Frau hält Edelstein in der Hand.

Diamanten sind nicht nur teuer, sondern werden oft unter ethisch fragwürdigen Bedingungen hergestellt. Wer auf die funkelnden Statussymbole nicht verzichten will, kann auf die synthetische Version zurückgreifen. Wir erklären, wie sie sich von natürlichen Diamanten unterscheidet.

Ein kleiner Pieps und Sigurd Greb weiß: Der Diamant ist echt. Mit einem kleinen Gerät untersucht der Geschäftsführer der Diamant Agentur in Oberursel die Echtheit eines sogenannten synthetischen Diamanten. Wert: 800 Euro. Es ist einer der günstigen Steine, die er mir präsentiert.  

Günstiger und politisch korrekter

Diese künstlichen Diamanten aus dem Labor kommen langsam in den Trend. Der einfache Grund: Sie sind günstig und funkeln genauso schön wie echte. Es gibt aber auch andere Argumente, mit denen das Schmuckhandwerk wirbt - der ethische Gedanke, also dass die Diamanten zum Beispiel nicht unter schlechten Arbeitsbedingungen abgebaut wurden, und die Umweltfreundlichkeit. Zwei Punkte, die sich gut vermarkten lassen.

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Bei den Kunden von Sigurd Greb werden sie allerdings weniger nachgefragt. Denn hier stehe der günstige Preis im Vordergrund. "Momentan sind wir ungefähr bei 50 bis 60 Prozent des Preises von natürlichen Diamanten", sagt er. Der zweite Grund, der mit dem Preis zu tun habe: Die Margen für synthetische Diamanten seien für Juweliere größer als bei natürlichen Diamanten. Da komme also das eine zum anderen. "Es ist für beide Seiten gut und es ist für beide Seiten erschwinglicher und sie können einen größeren Diamanten kaufen."

Vom Laien kaum zu unterscheiden 

Um den Preis geht es allerdings nicht nur beim Verlobungsring, sondern auch in der Industrie. Ein Großteil der künstlichen Diamanten wird zum Beispiel zum Schleifen gebraucht. Den Bedarf könnte man durch den natürlichen Abbau in Minen aber kaum decken. Diese Diamanten sind allerdings kein Trend mehr, sondern seit Jahrzehnten in Produktion.  

Weniger am Funkeln interessiert ist auch das Fraunhofer Institut in Freiburg für angewandte Festkörperphysik. Dort werden künstliche Diamanten chemisch hergestellt und erforscht. Künstliche Schmuck-Diamanten sind vom Laien übrigens kaum unterscheidbar von natürlichen, auf atomarer Ebene sieht das aber anders aus.

Das sei wichtig für die Industrie, sagt Peter Knittel, Gruppenleiter am Institut: "Die künstliche Herstellung ermöglicht uns einfach, Diamanten in wesentlich höherer Reinheit zu züchten und dann auch in höherer Quantität." Man könne also größere Mengen herstellen, als sie in der Natur zu finden sind. Zudem hätten Diamanten, die in der Natur zu finden sind, "eigentlich immer Einschlüsse mit anderen Mineralien, was sie für viele Anwendungen einfach nicht nutzbar macht."

 Nur bedingt umweltfreundlich

Bei der Produktion von Diamanten wird so viel Energie benötigt, dass die Umweltfreundlichkeit allerdings nur noch bedingt gegeben ist, so Knittel. Dafür werden sie nicht unter ethisch fragwürdigen Bedingungen hergestellt. 

Matias John, Wirtschaftsexperte von Amnesty International, sagt dazu, dass es in den Diamantminen noch heute viele Probleme gibt: Zwar gebe es freiwillige Selbstverpflichtungen, keine Diamanten zu kaufen, die aus Krisengebieten kommen. Doch die funktionierten nicht immer.

Verbraucherinnen und Verbraucher entscheiden

Außerdem seien auch die Arbeitsbedingungen in den Minen häufig schlecht. "Es gibt eben teilweise Probleme mit der Arbeitssicherheit, mit dem Gesundheitsschutz, es gibt leider immer noch Probleme mit Kinderarbeit, es gibt möglicherweise bei neuen Minen Vertreibung der ursprünglichen Bevölkerung, die häufig auch nicht mit eingebunden wird", so John.  

Deswegen fordert Amnesty ein Gesetz, das die Kontrolle der Arbeitsbedingungen in den Lieferketten garantiert. Am Ende müssen die Verbraucherinnen und Verbraucher entscheiden, welchen Diamanten sie wollen: Entweder den Milliarden Jahre alten Diamanten aus der Mine oder den in wenigen Wochen produzierten, synthetischen Diamanten - mit vielleicht reinerem Gewissen. 

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 18.5.2021, 9 bis 12 Uhr

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