zerstörte Altstadt von Mossul

Drei Jahre herrschte der "Islamische Staat" in Mossul auf grausamste Weise, noch immer sind ganze Viertel der Stadt zerstört. Doch inmitten der Trümmer bringt in diesen Tagen eine junge Frau den Kern der Weihnachtsbotschaft zu den Menschen.

Fast dreieinhalb Jahre ist es her, dass die Dschihadisten-Miliz "Islamischer Staat" aus Mossul vertrieben wurde. Aber immer noch liegen ganze Viertel der Millionenstadt im Norden des Irak in Trümmern, besonders im Bereich der Altstadt. Dort zieht in diesen Tagen eine junge Frau durch die Ruinenlandschaft, mit einem Fahrrad und ‒ im Weihnachtsmannkostüm.

Shaima al-Abbasi singt. Das Rot ihres Kapuzenmantels leuchtet vor den grauen Gebäudetrümmern. Die 23-Jährige ist unterwegs zu Kindern, denen sie etwas Weihnachtsfreude bescheren möchte, unter anderem mit Süßigkeiten. "Ich verteile kleine Geschenke, um die Kinder froh zu stimmen", sagt sie. "Sie brauchen das, nach allem, was die IS-Extremisten während des Krieges getan haben. Die Kinder haben gelitten."

 Weihnachten aus Lebensfreude

Drei Jahre lang herrschten die Dschihadisten in Mossul auf grausamste Weise. Eine Weihnachtsaktion wie diese hätte Shaima damals in Lebensgefahr gebracht. Die junge Frau stammt aus einem kurdisch-muslimischen Elternhaus. Sie feiert Weihnachten mit den Kindern nicht aus religiösen Gründen, sondern der Lebensfreude wegen.

In Häusern der Altstadt, die nur teilweise oder gar nicht zerstört wurden, leben längst wieder Menschen und natürlich auch Kinder. Shaima singt, tanzt und spielt mit ihnen. Der Weihnachtsmann sei gekommen, schwärmt ein kleines Mädchen. Viele Jungs und Mädchen hätten bei seinen Spielen etwas gewinnen können.

Auch Erwachsene wie Alaa Ghanem sind begeistert von der Aktion: "Besonders hier in der Altstadt brauchen wir solche Aktivitäten. Viele Kinder haben grausame Dinge erlebt, sie brauchen einen Menschen, der ihnen wieder Spaß ins Leben bringt. Plötzlich gibt es hier inmitten der Trümmer wieder Schönheit und Freude."

Der Kern der Weihnachtsbotschaft

Genau wie die Kinder hat auch Shaima während des Krieges Schlimmes erlebt. Mit ihren Eltern musste sie vor dem IS fliehen. Inzwischen arbeitet die Aktivistin ehrenamtlich bei Initiativen, die sich um Kinder kümmern. "Ich leide, wenn ich das Ausmaß der Zerstörung sehe, aber ich versuche, immer stark zu sein ‒ damit ich die Kinder glücklich machen kann."

Und so bringt eine junge Irakerin aus einem muslimischen Elternhaus in einer mehrheitlich muslimischen Gesellschaft den Kern der Weihnachtsbotschaft zu den Menschen: Hoffnung und Zuversicht.

Als wollten die zumeist muslimischen Abgeordneten des irakischen Parlaments ebenfalls für etwas Zuversicht sorgen, haben sie jüngst einen wichtigen Beschluss gefasst: Sie erklärten den 25. Dezember zum offiziellen, jährlichen Weihnachtsfeiertag für das gesamte Land.

Sendung: hr-iNFO, 23.12.2020, 12 bis 15 Uhr

Jetzt im Programm