Hand hält Fernbedienung
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Die Höhe des Einkommens beeinflusst den Treibhausgas-Ausstoß laut einer aktuellen Studie der ETH Zürich weniger stark als bisher angenommen. Dafür ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern groß: Frauen verbrauchen ein Viertel weniger Strom als Männer.

Wie groß ist der ökologische Fußabdruck eines jeden Einzelnen tatsächlich? Mit der landesweiten Umfrage "Schweizer Umweltsurvey" hat die Technische Hochschule ETH Zürich nach Antworten gesucht. Der Leiter der dortigen Forschungsgruppe Umwelt, der Soziologe Andreas Diekmann, hat die Ergebnisse der Umfrage, die bereits 2007 erstellt wurde, noch einmal neu analysiert.

Befragt wurden etwa 3.400 Haushalte in der Schweiz zu ihrem Umweltbewusstsein. "Autofahren, Flugreisen, die Größe der Wohnung und verschiedene Dinge mehr. Und dann wurde das zugeordnet und ökobilanziert, mit sogenannten Lifezyklus-Analysen", erklärt Diekmann.

Einkommen erklärt nur ein Zehntel der Unterschiede

Bei der Auswertung der Daten haben die Züricher Forscher festgestellt, dass es deutliche Unterschiede gibt. Einige Haushalte leben sehr klimaschonend. Andere erzeugen einen siebenmal größeren ökologischen Fußabdruck. Dabei hängt der Ausstoß an Treibhausgasemissionen vom Einkommen ab, erklärt Andreas Diekmann: „Es ist so, dass die Leute, die mehr verdienen, einen sehr viel größeren ökologischen Fußabdruck haben. Das haben wir erwartet und hat uns auch nicht überrascht.“

Schließlich sei es noch immer so, dass reichere Leute größere Autos fahren, öfter mit dem Flugzeug verreisen und auch meist in größeren Wohnungen wohnen. Überrascht hat die Forscher, dass "der Einfluss des Einkommens gar nicht so groß ist wie erwartet. Die unterschiedlichen Einkommen der Haushalte erklären etwa ein Zehntel in den Unterschieden des ökologischen Fußabdrucks", so Diekmann.

Unterschied zwischen Männern und Frauen

Die Wissenschaftler haben die Gruppen der jeweils zehn Prozent mit dem höchsten und dem niedrigsten Einkommen verglichen. Dabei haben sie ermittelt, dass die Gruppe mit dem höchsten Einkommen etwa 1,8 Mal mehr Treibhausgase verursacht. Bislang habe man dem Einkommen einen größeren Einfluss zugeschrieben.

Aufhorchen lässt der Vergleich von Einpersonen-Haushalten. Hier flossen auch die anonymisierten Daten eines Stromversorgers mit ein, sagt Andreas Diekmann: "Da ist eindeutig: In dem einen ist die Frau im Haushalt, im andern ein Mann. Und tatsächlich haben die Frauen einen um etwa ein Viertel - 25 Prozent - geringeren Energie-, also Stromverbrauch als die Männer.“

Diese Differenz bleibe auch bestehen, wenn man den unterschiedlichen Einkommen und Wohnungsgrößen Rechnung trägt. Doch wie ist dieser Unterschied zu erklären? Da könne man nur spekulieren, sagt Diekmann. Vielleicht hätten die Frauen weniger Geräte wie Computer und elektrische Hightech-Geräte im Haushalt - oder sie nutzen sie effizienter. Das sind alles Fragen, denen man jetzt genauer nachgehen könnte. Aber ich möchte mich nicht hinauswagen und ihnen dafür sagen: Daran liegt es.“ Sagt der Soziologe und lässt den Leser der Studie einigermaßen ratlos zurück.

Sendung: hr-iNFO, 21.2.2019, 9:50 Uhr

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