Blick von hinten in ein Klassenzimmer, in dem Schüler sitzen und sich melden.
Wer hat noch was zu melden? Bild © picture-alliance/dpa

Die AfD will, dass Schüler und Eltern Lehrer melden, die sich politisch äußern. Dafür haben zwei Landesverbände der Partei entsprechende Online-Portale freigeschaltet. Unser Kommentator hält davon überhaupt nichts.

Ich finde es schon ziemlich empörend, dass die AfD für ganz alte, fiese, widerliche Kamellen eintritt. In George Orwells düsterem Zukunftsroman "1984" zeigt eine Siebenjährige ihren Vater an, weil er im Schlaf etwas Schlechtes über den "Großen Bruder" gesagt hat. Auch bei den Nazis sollten Kinder melden, wenn sich ihre Eltern verdächtig äußerten.

Beschwerde bei der Schule einreichen

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zum Artikel "Solche Denunziationsportale sind ein Unding"

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Hier geht es darum, dass Schüler oder Eltern Lehrer anzeigen. Motto: Früh übt sich, wer ein Denunziant werden will. "Ja, aber", sagt die AfD, "wir wollen nur Lehrer angezeigt haben, die die Schüler indoktrinieren." Ja, Lehrer müssen neutral sein. Und verstößt ein Lehrer tatsächlich gegen das Neutralitätsgebot, dann können sich Eltern und Schüler jederzeit bei der Schule oder der Schulverwaltung beschweren. Nur: Warum sollte man das einer Partei melden, die das dann an die Verwaltung weitergibt?

Nun gut, wenn die AfD schon zur Denunziation aufruft, dann bekommt sie auch ihre Denunziation. Auf dem Meldeportal der AfD Hamburg hat ein Schüler seinen Lehrer angeschwärzt. Der sei offen Linkshänder und hebe an der Tafel ständig den linken Arm. Ein Elternteil schreibt: "Muss mein Sohn in der Schule immer links sitzen?" Und ein anderer beschwert sich: "Mein Kind kam nach dem Kunstunterricht total rot-grün versifft nach Hause. Und die Farbe geht nicht mehr ab. Was mache ich denn jetzt? Braun drüber malen?"

Überparteilich, aber nicht wertneutral

Ernsthafte Beschwerden habe die Partei auch in Baden-Württemberg bisher kaum erhalten, so der dortige AfD-Landeschef. Mir scheint, dass das eigentliche Ziel ist, Lehrer einzuschüchtern, damit sie sich gar nicht erst mit der AfD befassen. Denn – und das müsste die AfD auch wissen – Lehrer sollen zwar überparteilich sein, aber nicht wertneutral. Sie müssen die Werte des Grundgesetzes und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung vertreten.

Wer deutsche Staatsbürger "in Anatolien entsorgen" oder stolz auf die verbrecherische Wehrmacht sein will; wer Migranten als "Messer-Migranten", "Kopftuchmädchen" und "Taugenichtse" pauschal verunglimpft; wer die Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen beenden will, der muss sich zu Recht fragen lassen, wie weit er oder sie noch auf dem Boden des Grundgesetzes steht. Auch in den Schulen eines demokratischen Rechtsstaates.

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Sendung: hr-iNFO, 12.10.2018, 9.40 Uhr

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