Christine Lambrecht in roter Jacke und Franziska Giffey in blauem Hosenanzug vor Mikros

Studien zufolge sind bislang nur zehn bis 13 Prozent der Vorstandsposten mit Frauen besetzt. Nach jahrelangen Debatten hat die Große Koalition jetzt einen Gesetzentwurf für eine Frauenquote in Vorständen großer Unternehmen auf den Weg gebracht.

Fast 10 Jahren ist es her, dass sich die 30 DAX-Konzerne zu mehr Frauen in Führungspositionen bekannt haben. Was aus der freiwilligen Selbstverpflichtung geworden ist, fasst Familienministerin Franziska Giffey so zusammen: „Freiwilligkeit führt zu Schneckentempo, freiwillig tut sich nichts, aber Verbindlichkeit führt zum Erfolg und zu Fortschritt.“

Und so kommt sie nun – nach zähem Ringen und hitzigen Diskussionen: die verbindliche Frauenquote für Vorstände. Das Kabinett hat heute zugestimmt, nun muss das Gesetz noch durchs Parlament.

"Homogene Teams fällen schlechtere Entscheidungen"

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Janina Kugel war von 2015 bis 2020 im Vorstand von Siemens und damit eine von wenigen Frauen in der Führung eines Dax-Konzerns. Sie ist für die Quote, auch weil Deutschland im internationalen Vergleich hinterherhinkt: "Unternehmen und große Organisationen sollten grundsätzlich von denen repräsentiert sein, die in der Gesellschaft leben. Und das sind in Deutschland, wie überall auf der Welt, in etwa 50% Frauen." Außerdem urteilten homogene Teams auch schlechter, so Kugel: "Heterogene Teams bringen deutlich mehr Perspektiven und treffen somit auch die besseren Entscheidungen.“

Es ist also auch unternehmerisch sinnvoll, mehr Frauen in Führung zu bringen. Eine McKinsey Studie sieht sogar einen Zusammenhang zwischen dem Frauenanteil im Unternehmen und dessen Profitabilität.

Kein Hexenwerk

Das unterstreicht auch Ingo Speich, Fondsmanager und Leiter Nachhaltigkeit bei der DEKA Bank. Aber die Frauenquote sei auch eine Herausforderung für manchen Dax-Konzern: "Gerade bei Unternehmen, in denen in der normalen Belegschaft Frauen eher unterrepräsentiert sind. Also die klassischen Ingenieursberufe, die müssen sich da schon strecken."

Auch wenn der Aufschrei in Teilen der Industrie groß ist, was die Bundesregierung verlangt, ist kein Hexenwerk. Es betrifft ohnehin nur die großen börsennotierten Unternehmen, deren Vorstand aus mindestens drei Mitgliedern besteht. Künftig soll eine Frau darunter sein. Laut Boston Consulting Group hat ein Drittel der Konzerne, die es betrifft, keine einzige Frau im Vorstand.

Eine Frau reicht nicht

Adidas gehörte bis vor kurzem noch dazu, der Sportartikelhersteller hat aber zum dem 1.1. dieses Jahres eine Personalchefin berufen. Ex-Siemens-Vorständin Janina Kugel wünscht sich, dass es irgendwann auch ohne gesetzliche Regelung geht. Soziologie und Psychologie zeigten, dass mehr als eine Quoten-Frau im Vorstand nötig sei: "Sie brauchen um die 20-30%, bevor sich eine andere Meinung, also sozusagen die Minority Group, auch repräsentiert fühlt und bevor sich Kulturen verändern."

Eine Art Kulturwandel führt in diesem Jahr der Darmstädter Pharma-Konzern Merck vor. Mit Belen Garijo wird ab Mai eine Frau Vorstandsvorsitzende bei Merck. Sie ist damit zwar nicht die erst, aber dann die einzige Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns. Andere werden folgen – müssen. Nicht zuletzt, weil große Vermögensverwalter wie Blackrock und Goldman Sachs mit Geldentzug drohen, wenn der Vorstand allein männlich besetzt ist.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 6.1.2021, 15 bis 18 Uhr

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