Basketball Mogadischu

In der somalischen Haupstadt Mogadischu wird es nicht gern gesehen, wenn Frauen Sport treiben. Für die radikal-islamische Miliz Al Shabaab, die eine ständige Bedrohung im Land ist, ist es ein Vergehen. Ein kleines Team von Mädchen und Frauen nimmt das Risiko trotzdem auf sich.

Eine Gruppe junger Frauen in Sporttrikots und mit Kopftüchern spielt auf einem holprigen Platz Basketball. Um sie herum sind Mauern, deren hellgelbe Farbe langsam abbröckelt. Hoch genug, dass niemand herüber gucken kann. Das Team will nicht auffallen. In der somalischen Hauptstadt werden Mädchen oft angefeindet, wenn sie Sport treiben, sagt die 20-jährige Fardawsa. "Mogadischu ist gefährlich. Wir können nicht offen sagen, dass wir Basketball trainieren. Wir packen unser Sportzeug und die Schuhe in Taschen und geben vor, dass wir zur Schule oder Universität gehen."

Gegen den westlichen Lebensstil

Die radikal-islamische Al Shabaab ist eine ständige Bedrohung in Somalia. Immer wieder verübt die Miliz Anschläge. Die Islamisten lehnen alles ab, was für sie zu einem westlichen Lebensstil gehört. Dass Mädchen Basketballspielen, ist für Al Shabaab ein Vergehen. Vor 30 Jahren, vor dem Bürgerkrieg in Somalia, war Sport für Alle dagegen eine Selbstverständlichkeit. Das Team wird von drei Frauen trainiert, die sich noch gut an diese Zeit erinnern können.

Eine von ihnen spielte früher für die Nationalmannschaft. Und auch Nasra Mohamed, die an diesem Tag die Mädchen antreibt, war sportlich erfolgreich. Sie wollte es nicht hinnehmen, dass Frauen Basketball jetzt verwehrt wird: "Ich habe mich entschieden, die Mädchen zu trainieren, weil ich gesehen habe, wie viel Freude sie daran haben. Wir sind wie eine Freiwilligen-Organisation."

Keine Unterstützung, keine Ausrüstung

Allerdings eine, die sich vor Angriffen fürchten muss und keine Unterstützung bekommt. Niemand helfe ihnen oder gebe ihnen eine Ausrüstung. "Wir haben noch nicht mal einen vernünftigen Platz", sagt Nasra Mohamed. "Aber wir konnten den Bezirksvertreter überzeugen, dass wir dieses Gelände nutzen dürfen."

Basketball Mogadischu

Bis zu 30 Mädchen und junge Frauen kommen regelmäßig zum Training. Fardawsas Eltern wollten ihr den Sport erst nicht erlauben, aber sie konnte sie schließlich überzeugen. Die Studentin ist ein richtiger Ballsportfan, neben Basketball spielt sie auch noch Handball und Fußball. Zusammen mit zwei Freundinnen übt sie das schnelle Dribbeln. Die Sonne knallt auf den Platz, aber die Mädchen geben weiter alles. "Wir trainieren immer am Nachmittag, dann ist es sehr heiß in Somalia. Wenn wir eine Stunde trainiert haben, fragen wir, ob wir uns fünf Minuten ausruhen und Wasser trinken dürfen", erzählt Fardawsa. Doch dann geht es sofort weiter.

Für Fardawsa wäre es ein großer Traum, irgendwann mal außerhalb Somalias zu spielen. "Ich bin ein großer Fan von Real Madrid. Wenn mich jemand fragen würde, für wen ich spielen möchte, würde ich immer Real Madrid sagen. Egal ob Basketball oder Fußball." Ein Wunsch, der sich kaum erfüllen wird. Das Training hinter den hohen gelben Mauern ist für sie vorerst der einzige Weg, ihre Leidenschaft für den Ballsport auszuleben. "Trotz der Unsicherheit und obwohl uns die Regierung nicht unterstützt – wir lieben einfach Basketball.“

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 5.11.2020, 12 bis 15 Uhr

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