Der Impfstoff von Johnson und Johnson (REUTERS)

Künftig kann sich bundesweit jeder Erwachsene mit dem Impfstoff von Johnson&Johnson impfen lassen. Doch wie wirksam ist das Vakzin? Und welche Risiken gibt es? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wie gut schützt der Impfstoff?

Der Vektor-Impfstoff ist anfangs etwas weniger wirksam als die mRNA-Impfstoffe, schaltet aber im Laufe der Zeit den Turbo ein und schützt sehr gut vor schweren Verläufen. Das Paul-Ehrlich-Institut bescheinigt gegen die britische Variante, die in Deutschland vorherrschend ist, einen sehr guten Schutz vor symptomatischen Erkrankungen. In den Zulassungstudien gab es nach zwei Wochen 85 Prozent Schutzwirkung vor Krankenhausaufenthalten und Beatmungsmaßnahmen. Vier Wochen nach der Impfung ist man vor Krankenhausaufenthalten und Versterben nahezu völlig geschützt.

Schützt die Impfung auch vor der Virusweitergabe?

Es vermindert die Übertragung, vereinzelt können Geimpfte trotzdem PCR-positiv getestet werden und infektiöse Viren ausscheiden. Janssen, wie der Handelsname des Impfstoffs heißt, ist auch in Südafrika erprobt und verimpft worden und bietet auch gegen die dort vorherrschende B.1.351-Variante einen ausreichenden Schutz, auch wenn die Antikörper-Neutralisation etwas schwächer ausfällt. Wie lange der Impfschutz insgesamt anhält, ist noch unklar

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Wie sicher ist Johnson & Johnson?

Für die allermeisten Menschen ist Janssen ein sicherer und gut verträglicher Impfstoff. Er ist von der Europäischen Arzneimittelagentur EMA auch für alle Erwachsenen zugelassen, die Ständige Impfkommission in Deutschland empfielt die Impfung allerdings vorrangig für die über 60-Jährigen. Der Grund sind – wie bei AstraZeneca - einige seltene Thrombosen wie zum Beispiel Gehirnvenenthrombosen, die bei Impfungen in den USA aufgetreten sind. Nachdem die EMA nochmals geprüft hat, steht jetzt ein Warnhinweis auf dem Beipackzettel. Auch unter 60-Jährige können sich den Impfstoff spritzen lassen, sollten vorher aber mit dem Arzt über das Risiko von Blutgerinnungsstörungen sprechen und dann individuell abwägen. Zu den Risikofaktoren können zum Beispiel Übergewicht, Schilddrüsenunterfunktion oder die Pille zählen.

Wer kann sich mit dem Impfstoff impfen lassen?

Es gibt für diesen Impfstoff keine Impf-Priorisierung mehr. Dann, wenn Johnson &  Johnson in größerem Umfang nach Deutschland geliefert hat, haben die über 60-Jährigen vermutlich ihre Impfung schon hinter sich, sagt Gesundheitsminister Jens Spahn. So können dann auch Jüngere zum Zug kommen. Vor allem dort, wo Ärzte ihre Patienten kennen oder umfassend aufklären können - beim Hausarzt zum Beispiel oder bei den Betriebsärzten.

Welche Stärken hat Johnson & Johnson ?

Es muss nur einmal geimpft werden, außerdem ist der Impfstoff nicht besonders anspruchsvoll, was die Kühlung betrifft. Zwei große Pluspunkte zum Beispiel für mobile Impfteams, die den Impfstoff unkompliziert in sozialen Brennpunkten verimpfen können. Auch Obdachlose sollen damit geimpft werden, damit man diese Menschen nur einmal erreichen muss, um sie zu schützen. Das Land Hessen setzt den Johnson & Johnson-Impfstoff auch in Einrichtungen für Geflüchtete ein, wie zum Beispiel in der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen. Nicht ganz einfach dürfte es sein, eine mehrsprachige ärztliche Aufklärung zu organisieren, um auf Impf-Risiken hinzuweisen. Knapp eine halbe Million Impfdosen sind schon verfügbar, der Löwenanteil ist aber noch unverimpft.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 11.05.2021, 6 bis 9 Uhr

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