Der Rücken eines Mannes wird mit Sonnencreme eingeschmiert.

Französische Forscher haben in der US-Medizinzeitschrift Chemical Research in Toxicology eine Studie zu Sonnencremes veröffentlicht – und einen Aufruf an Hersteller und Verbraucher gestartet.

Sonne pur derzeit in Frankreich. Die Temperaturen gerade im Süden zweistellig und vielerorts in den Parks wird bereits im T-Shirt gepicknickt. Und die Sonnencreme aus der Tasche geholt. Doch Stopp: Ist die vom letzten Jahr? Die sollte man nicht unbedingt noch einmal verwenden. Das sagen zumindest französische Mikrobiologen der Sorbonne und Wissenschaftler der nationalen Forschungsbehörde CNRS.

Teilweise Grenzwert überschritten

Sie haben rund ein Dutzend in Frankreich beliebter Sonnen- und Tagescremes gekauft und sie künstlich altern lassen. Das Ergebnis: Nach einem Jahr ist aus dem Sonnenschutzfilter Octocrylen das Molekül Benzophenon geworden, das in die Haut eindringen kann. Mit schwerwiegenden Folgen. "Kommt Benzophenon auf die Haut, kann es Ausschläge, Entzündungen oder Überempfindlichkeiten auslösen, aber auch Leberkrebs oder Lymphome. Das war in Tierversuchen der Fall. Das Molekül beeinträchtigt die Schilddrüse und die Fortpflanzungsorgane", sagt Mitautor der Studie Didier Stien.

Die Forscher haben Produkte namhafter Firmen verwendet wie Garnier, Uriage, Bioderma, la Roche Posay, Cosmi oder L’Oréal. Bei einigen von ihnen wurde nach einem Jahr auch der Grenzwert von zehn Milligramm Benzophenon auf ein Kilo überschritten. "Ich kaufe immer neu, ich habe Hautprobleme und spreche mich da mit meiner Dermatologin ab. Die Cremes sollen ja nach einem Jahr auch nicht mehr so wirksam sein", sagt eine Pariserin und ist damit auf der sicheren Seite.

Verbot von Octocrylen und Benzophenon gefordert

Auf den Champs Elysées spazieren zwei junge Männer aus der Bretagne, der Region im rauen Westen Frankreichs zwischen Ärmelkanal und Atlantik. Sie hatten von den Forschungsergebnissen auch noch nichts gehört und gestehen: "Als Bretonen nutzen wir nicht gerade viel Sonnencreme. Da sind wir in unserer Region keine großen Verbraucher." Oder? "Ich nehme gar keine", antwortet der Zweite. "Also, wir nutzen wenig Sonnenschutz. Deshalb nehme ich die Cremes ja sogar einige Jahre lang."

Nun aber sind die Bretonen geläutert. Sie wollen künftig mehr auf "Bio" oder "natürliche Sonnencremes" setzen. Wichtig ist, laut den französischen Forschern, dass die Cremes ohne Octocrylen und Benzophenon auskommen. Sie fordern ein Verbot beider Substanzen. Schon jetzt sollten Hersteller auf die Stoffe verzichten, die Verbraucher beim Kauf auf sie achten. Dann macht Sonne pur an den Ufern der Seine, an der bretonischen Küste oder am Mittelmeer garantiert mehr Freude.

Sendung: hr-iNFO, 8.3.2021, 15-18 Uhr

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