Eine Frau hält ein Handy in die Kamera. Auf dem Display steht groß "#MeToo".

Vor einem Jahr brachte die Schauspielerin Alyssa Milano mit einem Tweet die #MeToo-Debatte ins Rollen. Was seitdem passiert ist, fassen wir in einer Chronologie zusammen.

5. Oktober 2017

In der New York Times erscheint ein Artikel über den systematischen Machtmissbrauch des US-amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein. Rund 80 Frauen werfen ihm sexuelle Belästigung vor, darunter die Schauspielerin Ashley Judd. Weinstein habe damals kein Nein akzeptieren wollen. Vielleicht habe es ihn sogar angemacht. Kurz nach Erscheinen des Artikels postet die Schauspielerin Alyssa Milano diesen Tweet: "Wenn alle Frauen, die sexuell belästigt oder genötigt wurden, 'Me too' als Status schreiben, könnten wir den Menschen das Ausmaß des Problems bewusst machen."

Innerhalb von zwei Tagen wird der Hashtag #MeToo mehr als eine Million Mal genutzt. Es bleibt aber nicht bei einem Hashtag. James Franco, Dustin Hoffman, Terry Richardson, Kevin Spacey: Die Namen der Beschuldigten häufen sich. Für einige mit Konsequenzen, für einige nicht.

If you’ve been sexually harassed or assaulted write ‘me too’ as a reply to this tweet.

[zum Tweet mit Bild]

Januar 2018

Alles nur ein Hollywood-Problem? "Ich habe das nie wirklich erlebt oder mitbekommen. Deswegen würde ich mir wünschen, dass es einfach damit zu tun hat, oder möchte glauben, dass es hier in Deutschland einfach keine Rolle spielt oder gespielt hat", hofft der Schauspieler Elyas M’Barek. Er irrt sich. Im Zeitmagazin berichten drei Schauspielerinnen von sexueller Belästigung durch den Regisseur Dieter Wedel in den 90er Jahren. Der widerspricht den Vorwürfen in einer eidesstattlichen Erklärung: "Ich habe zu keinem Zeitpunkt diesen oder anderen Frauen in irgendeiner Form Gewalt angetan."

Die Reaktionen sind zunächst verhalten. Manche sprechen von einer Hexenjagd auf den inzwischen 76-Jährigen. Doch als kurz darauf vier weitere Frauen Wedel beschuldigen, dreht sich langsam die Stimmung. Hinweise zu einer versuchten Vergewaltigung sind beim Saarländischen Rundfunk aktenkundig. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt in einem nicht verjährten Vergewaltigungsvorwurf gegen ihn.

April 2018

Beim Westdeutschen Rundfunk kommen weitere Fälle der sexuellen Belästigung ans Licht. Mindestens vier Mitarbeiter werden beschuldigt. Zwei von ihnen arbeiten weiterhin im Sender. Nach einem Prüfbericht kündigt der WDR einen Kulturwandel an.

1. Juni 2018

Nicht nur der WDR intern sondern alle öffentlich-rechtlichen Anstalten und 15 Branchenverbände reagieren auf die Geschehnisse und gründen eine Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt. Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters steuert 100.000 Euro bei. "Macht und Angst waren viel zu lange stille Komplizen – und die Zeit des Schweigens muss jetzt endlich vorbei sein", erklärt die CDU-Ministerin.

Und jetzt?

Ein Jahr nach dem Weinstein-Skandal hat die Debatte das reine Show-Business hinter sich gelassen. "Das ist nicht ein Phänomen der Filmindustrie, sondern ein Phänomen überall da, wo Menschen überproportional Macht haben und über Abhängigkeitsverhältnisse verfügen. Da passiert das", so Schauspieler Till Schweiger.

Sendung: hr-iNFO, 05.10.2018, 7.20 Uhr

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