Fleisch- und Wurstwaren (dpa)

In fünf bis zehn Jahren könnte es Fleisch aus dem Labor im Supermarkt zu kaufen geben, sagt Thomas Herget. Er tüftelt für Merck an der Idee des aus Stammzellen hergestellten Laborfleischs. Das könnte nicht nur für Tiere, sondern auch für Menschen Vorteile haben.

Für Rinder oder Hühner könnte die Zukunft so rosig aussehen wie ein leckeres saftiges Steak auf dem Teller. Denn statt getötet zu werden, wird ihnen nur noch eine Zellprobe entnommen. Und aus der wächst dann quasi das Fleisch heran, das wir Menschen essen können. So zumindest die Idee, die Menschen wie Thomas Herget von Merck verfolgen.

In fünf bis zehn Jahren könnte es künstliches Laborfleisch - auch kultiviertes Fleisch genannt - im Supermarkt zu kaufen geben, sagt er. "Und der Kunde kann dann wählen, was er mag. Er kann sagen: Heute esse ich mal einen vegetarischen Burger, morgen esse ich einen kultivierten Fleisch-Burger oder einen ganz normalen - je nachdem, was er vom Geschmack und von der Textur her lieber mag."

Keine Hormone, keine Antibiotika

Fleisch aus dem Labor statt aus dem Schlacht-Haus: An dieser Idee arbeiten gerade einige internationale Unternehmen und Start-Ups. In Singapur oder in Israel können Kundinnen und Kunden solches künstlich hergestelltes Fleisch schon teilweise essen, berichtet Herget. Sein Arbeitgeber, der Darmstädter Pharma- und Chemie-Konzern Merck arbeitet aktuell an einem Zellkultur-Medium. Das soll den tierischen Stammzellen erlauben, sich zu vermehren, um letztendlich als Stück Fleisch auf unserem Teller zu landen.

Künstliches Fleisch aus dem Labor – für einige Tiere sicher ein Vorteil, da sie nicht geschlachtet werden müssen. Aber es kann auch Vorteile für Menschen haben, sagt Herget: "Es ist frei von Antibiotika, es ist frei von Hormonen, es ist frei von ekligen Pathogenen oder Kontaminationen." Es sei sehr gut analysiert, es handle sich um "echtes" Fleisch, das nach Hergets Einschätzung gesünder sein sollte als konventionelles Fleisch.

Mangel an positiven Substanzen

Die Ernährungs-Ökologin Eleonore Heil von der Universität Gießen sagt: Ja, es ist denkbar, dass Antibiotika nicht mehr in künstlich hergestelltem Fleisch vorkommen. Allerdings könnten auch viele positive Substanzen fehlen, die im Fleisch eines Tiers stecken, das zum Beispiel auf einer Weide gehalten werde: "Bei der Milch zum Beispiel gibt es da ja schon weitreichende Untersuchungen. Wenn Milchproduktion von einer Weidetierhaltung stammt, dann hat man wesentlich mehr essentielle Fettsäuren in der Milche als bei anderen Haltungsformen. Und beim Fleisch ist das ganz ähnlich."

Künstlich hergestelltes Fleisch also ohne Antibiotika, dafür aber auch ohne andere Substanzen, die positiv für Menschen sein können? Ein weitere strittiger Punkt: Ist künstliches Fleisch aus dem Labor besser für die Umwelt als Fleisch, für das Tiere gemästet und geschlachtet werden? Teilweise ja, sagt Thomas Herget von Merck: "Wenn man Rindfleich hernimmt, da sagen alle Analysen - auch unsere eigenen -, dass es umweltverträglicher ist. Bei Hunh oder Fisch ist der Vorteil für die Umwelt nicht mehr ganz so groß. Und es kommt auch immer darauf an, wie die benötigte Energie erzeugt wird."

Viele Alternativen für gesunde Ernährung

Ernährungs-Ökologin Eleonore Heil sagt auch: Es kommt darauf an, welche Energie-Quellen bei der Produktion benutzt werden. Man könne aber noch gar keine genaueren Antworten geben, ob künstliches Fleisch umweltverträglicher sei. Dazu brauche es mehr Daten. Was den Stellenwert von künstlich hergestelltem Fleisch in der Zukunft angeht, verfolgt die Ernährungs-Ökologin der Universität Gießen einen anderen Ansatz: "Wir haben von der Natur unglaublich viele Alternativen, uns gesund zu ernähren. Und wir brauchen nicht unbedingt Fleisch, um gesund zu leben." Als Alternativen zum Fleisch nennt Heil Hülsenfrüchte und Nüsse.

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