Emoticone

Weil er sein Leben in Afrika in den Emojis der Messenger-Dienste oft nicht wiederfand, kreierte ein junger Grafikdesigner von der Elfenbeinküste einfach seine eigenen. Mit großem Erfolg.

"Mein Lieblings-Emoji ist das Zaouli, das ist eine Maske und ein Tanz aus der Elfenbeinküste", sagt O’Plerou Grebet. Es stehe für Kreativität, Akzeptanz und Weisheit. "Ich mag es auch, weil es mein erstes Emoji war, das ich gemacht habe, nachdem ich auf YouTube gelernt habe, wie das geht." Der 22-Jährige Grafikdesigner von der Elfenbeinküste hat über 350 afrikanische Emojis kreiert. Als er für ein Uniprojekt über seinen Alltag nach digitalen Fotovorlagen im Netz schaute, entdeckte er nur eines: Fotos von Armut, Krankheit oder Exotik. 

Er habe gemerkt, dass "die internationalen Medien dazu neigen, ein ziemlich negatives Bild von meinem Kontinent zeichnen. Und ich hatte Lust zu zeigen, wie mein Alltag ist. Und ich hatte Lust, Werbung für unsere Kultur zu machen - das Traditionelle und das Moderne. Und dann hab ich mich 2018 entschieden, jeden Tag ein Emoji auf Instagram zu veröffentlichen."

Mehr digitale Repräsentation des afrikanischen Alltags

Über 200.000 User*innen haben seine Designs als Sticker aus den üblichen App-Stores für Messenger-Dienste schon runtergeladen: Mittlerweile repräsentieren sie nicht nur den Alltag aus der Elfenbeinküste, sondern aus vielen verschiedenen Ländern Afrikas. Dort sieht man zum Beispiel einen Kamm für Afrohaare, verschiedene afrikanische Masken, Schmuck, Instrumente, Tänze, typische Pflanzen wie der Affenbrotbaum oder traditionelle Gerichte oder Getränke wie Palmwein und Hibiskussaft in zusammengeknoteten Plastikbeutelchen. 

Viele der Emojis bringen Menschen auf dem afrikanischen Kontinent zum Schmunzeln. O'Plerou Grebet sagt, er will damit auf eine bunte und lustige Art und Weise für mehr digitale Repräsentation des afrikanischen Alltags kämpfen. Genau aus diesem Grund findet der 27-jährige Mohammed Lawal die afrikanischen Emojis gut. Der Nigerianer aus der Hauptstadt Abuja benutzt selbst welche. Es sei langsam Zeit, sagt er. "Denn viele können sich nicht wirklich ausdrücken, denn die Bilder, die verfügbar sind, sind alle so eurozentrisch." Als afrikanische Person gebe es aber "bestimmte Art und Weisen, wie du gerne kommunizieren möchtest und mit diesen afrikanischen Emojis ist das besser und einfacher." Denn Bilder sagten mehr als Worte und er fühle sich einfach wohler damit, "Dinge zu benutzen, mit denen ich mich auch identifizieren kann, etwas, das zu meiner Kultur gehört." 

Bald Standard-Emojis in Messengern?

Auch Adizatu Sani aus Nigeria findet Repräsentation wichtig. Als damals das erste Mal Emoji mit unterschiedlichen Hautfarben verfügbar waren, freute sie sich. "Afrikanische Emojis geben mir einfach dieses Zugehörigkeitsgefühl. Wenn ich jetzt einem Freund ein Lächeln schicken möchte, nehme ich das schwarze Emoji. Es repräsentiert mich und es unterstreicht mein Afrikanisch-Sein und es zeigt, ich bin stolz drauf." Und genau das will Grafikdesigner O'Plerou Grebet mit seiner App "Zouzoukwa" erreichen. Sein Wunsch: dass einige seiner Emojis in das offizielle Emoji-Repertoir als Standard Smartphone-Emojis von Messenger-Diensten wie WhatsApp aufgenommen werden. Damit könnten seine westafrikanischen Emojis nicht nur Millionen Menschen in Westafrika benutzen, sondern auch Milliarden Smartphone-Nutzer*innen weltweit.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 17.7.2020, 12 bis 15 Uhr

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