Hospiz
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Das Hospiz- und Palliativgesetz von 2015 sollte sicherstellen, dass Sterbebegleitung flächendeckend und auch in ländlichen Regionen angeboten werden kann. Wie ist die Situation heute? Ein Blick auf die Arbeit der Hospizdienste drei Jahre danach.

Beim ältesten Hospizdienst in Nordhessen in Bad Sooden-Allendorf werden seit 24 Jahren Sterbende begleitet. Diese Arbeit übernehmen 25 Ehrenamtliche. Andrea Umbach ist die hauptamtliche Koordinatorin des ambulanten Dienstes. Sie war froh über die Gesetzesänderung vor drei Jahren: "Die Verbesserungen kriegen wir schon zu spüren, weil wir jetzt auch Sachleistungen abrechnen können. Das ging vorher gar nicht. Das meiste mussten wir über Spenden abdecken, was natürlich auch sehr schwierig ist."

Spenden immer noch unerlässlich

Doch nach wie vor ist der Hospizdienst auf Spenden angewiesen. Der Verein muss Rücklagen bilden, um die hauptamtlichen Stellen vorzufinanzieren und Verluste auszugleichen. Dies führe bei Andrea Umbach dazu, dass sie ständig die Finanzen im Blick haben und Werbung machen müsse. Hier würde sie sich mehr Entlastung durch den Gesetzgeber wünschen. "Alle Koordinatoren müssen schauen, dass sie sich selbst und auch den ganzen Verein bezahlen können. Ich muss das also selbst erwirtschaften. Da wäre es schon wichtig, dass es eine feste Grundlage gibt und wirklich immer Geld zur Verfügung steht." Das sei notwendig, damit sie mehr Zeit und Gelassenheit bei ihren Ehrenamtlichen hätte.

Dorothea von Bally ist seit 15 Jahren ehrenamtliche Sterbebegleiterin. Für sie ist die Koordinatorin eine ganz wichtige Ansprechpartnerin: "Die Ehrenamtlichen können jederzeit dort hingehen und darüber sprechen, wie sie mit der Situation klarkommen. Oder auch, wenn sie es einfach nicht schaffen und ganz aufhören möchten. Das kann unsere Koordinatorin dann schön auffangen und in die richtigen Bahnen lenken."

Dadurch kann sie sich besser auf ihre Begleitungen konzentrieren. Denn oft ist es nicht einfach, zwischen den Angehörigen und dem Sterbenden zu vermitteln: "Die scheuen sich oft miteinander zu sprechen, weil sie den anderen nicht belasten wollen. Da können wir eine gute Mittlerfunktion einnehmen und auch den Angehörigen Unterstützung geben, dass sie mit den Beschwerden, die der Kranke hat, besser umgehen können."

Stille ist wichtig

Dorothea von Bally würde sich wünschen, dass in Altenheimen und Krankenhäusern mehr ruhige Räume für die Sterbenden geschaffen werden. Denn Stille sei besonders in den letzten Momenten ganz wichtig: "Diese letzte Stunde, die ich dabei sitzen konnte – das war so eine wunderbare Erfahrung. Zu sehen, in welcher Ruhe dieser Mensch von der Welt geht. Für mich war das ein regelrechtes Geschenk, dabeisein zu dürfen."

Sendung: hr-iNFO, 10.12.2018, 07.45 Uhr

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