Alina öffnet ein Fenster des Klassenzimmers der 6b

Volle Klassenzimmer, stundenlanges Maske tragen, ständiges Dauerlüften bei kühlen Temperaturen. Schüler müssen sich im Unterricht zu Corona-Zeiten auf Einiges einstellen. Luftfilter könnten die Lösung bringen - doch die Politik reagiert nur langsam.

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Schülerinnen und Schüler sitzen mit Mundschutz im Unterricht
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Dirk Schade ist Vater von zwei Töchtern in Spangenberg in Nordhessen. Seit Wochen kämpft er dafür, Luftreinigungsgeräte in hessischen Klassenräumen zu installieren. "Wir müssen jetzt etwas tun, um Infektionsgeschehen von Schulgemeinden fern zu halten", sagt er. "Ich denke dabei nicht nur an die Kinder, sondern auch an Lehrer und ans uns Eltern. Für mich ist das in Kombination mit dem Lüften so wichtig, dass wir das auch zusätzlich ergänzen mit den Luftreinigungsgeräten, um unsere Kinder zu schützen und vielleicht auch ein Stück weit aus der Maskenpflicht heraus zu nehmen. Um einen Unterricht wieder so normal wie möglich zu machen."

Dirk Schade arbeitet in der Medizintechnik im intensivmedizinischen Bereich und kennt sich daher aus mit Covid-19.  Eine Studie an der Frankfurter Goethe-Universität hat ihn davon überzeugt, sich für Luftfilter an Schulen einzusetzen.

Wissenschaftler empfehlen Luftfilter

Atmosphärenforscher Joachim Curtius hatte die Wirksamkeit so genannter HEPA-Filter an einer Schule getestet. Mit erstaunlichem Ergebnis: "Dass man mehr als 90 Prozent Abnahme der allgemeinen Aerosol-Belastung innerhalb einer halben Stunde hinbekommt - und dass dann die Gefahr für die anderen Personen, die sich im Raum aufhalten, entsprechend sinkt."

Auch andere Wissenschaftler empfehlen mittlerweile solche Luftfilter für Schulen. Die Politik bewegt sich dagegen nur langsam. Die hessische Landesregierung hat inzwischen zwar zehn Millionen Euro für Luftfiltersysteme zugesagt – allerdings nur für Schulen, an denen sich die Fenster nicht öffnen lassen fürs Lüften. Schriftlich heißt es dazu aus dem Kultusministerium: "Luftfiltersysteme ergänzen das regulär vorgesehene Lüften. Daher sollten die zehn Mio. Euro vor allem dort investiert werden, wo ein Lüften nicht möglich ist."

Schulträger verweist auf Landesregierung - und umgekehrt

Dirk Schade aus Nordhessen  findet diese Summe viel zu gering. Er wünscht sich, dass für alle Schulen Luftreiniger angeschafft werden – und schnelle Entscheidungen. Die lassen aber auf sich warten. Zuerst hat er die politisch Verantwortlichen in seinem Landkreis, dem Schwalm-Eder-Kreis, angeschrieben. Inzwischen ist er auch auf Landes- und Bundesebene unterwegs. Und hat u.a. eine Petition in den Petitionsausschuss des hessischen Landtags eingereicht.

Der Vater zweier schulpflichtiger Töchter will nicht aufgeben, auch wenn das Ganze zäh sei wie Kaugummi: "Dann ist das immer - so habe ich es wahrgenommen - so ein Hin- und Hergeschiebe zwischen dem Schulträger und dem Land", berichtet er. "Kultusminister Lorz z.B. meint, dass eigentlich der Schulträger zuständig sei, gibt aber trotzdem mal zehn Millionen dazu. Und der Schulträger sagt, solange wir keine verbindlichen Gerätevorgaben oder weitere Infos dazu haben, sehen wir uns außer Stande, solche Geräte anzuschaffen."

Entscheidungsträger "lassen einen verhungern"

Genau diese Bürokratie hat auch Alexander Kornbrust aus Heusenstamm erlebt. Der Vater hat drei Luftreinigungsgeräte aus eigener Tasche bezahlt und wollte sie an der Schule seiner Tochter kostenlos installieren. Ohne Erfolg: "Die Schule hat auf das Kultusministerium, das Kultusministerium auf den Schulträger und jetzt der Schulträger auf den Förderverein verwiesen", erzählt er. "Letzten Endes lassen sie einen verhungern."

Mit der Forderung nach Luftfiltern sind die beiden Väter aus Nord- und Südhessen jedenfalls nicht allein. Immer mehr Eltern und auch Schulgemeinden setzen sich dafür ein. Die Corona-Infektionszahlen steigen derweil weiter und die Pandemie warte nicht, meint der zweifache Familienvater Dirk Schade aus Spangenberg: "Ich finde, wir haben einfach zu wenig Zeit, solche Entscheidungen auf die lange Bank zu schieben, wir müssen es möglichst bald angehen."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 6.11.2020, 9 Uhr

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