Josef Aschbacher, der neue Generaldirektor der ESA

Ob Navigation oder Wettervorhersage: Wir alle nutzen täglich Informationen, in denen die Raumfahrt und ihre Technologien eine Rolle spielen.  Im Interview mit dem hr-Podcast "WeltraumWagner" weist ESA-Chef Josef Aschbacher deshalb nicht nur auf Bedeutung der Raumfahrt hin, sondern hat auch eine klare Forderung an die deutsche Politik: bei der Raumfahrt nicht zu sparen.  

Im Herbst geht es für ESA-Chef Josef Aschbacher um viel. Vor allem um viel Geld für seine Pläne. Dann berät nämlich der ESA-Ministerrat über das Budget der Europäischen Raumfahrt Agentur. Deutschland spielt dabei eine wichtige Rolle. Deshalb appelliert Aschbacher an die Bundesregierung, bloß nicht zu sparen. Deutschland habe sich in den letzten beiden Runden 2016 und 2019 sehr stark engagiert, so Aschbacher: "Ich befürchte, dass das Niveau der deutschen Investitionen zurückfallen könnte." Und Aschbacher warnt: "Sollte das passieren, wäre das für Deutschland schlecht. Für die Gesellschaft, für die Bürger, für die Industrie und für Deutschland als Führungsnation, als Technologienation."

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Vielmehr hofft der ESA-Chef, dass Deutschland das prozentuale Niveau am ESA-Budget hält. Zuletzt habe der deutsche Anteil bei rund 23 Prozent gelegen: "Wenn das Niveau gehalten werden würde, wäre das perfekt." Und Aschbacher rechnet vor: Bei einer Gesamtsumme von 16 Milliarden Euro wären das knapp vier Milliarden. Gegenüber dem letzten ESA-Budget würde das allerdings eine Aufstockung der deutschen Gesamtsumme bedeuten. Denn an dem vor drei Jahren im spanischen Sevilla verabschiedeten ESA-Budget war Deutschland mit 3,3 Milliarden Euro beteiligt – als seinerzeit stärkster Beitragszahler. Allerdings sehen die ESA-Regularien auch vor, dass Industrieaufträge entsprechend der geleisteten finanziellen Beiträge an die jeweiligen Länder verteilt werden. Das entsprechende - etwas bürokratische - Stichwort dazu lautet: geografischer Mittelrückfluss. 

Deutschland als Finanzier von großer Bedeutung

Aschbachers Appell hat also einen Grund: Deutschland ist als Finanzier der europäischen Raumfahrt von herausragender Bedeutung. Und der ESA-Chef verfolgt ambitionierte Pläne. Ein zentrales Stichwort lautet Unabhängigkeit. Nach dem Angriff auf die Ukraine fällt Russland als Kooperationspartner der europäischen Raumfahrt weitegehend aus, so Aschbacher. "Es tut mir sehr leid sagen zu müssen, dass die Partnerschaft mit Russland, die wir über Jahrzehnte aufgebaut haben, nicht funktioniert und dass wir uns hier trennen müssen von diesen gemeinsamen Projekten, die wir initiiert haben." Tatsächlich wurde das gemeinsame Mars-Projekt "ExoMars" zuletzt schon gestoppt.

Josef Aschbacher im Gespräch mit den WeltraumWagner-Machern Dirk Wagner und Oliver Günther

Die ESA will die Mission jetzt möglicherweise mit der US-amerikanischen NASA fortführen. Entsprechend sucht die ESA nicht nur nach neuen Partnern, sondern auch nach mehr Eigenständigkeit, um "noch stärker, robuster und resilienter" zu werden, wie Aschbacher es formuliert. Das gelte sowohl für künftige Missionen als auch für eigene Technologien bis hin zu einem eigenen Zugang zum All – mit Raketen, die künftig auch europäische Astronauten ins All bringen können. Bislang war die ESA gerade hier auf andere Partner, zum Beispiel Russland, aber auch auf die USA angewiesen.  

Rückschlag bei europäischem Zugang zum All

Gerade was den europäischen Zugang zum All angeht, hat die ESA allerdings zuletzt einen Rückschlag einstecken müssen. Der schon mehrfach verschobene und zuletzt für dieses Jahr geplante Erst-Start der neuen Trägerrakete Ariane 6 musste zuletzt erneut abgesagt werden. Der Grund, so Aschbacher, seien aufwändige Tests, die noch durchgeführt werden müssten. Der Start der Ariane 6 soll jetzt im nächsten Jahr erfolgen. Auf einen genaueren Termin will sich Aschbacher allerdingsnoch nicht festlegen. "Wir erwarten, dass wir Ende September bessere Gewissheit haben und dann eine Periode festlegen können, die die wahrscheinlichste ist." Im Moment sei eine genauere Vorhersage des Ariane 6-Starts  noch nicht möglich: "Es wird wohl irgendwann 2023 sein, aber ob das jetzt Januar, Dezember oder irgendwann dazwischen ist, ist bisher nicht absehbar."

Astronauten werden mit der neuen Rakete allerdings dann immer noch nicht mitfliegen können. Die Ariane 6 ist bislang nur für unbemannte Nutzlasten geeignet.   

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