Ihre Kommentare „Soziales Plichtjahr“: Boomer-Blödsinn oder Dienst an der Gesellschaft, was denkt ihr?

31 Kommentare

  • Wer leistet denn in Österreich unfreiwillig 9 Monate Dienst? Gibt es da Geschlechterunterschiede, wie damals beim Wehrdienst in der BRD? Würde mich interessieren. Verdacht: Dienst nur für junge Männer, sonst hätte man es in der Radiosendung kommuniziert. Liege ich da richtig?
    Also mir hat man ein Jahr Lebenszeit gestohlen, da durfte ich für 340DM monatlich im Schlamm herumrobben, während die holden Weibchen meiner Klasse schon ihre ersten zwei Semester Studium hinter sich bringen konnten.

  • Gruselig, wie einige Kommentatoren "abnehmendem Gemeinsinn" ausmachen, aber dieses Problem ausgerechnet durch den Staat, der dafür hauptverantwortlich ist, lösen wollen.

  • Punkt 2b: Ich muss leider zustimmen, dass auch ich immer wieder verwundert war, wie viele meiner Mitschüler keine Ahnung hatten, wohin es für sie gehen soll (Und einige haben dies wohl nach eigenen Angaben bis heute nicht!). An dieser Stelle ist ein soziales Pflichtjahr aber einseitig. Natürlich brauchen wir vor allem in vielen sozialen Berufen mehr Arbeitskräfte (#pflegenotstand). Dennoch betrifft der Fachkräftemangel auch andere Bereiche und viele dieser Fächer lassen sich auch studieren (Geburtshilfe, Pflege, Medizin, Psychologie, Soziale Arbeit und und und ...). Ich bin darum Fan des Systems, das ich im Saarland kennengelernt habe: Ein frühes Abitur und die Möglichkeit die Zeit bis zum Studienbeginn mit einer Art Schülerstudium zu überbrücken, das als Wartesemester angerechnet werden kann. Das ist eine realistische UND sinnvolle Vorbereitung und Orientierung, von der die Schüler wirklich etwas haben und die alle Fächer gleichberechtigt. Chapeau!

    Liebe Grüße aus Saarbrücken :-)

  • Punkt 2a: An den vorigen Punkt anschließend; wenn ein Schulsystem mich zu Naturwissenschaften "zwingt" und dann von mir verlangt, mich im Anschluss sozial zu engagieren, obwohl ich das vielleicht vorher und freiwillig tun möchte, ist das für mich blanker Hohn. Ich schließe mich Dario Schramm an. Ein Sozialpraktikum habe ich an meiner Schule freiwillig absolvieren können. Das hat fast jeder getan, weil es dafür eine Urkunde gab, ich habe hierdurch aber erst Kontakt zu Psychologie gehabt, da das eigentliche Praktikum von entsprechenden Kursen begleitet war. Dies hat dazu beigetragen, dass das Fach für mich als Studienfach attraktiv wurde. Das Sozialpraktikum ist früher, deshalb besser zur Orientierung und kürzer. Natürlich kann es keine Pflegekräfte ersetzen, aber es kann nachhaltiger wirken, indem es früh Interesse zur Ausbildung oder zum Studium im entsprechenden Bereich weckt.

  • Punkt 1c: Das soziale Engagement ist bereits beliebt, das zeigen die Statistiken doch deutlich. Zu Individualität gehört für mich dann auch, zu respektieren, dass aber nunmal nicht jeder die gleichen Vorlieben hat. Wenn hypothetisch 50 der jungen Erwachsenen ein soziales Jahr absolviert, der Rest aber direkt in die Ausbildung einsteigt oder sich (früher) fachlich fortbildet, soll meiner Meinung nach auch die Möglichkeit dazu haben. Im Schulsystem herrscht ungemein viel Zwang. Ich habe meinen Berufswunsch zwar nach zehn Jahren geändert, wusste aber sehr früh, in welche Richtung es geht und was ich definitiv nicht machen möchte. Dennoch bestraft das Schulsystem in BW bspw. durch die Belegungspflichten einen Fokus auf soziale Themengebiete - Ich hätte aufgrund des komplizierten Systems weniger Mindestwochenstunden gehabt, wenn ich ein Talent für Naturwissenschaften gehabt hätte. Ich fand das ungerecht und bin deshalb ausgezogen um mein Abi in einem anderen Bundesland abzulegen.

  • Punkt 1b: Ähnlich sieht es mit anderem Engagement aus, das nicht "ins Raster passt"; wer ein Forum moderiert oder unentgeltlich die Vereinswebsite verwaltet, tut dies mitunter im Hintergrund oder ohne die Option klar seinen eigenen Teil und die aufgewendete Zeit anzugeben, engagiert sich aber nichtsdestotrotz. Wer aber gerade in diesen Tätigkeiten aufgeht, bekommt dies weniger anerkannt als die staatlich vorhergesehenen Optionen. Eine individuelle Beurteilung ob das gewünschte Engagement ausreichend ist wäre wiederum viel zu aufwendig und würde Lohn für nötige eingestellte beurteilende Beamte bedeuten. Und auch wenn ein freiwilliges Engagement nicht in Vollzeit geschieht, muss es nicht weniger wert sein. Im Gegenteil; wer zwischen der Kernzeit beispielsweise in Gedankenspielen bei seinen Aufgaben ist, kann dies kaum nachweisen, generiert aber vielleicht gerade in den kreativen Pausen die besten Ideen.

  • Ich lehne die Verpflichtung ab. Und dafür sprechen mehr Argumente, als im Streitgespräch angeführt wurden. Für gewöhnlich beziehe ich mich nur ungerne auf meinen eigenen Fall, hier bietet es sich tatsächlich an mehreren Stellen an. Ich versuche aber auch andere Beispiele zu nennen.

    Punkt 1: Eine Verpflichtung betrachtet keine individuellen Fälle. Durch Schulwechsel und Krankheit war ich bei meinem Abitur annähernd 20. Fächer wie Psychologie oder Medizin dauern mitunter annähernd ein weiteres Jahrzehnt bis zum qualifizierenden Abschluss. Ich wollte keinesfalls weitere Zeit verlieren. Auch wer vorab engagiert war bekommt nun Entlohnung und Verpflichtung - Hallo Korrumpierungseffekt! Gleiches gilt für all diejenigen, die gerade in Großfamilien Verantwortung für Geschwister, Hilfen oder sogar leichte Pflegeaufgaben übernommen haben. Wer dies gar tun musste, für den wäre es blanker Hohn nun auch noch vom Staat dazu gezwungen zu werden.

  • Das Missverständnis seitens Herrn Schramm ist, dass durch so ein Pflichtjahr, Menschen für soziale Berufe zu begeistern soll. Das war beim Zivildienst nicht das Ziel und würde beim Pflichtjahr auch sehr unwahrscheinlich sein. Es geht um die individuelle persönliche Entwicklung - und zwar gerade bei den Jugendlichen, die sich niemals für soziale Berufe interessieren würden.

    Ich erinnere mich, dass ich meinen Zivildienst damals auch nicht gemocht habe - aber ich profitiere bis heute davon, ihn gemacht zu haben. Das kann niemand so richtig verstehen, der nicht dabei war, lässt mich aber absolut für so eine Dienstpflicht stimmen.

  • Finde Darios Argumente überzeugen nicht. Gerade die Zahlen aus Österreich zeigen, dass eine Pflicht sinnvoll ist und auch alle Reinholt ind nicht nur die die sich das leisten können.

    Ich hätte niemals freiwillig Zivildienst gemacht, war aber eine ungemeine Bereicherung für mein Leben.

  • Die Gesellschaft würde von einem Pflichtjahr profitieren und der/ die Einzelne auch.

    Es gibt so viel in unserer Gesellschaft zu tun, dass jeder eine für sich spannende Aufgabe finden würde die ihn persönlich weiterbringt.

    Ich bin für den Vorschlag, nach der Schulzeit und vor Eintritt in die Rente ein Jahr für die Gesellschaft verpflichtend zu machen.

  • Wir sind dagegen.
    Danke für die Debatte.
    MfG

  • Wenn man ehrlich ist, wird der Journalist von diesem Schülersprecher in Grund und Boden argumentiert.

  • Wenn der arme Schüler ahnte, wie er von den Boomern verarscht wird, dann hätte er gleich noch viel mehr Freiheit gefordert. Peinliches Gespräch. Man hält es kaum 5 Minuten aus.

  • Das Thema an sich ist ja geeignet, die Emotionen hochkochen zu lassen, da es als Rache eines Teils der "Boomer" (d.h. alte weiße Männer, Frauen waren vom Wehrdienst ausgenommen) verkauft wird.
    Ich habe mich daher mit jungen Erwachsenen, die das FSJ absolviert haben darüber unterhalten.
    Unisono lautete das Feedback: "bitte kein 'soziales Pflichtjahr', denn nicht alle junden Menschen kann man auf soziale Berufe loslassen".
    Das spricht aber nicht gegen ein Gesellschaftsjahr, dass angemessen honoriert wird und damit auch die Möglichkeit bietet, sich vor der Berufsentscheidung zu orientieren. Damit würde auch eein eklatanter Mangel in unserem Schulsystem gemildert.
    Nicht vergessen sollten wir dabei, dass die Aussetzung der Wehrpflicht durchaus bevorstehen könnte. Dann ist wieder ein Pflichtdienst gefordert der nur ein paar junge Männer betrifft, die "eben Pech hatten.
    Dann allerdings wäre ddie Schieflageg noch größer als bei einem "Gemeinschaftsjahr".

  • Unsere Gesellschaft leidet unter abnehmendem Gemeinsinn! Die Abschaffung der Wehrpflicht/Zivildienst war ein Mega-Fehler, denn unseren jungen Menschen wird die Erfahrung vorenthalten, sich einmal verpflichtend für die Gemeinschaft einzusetzen und zu lernen, auch mal persönlich für die Allgemeinheit zurückzustecken. Ein Pflichtjahr für JEDEN, und zwar Jungs, Mädels, jeder religiösen Herkunft und Hautfarbe,auch junge Menschen mit Handicap usw, , Zuwanderer, Asylbewerber, eben einfach ausnahmslos(!) alle würde insofern positiv wirken, dass jeder versteht, welchen Wert es hat in unserer Gesellschaft zu leben. Rechte UND Pflichten! Der Dienst (ob BW oder Sozialdienst) fördert Integration, Inklusion, gesellschaftliche Solidarität. Daran mangelt es unser Gesellschaft zunehmend, je stärker die Menschen in die virtuelle Welt und damit in die Isolation von der realen (Gesellschafts-)Welt flüchten. Meinerseits ein klares Votum für ein verpflichtendes soziales Jahr für jeden jungen Menschen!

  • Frauen sind nach wie vor bei Stellensuche und Bezahlung benachteiligt, einfach nur deshalb, weil sie Kinder bekommen können. Dieses Problem wird mit einem weiteren zusätzlichem Jahr weiter verschärft, weil Frauen dann noch ein Jahr älter sind,wenn sie in den Beruf starten.

  • Hallo,
    ich kann es nicht mehr hören eine Generation von Egoisten das ist was bei mir hängen bleibt. Ich finde es absolut gerechtfertigt in einem Sozialstaat Menschen zum sozialen Dienst zu verpflichten 1 jahr von 80 Lebensjahren ist durchaus zumutbar. Das Argument kaum aus der Schulpflicht gleich wieder in der Pflicht sehe ich auch nicht. Zur Schule gehen zu können ist ein Geschenk keine Pflicht. Das soziale System funktioniert ebend nur wenn die gebende und nehmende Seite sich die wage hält. Freiwillig kaum vorstellbar. Ich bin selber Altenpfleger und ja den Zivildienst hatte einen deutlichen Unterschied gemacht. Wenn auch nur das da einer war der sich mit den Menschen unterhalten hat oder mit ihnen spazieren ging. Stampersonal kommt zu sowas nicht.ps Wehrdienst auf jeden fall.

  • Hallo, ich Jahrgang 80, habe 2000 Abi gemacht, 2001 11 Monate Zivi beim MsHD in meinem Ort. Es war und ist definitiv eine Bereicherung fürs Leben und ich hatte im Vorfeld auch versucht irgendwie um diese Pflicht herum zu kommen. Weil ich es als junger Mensch nicht besser wusste. Ich würde den ZiviReloaded begrüßen, aus den schon im Gespräch genannten Gründen. Ich merke leider sehr stark in den Gegen Argumenten, wie stark jüngere Menschen unter dem wirtschafts Erfolgsdruck stehen. Ganz schnell ganz früh mit dem Geld verdienen anzufangen. Schade, dass wir als Gesellschaft so einen Druck aufbauen,Werte und generell das soziale Miteinander leidet so nur noch mehr. Wer sich damals davor drücken wollte, hat dies damals auch schon geschafft und würde es heute auch noch schaffen. Dieses Argument, dass man durch Zwang nichts erreicht galt schon immer.

  • Ich halte die Idee, dass Schüler in der 10.Klasse lieber die soziale Verantwortung lernen sollen für Unsinnig.
    Erstens findet es nur 20 h bzw. 4 Wochen statt, die die Jugendlichen irgendwie abreissen.
    Ob das das nachhaltig ist, zu einem reiferen Umgang mit sozialer Verantwortung zu gelangen, halte ich für sehr fragwürdig.
    Die sind in diesem Alter mehr mit sich selbst beschäftigt als dass sie irgendetwas nachhaltig davon mitnehmen würden. Die geistige Reife ist zum Erkennen der Tragweite ihres Handelns da noch sehr rudimentär entwickelt.
    Hingegen beim Pflichtjahr sind sie reifer, dich selbst und ihres Handelns bewusster und können auch adäquat eigene Entscheidungen treffen. Dieser Nachhall hat mit Sicherheit Einfluss auf eine spätere Berufswahl.
    Das Ergument, dass das durch die Bank weg abgelehnt werden würde halte ich für unsinnig.
    Bewusste Pflichterfüllung trägt zum persönlichen Wachstum mehr und besser bei als ein 4Wöchiges Sozialpraktikum mitten in der Pubertät.

  • Ich bin aus der Generation mit 15Monaten Zivildienst und ich beführworte die Pflicht eines Dienstes.
    Dadurch können junge Menschen wichtige Erfahrungen sammeln und manche kommen dann auch aus ihrem Umfeld raus.
    Den Dienst würde ich soweit fassen, dass die Menschen auch in Bauhöfen, Ämtern, Heimen, Schulen, etc. ableisten. Nicht jeder ist für den Dienst in Pflegeheimen und Krankenhäusern geeignet.

  • Ein soziales Pflichtjahr führt dazu, dass auch weiterhin in den sozialen Berufen schlecht bezahlt wird, weil man ja billige Pflichtarbeitskräfte bekommt und deshalb nichts tun muss um diese Berufe durch bessere Arbeitsbedingungen und bessere Bezahlung für die junge Generation attraktiv zu machen.Das wird auf mitttlere Sicht die Probleme in diesem Bereich weiter verschärfen!

  • Die angebliche Mehrheitsmeinung für ein Zwangsjahr verwundert nicht - schließlich bekommt man dergleichen täglich ins Hirn gehämmert.

  • Wie schlecht muss eine Idee sein, wenn selbst der sozialistische Marcel Fratzscher vom Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin dagegen ist...

  • Wer hätte gedacht, ausgerechnet ein 21-jähriger Generalsekretär der Bundeschülerkonferenz verteidigt die Freiheit gegen die nächste blöde sozialistische Idee...

  • Warum hat man eigentlich das Gefühl, sollen freiwillige Dienste nur in den Branchen ausgeführt werden, in denen der Staat zuständig ist und offensichtlich scheitert...

  • Boomer-Blödsinn

  • Hauptargument von PRO scheint, Jugendlichen einen Sinn für Gemeinschaft zu geben. Man kann aber fragen, WELCHE Gemeinschaft ist das eigentlich, die einen zu etwas zwingt? Wenn Zwang über Anreize, Druck und Überredung oder auch über Kultur (beispielsweise Religion) ausgeübt wird, dann ist das moralisch in Ordnung. Wenn sie aber über das staatliche Gewaltmonopol ausgeübt wird, dann ist das das Gegenteil von Gesellschaft.

  • Soziales Plichtjahr, kein Problem!

    Die Frage lautet: was ist sozial?

    Sozial ist, über den freien Wettbewerb eine Win-win-Situation zu erzielen. Jugendliche sollten also in Kaufhäusern zur freundlichen Begrüßung eingesetzt werden, zum Einparken von Autos, zum Betanken an Tankstellen, zum schnelleren Service in Bars und Restaurants, zur IT-Hilfe in Unternehmen, zum Kaffeeholen für Kunden in einer Bank, zum Schraubenzieherholen in KFZ-Werkstätten oder zur Betreuung von Kindern in privaten Schulen.

    Sozial ist nicht, sozialistische Branchen mit Fachkräften, die keine sind, vollzuprügeln und die vorherigen Fehler der mittlerweile gut pensionierten Versager auszubügeln. Niemand weiß, ob wir so viele Kitaerzieher, Altenpfleger, Behindertenversorger brauchen, weil der Markt verzerrt wird. Diejeinigen, die das soziale Jahr fordern, sind die Unsozialsten.

  • Der Durchschnittsdeutsche wird gezwungen, zur Schule zu gehen, arbeitet dann über das halbe Jahr für den Staat, wird zur Mitgliedschaft in einer Krankenkasse und zum Rentenbeitrag gezwungen, muss den Rundfunkbeitrag bezahlen und ist dann gezwungen, mit den Irrungen und Wirrungen dieses halbsozialistischen System zu leben und sich den Blödsinn der Intellektuellen und Lobbyisten anzuhören.

    Wenn es das sozialistische Bildungs-, Gesundheits- und Finanzsystem nicht schafft, sich genügend Fachkräfte zu organisieren, dann muss sich das System ändern und verschlanken - nicht notgeflickt werden.

  • Wir können froh sein, wenn die Jugend nicht auswandert wegen der Steuer-Ausbeutung, der nervigen Bürokratie, schlechten Schulen, linksradikalen Lehrern und Professoren, schlechter Laune und miserablem Service, maroden Straßen und überall Baustellen, unbegründeter Klimapanikmache, den höchsten Strompreisen der entwickelten Welt, fehlender Kultur, dem deutschen Selbsthass und der ärmsten Bevölkerung in der EU.

  • Wieder ein irrelevantes Thema. Grundsätzlich wäre ich gegen ein Soziales Plichtjahr, weil staatlicher Zwang fast nie zu Gutem führt. Aber leider haben wir 1000 wichtigere Probleme.