Dunja und Pola zeigen, dass sie starke Frauen sind

Immer noch und immer wieder machen Frauen auf sich und ihre Rechte aufmerksam – auf der Straße und auch in Funk und Fernsehen. Früher gab es den Frauenfunk – heute zum Beispiel den hr-Podcast ‚Das F-Wort - der Empowerment-Podcast für Frauen ‘. Die Macherinnen sind, früher wie heute, Feministinnen - und dennoch hat sich einiges geändert.

Die Popkultur hat ihn für sich entdeckt, genauso wie die Modeindustrie, die T-Shirts mit dem Aufdruck 'Feminist' an junge Frauen verkauft: Feminismus ist wieder in aller Munde. Doch obwohl Frauen in Deutschland so gleichberechtigt sind wie nie zuvor, gehen vor allem junge Frauen wieder auf die Straße, um gegen sexualisierte Gewalt, für Abtreibungsrechte und Gleichberechtigung lautstark zu demonstrieren – und das weltweit. 

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Seit Mitte April gibt es den hr-Podcast zum Thema Feminismus. Die erste abgeschlossene Staffel umfasst 10 Folgen à ca. 50 Minuten. Präsentiert und moderiert wird sie von den hr-Redakteurinnen Pola Nathusius und Dunja Sadaqi. In jeder der zehn Folgen beschäftigen sich die beiden mit einem feministischen Thema. "Weil Feminismus immer noch wichtig und nötig ist, weil die Geschlechter eben noch nicht gleichberechtigt sind – auch nicht in Deutschland, wo eine Bundeskanzlerin uns seit mehr als einem Jahrzehnt regiert", sagt Sadaqi. "Das haben meine Kollegin Pola Nathusius und ich auch als Frauen selbst erfahren: in der Schulzeit oder beim Arbeitsbeginn, im Privatleben."

Klingt nach Schimpfwort, geht aber um Gleichberechtigung

Dass das Thema hoch aktuell ist, sieht man auch an der Debatte um den Paragrafen 219a, der Werbung für Schwangerschaftsabbrüche verbietet und wegen dessen die Gießener Frauenärztin Kristina Hänel verurteilt worden ist, weil sie eben auf ihrer Internetseite über Schwangerschaftsabbrüche informieren wollte. Inzwischen hat das Oberlandesgericht in Frankfurt das Urteil allerdings aufgehoben. Anlässlich des umstrittenen Paragrafen wurde eine hitzige Debatte rund um das Thema Abtreibung und die sexuelle Selbstbestimmtheit der Frau entfacht.

F-Wort Host, Dunja Sadaqi, lächelt selbstbewusst in die Kamera

"Und in unserem Alter Anfang 30 sehen wir auch in unserem Freundinnenkreis: In der Beziehung und gerade, wenn Kinder ins Spiel kommen, dann hapert es doch beim Thema Gleichberechtigung", so Sadaqi. "Gleichzeitig ist der Begriff Feminismus ein Streitbegriff, an dem sich viele reiben. Damit spielen wir auch in unserem Podcast – und haben ihn bewusst 'Das-F-Wort genannt', weil es eben nach Schimpfwort klingt, obwohl es ja eigentlich nur um eines geht: Gleichberechtigung und Bürgerrechte."

"Am Feminismus kommen auch Männer nicht vorbei"

Im Podcast bezeichnen sich die beiden wie selbstverständlich als Feministinnen. Dabei kann die Definition für jede Frau variieren. Für Pola Nathusius und Dunja Sadaqi ist Feminismus die Gleichberechtigung der Geschlechter, per Gesetz, im Alltag – ob beruflich oder privat. "Und wir sagen: Frauen, aber auch Männer, kommen an dem Thema Feminismus nicht vorbei", ergänzt Sadaqi. "Da geht es nicht um lila Latzhosen tragen und Männer hassen  - das war und ist immer noch absoluter Quatsch, aber ja immer noch Teil der Diskussion - denn es sind noch Kämpfe zu kämpfen. Und das betrifft eben nicht nur eine Hälfte der Gesellschaft, sondern alle."

Der Podcast behandelt verschiedene Themen: von Sexismus in der Politik und im Deutschen Bundestag, über Hass und Emanzipationsmöglichkeiten durch Soziale Medien, bis hin zu Sexualität und Körperkult – oder ob es feministische Pornos gibt. "Aber wir blicken auch zurück und vergleichen mit Kämpferinnen von damals den Feminismus aus den 60ern mit heute", so Sadaqi. "In unserer letzten Folge haben wir uns mit Religion beschäftigt und da zum Beispiel mit Vertreterinnen aus Christentum, Islam und Judentum darüber diskutiert, ob Feminismus und Religion zusammenpassen."

Was heute selbstverständlich ist, war früher noch ganz anders

Der Podcast richtet sich dabei an alle, die Lust haben, "unaufgeregt eine feministische Brille aufzusetzen" – so die Macherin. "Für unseren Podcast muss man kein Uniseminar besucht haben, um zu verstehen, über was wir reden.“ Dabei liegt der Fokus auf Frauen dieser Generation und auf dem 'Empowerment-Potenzial'. Deshalb gebe es die Kategorie 'Heldin der Folge', in der Frauen vorgestellt werden, die noch nicht jedem bekannt sind, aber Großes geleistet haben und anderen Mut machen können.

F-Wort Host Pola Nathusius

Doch auch die Frauenbewegung der 60er und 70er Jahre wird thematisiert. Denn einiges von dem, was heute selbstverständlich ist, war damals noch ganz anders.  "Wir haben uns damit beschäftigt, weil wir es spannend fanden, mal nachzufühlen, wie das damals war, als der Ehemann noch darüber bestimmen konnte, ob seine Frau arbeitet und was sie mit ihrem Geld macht", so Sadaqi.  Das mache deutlich, was Frauen damals geleistet hätten, dass junge Frauen heute mehr Rechte und Freiheiten genießen. "Und gleichzeitig wird einem klar: Oh damals gingen Frauen für das Recht auf Abtreibung und gegen sexuelle Gewalt auf die Straße und heute müssen wir das immer noch."

Zwischenfazit: positiv

Bisher sind die Reaktionen auf den Podcast vor allem von jüngeren Frauen positiv, verrät Sadaqi. "Wir sehen: Die Themen, die wir im Podcast setzen, sorgen für Diskussionsstoff  - bei Frauen und Männern." Es werde auch viel kritisch diskutiert. "Wir haben Frauen, die uns schreiben: Ich sitze gerade zu Hause mit meinem zehn Monate alten Baby und wundere mich, warum alles im Haushalt und rund um das Baby an mir hängen bleibt, obwohl ich doch eigentlich mit meinem Freund eine gleichberechtigte Beziehung geführt habe. Und es kamen auch Männer einer älteren Generation auf uns zu und haben gesagt: Nach eurer Folge zu gleichberechtigten Beziehungen habe ich erst einmal meine Frau gefragt, ob wir eine gleichberechtigte Beziehung führen und sie hat gelacht und gesagt, nein, mein Schatz."

Das direkte Feedback zum Beispiel über Instagram hat die beiden Macherinnen enorm beeinflusst, zum Beispiel in ihrem Sprachgebrauch, so Sadaqi. Konkret ging es um das Thema Gender-Sternchen: "Dabei geht es darum, dass Sprache wichtig ist, diskriminierungsfrei sein sollte und eben wir in unserem Sprachgebrauch auch alle Menschen ansprechen wollen."

'Das F-Wort' geht in die zweite Staffel

Nach der Sommerpause geht der Podcast in die zweite Staffel. Dunja Sadaqi wird das Projekt allerdings verlassen, da sie ab Oktober im ARD-Studio Nordwestafrika als Korrespondentin arbeiten wird. Neue Präsenterin wird hr-Sport- und YOU-FM-Redakteurin Ann-Kathrin Rose.

Weitere Informationen

Infos zu den Macher*innen

Dunja Sadaqi wurde 1988 in Frankfurt geboren. Während ihres Online-Journalismus-Studiums arbeitete sie als Radioreporterin beim hr, war seit ihrem hr-Volontariat unter anderem zwei Jahre lang Junior-Korrespondentin im hr-Landtagsstudio in Wiesbaden und arbeitet aktuell in der hr-iNFO-Politikredaktion. Sie reist und berichtet regelmäßig als Vertreterin für das ARD-Studio Nordwestafrika in Rabat, Marokko. Dort wird sie ab Oktober 2019 als Auslandskorrespondentin arbeiten.

Pola Sarah Nathusius wurde 1989 in Wiesbaden geboren. Sie hat in Frankfurt Politikwissenschaften und Amerikanistik studiert und unter anderem für WDR, SWR, hr, Das Erste, taz und bento gearbeitet. Als Stipendiatin von 'The Ernst Kramer & Teddy Kollek Fellowships' war sie 2016 in Israel und hat dort für einen internationalen Fernsehsender gearbeitet. Nach ihrem Volontariat beim hr arbeitet sie nun als Social-Media-Redakteurin und Hörfunk-Reporterin beim Hessischen Rundfunk.

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Sendung: hr-iNFO Politik, 04.07.19, 20:35 Uhr

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