Diese elektronenmikroskopische Aufnahme aus dem Jahr 2003, die von den Centers for Disease Control and Prevention zur Verfügung gestellt wurde, zeigt reife, ovale Affenpockenviren (l) und kugelförmige unreife Virionen (r), die aus einer menschlichen Hautprobe im Zusammenhang mit dem Präriehundeausbruch von 2003 stammt.

Die Corona-Pandemie ist noch nicht überstanden, da breitet sich mit den Affenpocken die nächste Krankheit aus. Ärtze sehen jedoch kein Risiko einer neuen Pandemie. Aber wie gefährlich sind Affenpocken? Und wie breiten sie sich aus? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum unterscheiden sich die aktuellen Fälle von früheren?

Sie unterscheiden sich, weil es keinen Link nach Afrika gibt. In West- und Zentralafrika gibt es immer wieder kleinere Epidemien. In den USA haben sich im Jahr 2003 70 Personen über Präriehunde angesteckt, die zusammen mit Nagetieren aus Ghana gehalten worden waren. Und es hat auch immer wieder Einträge von Reisenden nach Europa gegeben - allerdings immer nur Einzelfälle und immer mit einer Verbindung nach Afrika. Diesmal nicht.

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Das Thema als Podcast: Schon wieder ein Virus! Wie gefährlich sind Affenpocken?

Ein Impfausweis mit der Rubrik "Affenpocken".
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Experten haben dazu mehrere Theorien: Das Virus könnte sich verändert haben und jetzt besser übertragbar sein. Oder das Virus hat bestimmte Superspreader-Events genutzt. Die meisten Betroffenen haben sich bislang bei großen Veranstaltungen angesteckt, die mit sexuellen Aktivitäten verbunden waren. Es kann aber auch sein, dass unser Herdenschutz gegen Pocken allgemein langsam nachläßt. Seit 1980 gelten die Humanen Pocken als ausgerottet, seitdem wird nicht mehr flächendeckend geimpft.

Wie gefährlich sind die Affenpocken?

In der Regel verursacht die derzeit vorherrschende westafrikanische Variante leichte Verläufe, bei denen man sich aber trotzdem richtig krank fühlt, mit Fieber, Kopfschmerzen, geschwollenen Lympfknoten, schmerzenden und juckenden Pusteln. Die Symptome werden behandelt und nach einigen Wochen klingt die Erkrankung von alleine ab. Aber die Affenpocken sind nicht immer harmlos, vor allem für jüngere Kinder und Immungeschwächte. Die WHO geht davon aus, dass drei bis sechs Prozent aller Infizierten sterben. Von den Kindern, die sich in der Vergangenheit mit der gefährlicheren zentralafrikanischen Variante angesteckt haben, ist jedes zehnte gestorben. Und: es gibt auch Langzeitfolgen, zum Beispiel Augenschäden.

Wie kann man sich anstecken?

Die gute Nachricht: Affenpocken sind ziemlich schwer übertragbar. Die längsten dokumentierten Infektionsketten sind sechs bis neun Personen lang. Und eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist selten. Übertragen wird das Virus durch Körperflüssigkeiten, durch den Schorf der Affenpocken-Infizierten und vermutlich auch durch Sex. Denn unter den bekannten Fällen haben sich viele offenbar dadurch angesteckt. 

Ein höheres Risiko für eine Infektion haben laut Europäischer Seuchenschutzbehörde ECDC Menschen mit wechselnden Sexualpartnern. Derzeit vor allem Männer, die Sex mit Männern haben. Das heißt aber nicht, dass sich nicht auch heterosexuelle Männer, Frauen und Kinder anstecken können. Theoretisch kann man sich auch über kontaminiertes Material infizieren. Ein Problem ist die lange Inkubationszeit. Bis zu 21 Tage kann es nach einer Infektion dauern, bis die ersten Symptome auftauchen, ansteckend kann man aber schon vorher sein. Das Virus könnte sich so in den Sommermonaten durch Festivals und Partys beschleunigt ausbreiten.

Gibt es einen Impfung - und wenn ja, was bringt sie?

Gegen Affenpocken kann mit dem abgeschwächten Lebendimpfstoff Imvanex geimpft werden. Er ist in den USA zugelassen und kann in der EU bei außergewöhnlichen Lagen eingesetzt werden kann. Deutschland hat diesen Impfstoff bestellt, um damit Kontaktpersonen oder Haushaltsmitglieder von Infizierten durch sogenannte Ringimpfungen zu schützen. Denn der Impfstoff kann eine Infektion verhindern oder – wenn er wenige Tage nach der Infektion gegeben wird - den Krankheitsausbruch verhindern.

Eine flächendeckende Impfung ist nicht geplant. Der in Deutschland eingelagerte Impfstoff gegen das humane Pockenvirus Variola wird für die vergleichsweise harmlosen Affenpocken nicht verwendet - zu viele Nebenwirkungen. Menschen, die bis Ende der 70er Jahre gegen humane Pocken geimpft wurden, besitzen eine gewisse Immunität. Ob sie ausreicht, ist allerdings noch unklar.

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