüre des oben verlinkten No Covid Papiers zu empfehlen, das die Gegenargumente aufgreift.

  • Im Prinzip haben die "No Covid Vertreter" die besseren Argumente weil sie
    a) auf Schwarmintelligenz setzen und die Gesamtintelligenz der Summe der Menschen in Deutschland größer ist die Gesamtintelligenz der Summe der Menschen in Bundesregierung und Landesregierungen. Die Effizienz der Schwarmintelligenz hat sich beispielsweise jüngst gezeigt als die Summe der Kleininvestoren die Hedgefonds geschlagen haben,
    b) auf Subsidiarität setzen und demgemäß der Bürgermeister von Rostock in seinem Verantwortungsbereich erfolgreicher ist als die Kabinette im Bund und in den Ländern in ihren Verantwortungsbereichen.
    Schwächen in der Argumentation der "No Covid Vertreter" beruhen darauf, daß sie
    1. sich mit dem Begriff "No Covid" begrifflich unüberlegt in den Bereich der Querdenker begeben anstatt alternativ den Begriff "Zero Covid" zu nutzen und
    2. Inselstaaten als Vorbilder nutzen, die natügemäß als "Schutzgebiete" nicht durch Polizisten eingegrenzt werden müssen!

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