Facebook-, Amazon- und Google-Apps auf einem Smartphone

Facebook, Google und Twitter schreiben sich Diversität und eine Anti-Rassismus-Haltung groß auf ihre Firmen-Fahne. Doch in den Büros der Unternehmen selbst sucht man Diversität vergeblich. Noch immer ist auch die Tech-Industrie vor allem: weiß und männlich. Das hat auch Auswirkungen auf ihre Arbeit.

Auch im Silicon Valley gab und gibt es sie – die "Black Lives Matter"-Proteste. Sie finden statt in der Nachbarschaft der großen amerikanischen Tech-Konzerne wie Facebook, Apple, Google, Twitter, Uber oder  Airbnb. Und auch die Tech-Unternehmen blieben von den Protesten nicht unberührt, gaben Erklärungen ab, in denen sie Rassismus anprangerten und ihre Solidarität mit Demonstranten zum Ausdruck brachten. "Die ungerechte und brutale Behandlung der Schwarzen in unserem Land muss aufhören", schrieb beispielsweise der Warenliefergigant Amazon in einem Tweet.

Teil des Problems?

Auf Facebook teilte Mark Zuckerberg einen Beitrag über die Verantwortung zur Bekämpfung von Rassismus und Ungerechtigkeit und den Hashtag #saytheirnames; kündigte zudem an, zehn Millionen US-Dollar an Organisationen zu spenden, die Rassismus bekämpfen. Die Unternehmen betonen ihre Unterstützung gegen Rassismus.

Ihre Firmenkultur drückt das aber nicht aus, sagt Y-Vonne Hutchinson, die eine Beratungsagentur für Diversität leitet gegenüber dem Radiosender NPR: "Ich denke, es ist eine Sache, eine Erklärung abzugeben. Es ist eine Sache zu spenden. Es ist eine ganz andere zu sagen: 'Wie werden wir unser eigenes Haus aufräumen? Was werden wir tun, um sicherzustellen, dass wir nicht Teil des Problems sind?'"

Diversität bringt mehr Blickwinkel

Hutchinson meint damit unter anderem die Zusammensetzung der Tech-Teams. Bei Google arbeiten nur etwa 5,5 Prozent Schwarze, bei Facebook nur 3,8 Prozent – und damit hat das Unternehmen seine Zahlen schon verdoppelt. People of Color und Frauen sind in den Büros des Silicon Valley unterrepräsentiert.

Und das hat Auswirkungen: "Wenn eine Frau mit am Tisch sitzt, sie Finanzen verantwortet, wird sie auch eher andere Frauen fördern", meint etwa Senatorin Holly Mittchell, die sich für das Thema Förderung von Nicht-Weißen und Frauen stark macht. Ihre Argumentation: Die eigene Herkunft fließt auch in die Arbeit ein – divers zusammengesetzte Büros haben somit mehr Blickwinkel, können sich besser in Konsumenten hineinversetzen, die nicht-weiß sind beispielsweise.

Vorurteile und Blindheit bei Programmierung

Und dabei geht es  nicht etwa darum, wie man Telefone schöner gestaltet. Es geht um Vorurteile und Blindheit bei der Programmierung – zum Beispiel von Künstlicher Intelligenz für Gesichtserkennungssoftware. Diese wird etwa bei der Polizei genutzt, um Gesichter mit Straftätern abzugleichen und nach Verbrechern zu fahnden.

Das kann sogar gefährlich werden, warnt der Jurist Mohammad Tajsar der Bürgerrechtsbeqwegung ACLU: „Die Software ist nicht genau genug. Sie hat Probleme, besonders die Gesichter von Schwarzen oder Frauen zu erkennen. Wir haben selbst Testläufe gemacht und die Software ist einfach nicht akkurat."

Vor allem Schwarze Frauen würden bei der Gesichtserkennung oft als Männer identifiziert. Weiße Menschen würden dagegen oft erkannt. Die Folge kann sein, dass Schwarze Menschen fälschlicherweise als Verbrecher identifiziert werden.

Problem erkannt

Die Tech-Industrie scheint das Problem zumindest anpacken zu wollen: Google-Chef Sundar Pichai hat sich verpflichtet, die Führungseben seines Unternehmens in den nächsten fünf Jahren um 30 Prozent zu diversifizieren. Faceboook Co-Chefin Sheryl Sandberg gab eine ähnliche Ankündigung mit der Zusage ab und auch der Ferienhausvermittler Airbnb teilte jetzt mit, dass bis Ende nächsten Jahres 20 Prozent des Verwaltungsrats und des Führungsteams aus People of Color  bestehen soll.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 10.7.2020, 15 bis 18 Uhr

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