Die Covid-19-Spürhunde Valo und E.T. am Flughafen in Helsinki

PCR, Antigen - oder doch eher eine Hundenase? In einem Pilotprojekt am Flughafen Helsinki soll bewiesen werden, dass Spürhunde das Coronavirus sehr gut riechen können. Wenn es gut läuft, könnten sie bald vielerorts eingesetzt werden.

Kössi ist aufgeregt. Er merkt natürlich, dass sich alles um ihn und seine Mit-Nasen dreht im Flughafengebäude. Pressetermin, Vorstellung der neuen Virusschnüffler von Helsinki, die bis Ende des Jahres in einem – was für ein passender Name für einen Airport – Pilot-Projekt den Beweis erbringen sollen, dass Hunde Corona sehr gut riechen können. Angeblich sogar auch bei Infizierten, die noch gar keine Symptome zeigen.

Susanna Paavilainen ist Geschäftsführerin des Vereins "Wise Nose", zu Deutsch etwa "kluge Nase". Zusammen mit anderen Vereinsmitgliedern hat sie ihren spanischen Windhund Kössi und 15 weitere Hunde zwei Monate lang auf den Corona-Einsatz vorbereitet. Zehn davon haben das Training geschafft, vier sind aktuell im Einsatz. Immer abwechselnd: Zwei schnüffeln, zwei ruhen ihre Riecher aus.

Coronatest per Schweißprobe

Passagiere, die das Gepäck vom Band geholt haben, können sich danach freiwillig testen lassen. Geht schnell und ist schmerzlos, sagt Susanna: "Man gibt einfach nur eine Schweißprobe ab, wischt sich dafür mit einem sterilen Tuch über die Haut, am besten im Nacken. Das wird dann in eine Geruchsdose gelegt und hinter einer Wand riecht der Hund daran. Das dauert etwa zehn Sekunden, der ganze Vorgang nicht mehr als eine Minute."

Schlägt der Hund an, werden den betroffenen Passagieren kostenlose PCR-Tests zur Bestätigung angeboten. Sicher ist sicher. Für Susanna und die Leute von "Wise Nose" ist das Projekt eine echte Herausforderung. Aber auch eine, mit der sie fertig werden - sie und die Tiere, von denen einige schon Erfahrung als Spürhunde haben. Aber es sind auch "Neue" im Team, und die seien inzwischen genauso gut. "Am Vorabend sage ich den Hunden, dass wir morgen wieder arbeiten. Und weil Kössi sehr viele Gerüche unterscheidet, gebe ich ihm immer erst eine Probe des Geruchs, den wir dann suchen", sagt Susanna.

Großes Vertrauen in die Nase der Tiere

Anette Kare ist Hundetrainerin und auch am Projekt beteiligt. Sie hat lange Erfahrung mit Spürhunden und großes Vertrauen in die Nasen der Tiere. Sie glaubt fest an die ganz besonderen Fähigkeiten der Virusschnüffler, die ja eben ein langes Training hinter sich haben und mit denen natürlich auch weiter trainiert wird. "Den Hunden wird beigebracht, den richtigen Geruch zu erschnüffeln und ihn dann anzuzeigen", sagt sie. "Heiße Gerüche" nennen sie die positiven Proben. Einer der Hunde markiert eine solche zum Beispiel dadurch, dass er erst die Schnauze in die Dose mit der Geruchsprobe steckt und dann auch noch seine Pfote danebenlegt.

Bei der Vorstellung des Projekts wurde Anette Kare gefragt, ob es denn vielleicht besonders schwierig für Hunde sei, ausgerechnet Corona zu riechen? Ihre Antwort: Kommt drauf an. Einer der Hunde sei bereits ein Krebs-Spürhund, für ihn sei es recht einfach gewesen. "Aber ich habe auch zwei Hunde, die jetzt erst mit der 'Schnupperarbeit' begonnen haben und für sie ist es ein sehr viel längerer Prozess, bis sie Corona sicher erkennen", so Kare.

Fast hundertprozentige Treffsicherheit

Wenn sie das dann können, genügen angeblich nur zehn bis 100 Moleküle für die Erkennung, Testgeräte benötigten 18 Millionen. Und in Vorversuchen hätten die Hunde eine fast hundertprozentige Treffsicherheit gezeigt, teilt der Flughafen mit. Das Projekt soll das alles in der Praxis bestätigen und auch sonst offene Fragen beantworten, so Anna Hielm-Björkman, Dozentin an der Tierklinik der Universität Helsinki und Leiterin der Dog-Risk-Forschungsgruppe: "Wir wissen nicht wirklich, was die Hunde an den Patienten riechen. Das Virus, Stoffwechselprodukte, vielleicht Antikörper. Es kann Jahre dauern, bis wir herausfinden, was genau der Hund da eigentlich anzeigt."

Sehr viel schneller dürfte dagegen feststehen, ob das Pilotprojekt in Helsinki ein Erfolg ist. Wenn, dann wäre das nicht nur für Flughäfen interessant. Corona-Spürhunde könnten auch bei größeren Veranstaltungen eingesetzt werden oder in Krankenhäusern oder Altenwohnheimen. Und zwar effektiver, mit schnelleren Ergebnissen, und auch weitaus preiswerter als mit konventionellen Testverfahren. Das viermonatige Projekt in der finnischen Hauptstadt kostet laut Flughafenverwaltung nur 300.000 Euro.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 25.9.2020, 9 bis 12 Uhr

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