Grippe Impfung

Erstmals wird vor der anstehenden Grippesaison ein sogenannter Hochdosis-Impfstoff verimpft. Empfohlen und zugelassen ist er für über 60-Jährige. Worum handelt es sich bei dem Impfstoff genau? Und wieso sollen ihn nur Ältere erhalten?

Der Hochdosis-Impfstoff gegen die Grippe heißt Efluelda und wird von Sanofi-Pasteur produziert. Er soll noch diesen Monat ausgeliefert werden, damit er für die Impfungen ab spätestens November bereitsteht - rechtzeitig bevor die saisonale Grippe losgeht, meistens passiert das zwischen Januar und März.

Was has hat es mit dem neuen Hochdosis-Impfstoff auf sich?

Der Hochdosis-Impfstoff ist, wie der Name schon sagt, stärker dosiert als normale Grippeimpfstoffe: Die Dosis an Antigenen ist viermal so hoch wie bei herkömmlichen Impfstoffen. Der Erreger ist auch hier inaktiviert - das heißt, es ist ein Tot-Impfstoff, wie viele andere herkömmliche Impfstoffe auch. In Studien wurde herausgefunden, dass er um ein Drittel wirksamer sein soll als frühere Impfstoffe. Im März wird man durch die Praxisdaten sehen, ob sich das bewahrheitet.

Das Präparat ist bei uns eine Erstzulassung, die Impfärzte haben noch keine praktische Erfahrung mit Efluelda. Es kann sein, so sagt der Vorsitzende des hessischen Hausärzteverbandes Armin Beck dem hr, dass der Hochdosis-Impfstoff etwas schlechter vertragen wird, weil er durch mehr Wirkstoff eben auch stärker reaktogen ist - das heißt, er löst bei vielen Geimpften Impfreaktionen aus, während die herkömmlichen Impfstoffe gerade im letzten Jahr sehr gut verträglich waren.

Der Hochdosis-Impfstoff ist tetravalent. Was bedeutet das?

Grundsätzlich ist er, genauso wie alle anderen Impfstoffe, auf ganz bestimmte Virusstämme ausgerichtet. Die Weltgesundheitsorganisation legt den Mix aus Antigenen, die wahrscheinlich in der nächsten Saison eine Rolle spielen, jedes Jahr neu fest - immer mit vielen Monaten Vorlauf, damit sich die Hersteller darauf einstellen können. Und das sind seit einigen Jahren zwei Stämme vom Influenza Typ A und zwei Stämme vom Influenzatyp B.

Tetravalent heißt, dass sie vier Influenza-Stämme bekämpfen können. Bis vor vier Jahren hat man nur drei Virusstämme adressiert – da waren die Impfstoffe nurtrivalent, aber man hat 2017 gesehen, dass das nicht mehr gereicht hat und hat deshalb auf vier erhöht. Aber um es nochmal deutlich zu sagen: Der Hochdosis-Impfstoff hat genau denselben Mix an Antigenen wie die herkömmlichen Impfstoffe auch.

Die Ständige Impfkommission hat die Hochdosis-Impfstoffe für über 60-Jährige empfohlen. Warum nur für die Älteren?

Der Grund ist, dass Ältere mit ihrem nachlassenden Immunsystem und ihren Vorerkrankungen am meisten gefährdet sind, schwerer an einer Grippe zu erkranken. Es gab in den letzten zehn Jahren in Deutschland bis zu 25.000 Sterbefälle in einer Grippesaison und 85 Prozent der Toten waren über 60 Jahre alt. Da kann 30 Prozent mehr Wirksamkeit in absoluten Zahlen schon einen großen Unterschied machen, auch wenn das Präparat teurer ist als normale Impfstoffe.

Man muss ja auch wissen, dass Grippeimpfstoffe lange nicht so wirksam sind wie beispielsweise Corona-Impfungen. Dazu noch eine Zahl: In den letzten zehn Grippewellen in Europa lag die Wirksamkeit der Influenza-Impfstoffe für Menschen über 60 im Durchschnitt bei 55 Prozent. Es sind durchschnittlich übrigens auch nur 35 Prozent der über 60-Jährigen geimpft, zum Teil mit der Begründung, dass die Grippeimpfung ja wenig bringt. Da könnte die höhere Wirksamkeit der Hochdosis-Präparate schon ein Argument sein.

Warum werden dann nicht auch die Jüngeren mit Efluelda geeimpft?

Dafür gibt es mehrere Gründe: Es ist nicht nötig, und es ist deshalb nicht empfohlen. Und es wäre auch nicht genügend Hochdosis-Impfstoff für alle da. So hat es zum Beispiel Sabine Wicker erklärt, die Leiterin des Betriebsärztlichen Dienstes des Universitätsklinikums Frankfurt. Ein Drittel der Influenza-Infektionen in der gesamten Bevölkerung, schätzt man, verlaufen völlig ohne Symptome - und das Ziel der Impfungen ist ja, schwere Erkrankungen zu vermeiden. Deshalb empfielt die Ständige Impfkommission die Impfung generell auch nur für die über 60-Jährigen, für Schwangere und für chronisch Kranke.

Geimpft werden sollten nach Meinung des Robert-Koch-Instituts auch medizinisches Personal, Menschen in Pflegeheimen und Leute in Berufen mit viel Publikumsverkehr. Auch Betriebe bieten Impfungen an, damit die Belegschaft nicht ausfällt. Aber, so sagt Armin Beck vom hessischen Hausärzte-Verband: Einer 25-jährigen gesunden Verkäuferin in einem Modeladen würde man sicher keinen Hochdosis-Impfstoff geben. Da gibt es andere Impfstoffe: neben den Tot-Impfstoffen, die ab neun Jahren zugelassen sind, gibt es Lebend-Impfstoffe für Kinder, es gibt rekombinante Impfstoffe für über 18-Jährige, die auch mehr Wirkstoff haben. Und der Vollständigkeit halber: Es gibt noch sogenannte adjuvante Impfstoffe, die einen Wirkverstärker haben und ab 65 Jahren zugelassen sind.

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