Buchgeschenk Weihnachten

Der "Lockdown light" scheint die Kauflaune zu trüben: Die Innenstädte sind merklich leerer als sonst, obwohl die Geschäfte weiterhin geöffnet haben. Deshalb fürchten viele Einzelhändler in Hessen jetzt ums Weihnachtsgeschäft.

Die Bensheimer Innenstadt ist leer – trotz schönem Sonnenschein, trotz Schildern vor den Cafés, die auf Angebote zum Mitnehmen hinweisen und trotz offener Türen zu Schuhläden oder Bekleidungsgeschäften. In einem dieser Geschäfte hebt die Verkäuferin erst den Kopf, als sie die Türglocke hört. Neben ihr hängen Schals in bunten Farben und lange Ketten. Auf das bevorstehende Weihnachtsgeschäft schaut sie besorgt: "Ich denke, es wird schwierig. Die Menschen sind sehr verhalten, sehr ängstlich und ich kann mir vorstellen, wenn sie einkaufen gehen, ziehen sie eher den Gang ins Internet vor. Das wird das Kaufverhalten sehr beeinflussen."

Ähnlich sieht das auch Tatjana Steinbrenner. Sie führt im Herzen von Bensheim ein Kaufhaus mit über 50 Angestellten und ist Vizepräsidenten des Hessischen Handelsverbands. "Ich glaube, online wird uns im Weihnachtsgeschäft – was ja die Jahre davor auch immer mehr wurde – noch mehr den Rang ablaufen. Weil die Leute sagen: Sie gehen das Risiko nicht ein."

"Einige werden auf der Strecke bleiben"

Die Zurückhaltung beim Einkaufen merke man schon jetzt. Nach ersten Schätzungen würden in den hessischen Großstädten seit Beginn dieser Woche bei manchem Einzelhändler bis zu 40 Prozent der Umsätze fehlen, so Steinbrenner. Und sie glaubt: Wenn dann im Dezember auch noch die Weihnachtsmärkte als Besuchermagnete fehlen, dann wird es für die Geschäfte noch schwieriger.

"Ich glaub schon, dass wir Ende des Jahres wirklich einen Strich machen müssen und schauen: Wer schafft es und wer nicht. Da werden einige auf der Strecke bleiben, wenn diese Monate einfach nicht so kommen, wie wir sie brauchen im Handel", erklärt Steinbrenner. In ihrem eigenen Kaufhaus in Bensheim beobachtet Steinbrenner, dass typische Weihnachtsartikel wie Adventskalender derzeit Ladenhüter bleiben. Umso besser dagegen würden sich Weihnachtskarten und Geschenkpapier verkaufen.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Stille Nacht: Corona und das Weihnachtsgeschäft

Mit Geschenken bedürftigen Kindern zu Weihnachten eine Freude machen
Ende des Audiobeitrags

Optimistisch schaut dagegen Ingeborg Deichmann auf die nächsten Wochen. Sie betreibt eine kleine Buchhandlung in Bensheim. "Weil die Menschen jetzt während der Corona-Zeit wieder verstärkt zu Hause sind und das Buch ein sehr guter Unterhaltungsfaktor ist, wird das Buch im Weihnachtsgeschäft ein guter Geschenkartikel sein."

"Nur bei Amazon zu bestellen, ist seelenlos"

Und auch Achim Rädnitz, der mit seinem Partner wenige Meter weiter einen Concept Store mit selbstgefilzten Wärmflaschen, Ledertaschen und Notizbüchern betreibt, glaubt an ein gutes Weihnachtsgeschäft. "Was wir auch zunehmend feststellen ist, dass die Kunden auch ganz gezielt kommen und sagen: Ich komme gerne zu euch und möchte euch unterstützen", so Rädnitz. Und dafür sei es egal, ob es einen Weihnachtsmarkt gibt oder nicht, glaubt der Einzelhändler.

Für Günther Schleif im gleichnamigen Atelier in Bensheim ist es jetzt noch zu früh, über das Weihnachstsgeschäft zu spekulieren. Er hofft darauf, dass sich die Fallzahlen durch den Lockdown light bis Dezember deutlich verringern: "Dann kann ich mir vorstellen, dass das Weihnachtsgeschäft eigentlich ganz gut ist. Das ist ja auch ein sinnliches Erlebnis für viele, die einkaufen gehen wollen. Nur bei Ebay oder Amazon zu bestellen, ist eigentlich langweilig und seelenlos." Er hofft, dass das zumindest seine Stammkunden genauso sehen wie er und auch in diesem Jahr kommen werden.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 5.11.2020, 12 bis 15 Uhr

Jetzt im Programm