E-Auto tankt Strom

Für die Bundesregierung ist das E-Auto ein entscheidender Faktor beim Ziel, das Klima zu verbessern. Doch ist das E-Auto wirklich die Lösung der Zukunft?

Wir haben vier Menschen gefragt, die sich mit dem Thema beschäftigen.

Florian Schneider, Filmautor

Florian Schneider ist Mitautor der ARD-Dokumentation "Kann das E-Auto wirklich die Umwelt retten?". Er sagt, auch wenn das E-Auto keine Schadstoffe ausstoße - emissionsfrei sei es keineswegs: "Was es auf jeden Fall nicht gibt, ist das Null-Emmissionen-Auto. Jedes Elektro-Fahrzeug, das produziert wird, produziert CO2, oder in der Herstellung wird CO2 emittiert. Da lässt sich als Faustformel sagen: Je größer die Batterie und je größer die Reichweite des Autos ist, desto schlechter ist der CO2-Fußabdruck."

Florian Schwinn, hr-iNFO Umweltredakteur

"Wer in Deutschland sein Elektrofahrzeug mit Strom auftankt, der tankt immer noch zu mehr als der Hälfte einen Mix aus Braunkohle, Steinkohle und Erdgasstrom – also aus fossilen Energieträgern. Dazu kommt immer noch ein Anteil von über 13 Prozent Atomenergie, die uns immer weiter strahlenden Müll hinterlässt. Nur 40 Prozent des Stroms kommt in Deutschland aus den erneuerbaren Energien: Wind, Solar, Biogas und Wasserkraft. So viel war es im vergangenen Jahr. Und es war ein sehr sonniges Jahr. Also es kann auch wieder ein bisschen weniger werden.

Ein Elektro-Auto verschmutzt also die Luft und produziert das Treibhausgas Kohlendioxid – nur anderswo als da, wo es fährt. Wer außerdem seine Batterie in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg oder Sachsen auflädt, der tankt den schmutzigsten Strom, den wir produzieren – den aus Braunkohle."

Tarek Al-Wazir, hessischer Wirtschaftsminister

Fast alle Parteien setzen auf das E-Auto, auch die Große Koalition aus Union und SPD. Auch die Grünen und der Hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir: "Wenn man sich anschaut, dass die Chinesen nur noch E-Autos perspektivisch zulassen werden, dass am Ende jemand wie Elon Musk zu sowas wie einem Autobauer wird, dass sogar die Deutsche Post inzwischen E-Scooter baut, weil die deutsche Autoindustrie nicht liefern kann, dann ist es vielleicht auch ökonomisch die richtige Entscheidung, auf Zukunft zu setzen und nicht die Vergangenheit möglichst lange konservieren zu wollen."

Ivo Marusczyk, ARD-Korrespondent

Die Batterie in den Fahrzeugen ist ein großer Faktor, der nicht unproblematisch ist. Ein wichtiger Rohstoff für die Batterie ist unter anderem Lithium. Gewonnen wird es hauptsächlich in den Salzwüsten Südamerikas, dort beschäftigt sich unser Korrespondent Ivo Marusczyk mit dem Thema: "Die Gewinnung des Leichtmetalls wird inzwischen kritisch gesehen", sagt er. "Denn für die Produktion wird sehr viel Süßwasser gebraucht - auch wenn es im Moment keine korrekten und verlässlichen Studien gibt, wie viel Wasser dafür nötig ist. In einigen Regionen versalzen deswegen die Brunnen in der Nähe der Lagerstätten. Die Anwohner befürchten, dass sie ihre Lebensgrundlage verlieren und stemmen sich deswegen gegen neue Lithium-Projekte.

Dazu kommen politische Querelen. In Bolivien hat die Regierung in dieser Woche ein Joint Venture mit einer deutschen Firma aufgelöst, obwohl dort erstmals eine ressourcenschonende Methode zum Einsatz kommen sollte. Aber es gibt Streit, wie die Erträge aus diesem Projekt zwischen der Zentralregierung und der betroffenen Provinz geteilt werden sollen."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 7.11.2019, 16-18 Uhr

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