Schweden hat noch immer ein großes Problem mit Gang-Gewalt. 2019 ging zwar die Schusswaffengewalt erstmals seit Jahren wieder zurück, die Zahl der Opfer blieb aber weiter konstant.

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In Malmö haben Menschen Kerzen und Blumen auf den Bürgersteig gelegt, nachdem dort ein 15-Jähriger erschossen wurde.
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Ende vergangenen Jahres war Anders Thornberg noch voller Sorge. "Wir sehen, dass der Waffengebrauch im organisierten Verbrechen immer mehr zunimmt. Da gibt es anscheinend keine Grenzen mehr. Junge Leute müssen immer roher und gnadenloser sein, um in der kriminellen Hierarchie aufzusteigen", sagte Schwedens oberster Polizeichef.

Operation "Rimfrost" gestartet

Nach Jahren ständig zunehmender Waffengewalt hatte er sich an die Öffentlichkeit gewandt und auch an die Politik. Im Kampf gegen die Gang-Kriminalität, die vor allem in den Ballungszentren des Landes ein Riesenproblem ist, sei die Polizei alleine machtlos. Von der Politik verlangte er mehr Kompetenzen für die Behörde, etwa, was die Erlaubnis, Handygespräche abzuhören angeht. Und er appellierte: "Eltern, Schulen, Sozialdienste, alle Bürger müssen vorbeugend etwas dafür tun, dass nicht noch mehr Jugendliche in die Kriminalität abrutschen."

Zusätzlich startete die Polizei erst einmal nur in Malmö als Reaktion auf den Mord an einem 15-jährigen Jungen die Operation "Rimfrost" ("Raureif"). Ermittlungen gegen die organisierte Kriminalität werden priorisiert mit besonderem Blick auf mutmaßliche Schlüsselfiguren. Das Ganze inzwischen offenbar mit ersten Erfolgen. Einige Bosse seien bereits aus dem Verkehr gezogen, Gangs aufgelöst worden, heißt es. Und nun bestätigt die Statistik der Polizei zumindest eine kleine Trendwende.

An 320 Tagen im Jahr wird geschossen

Danach hat es 2019 zum ersten Mal seit Jahren vor allem in den Großstädten Schwedens weniger Schusswaffengewalt gegeben. In Anführungsstrichen "nur noch" an acht von zehn Tagen. Insgesamt waren es 320 Fälle mit 41 meist jungen Todesopfern. In Göteborg wurden im Vergleich zu 2018 nur halb so viele Schießereien registriert, den geringsten Rückgang gab es im Großraum Stockholm: 85 Mal wurde geschossen, 16 Menschen starben.

Man sei natürlich nicht zufrieden, so ein Polizeisprecher in Malmö, aber die Entwicklung in den Ballungsgebieten gehe in die richtige Richtung. Unter anderem würden immer mehr illegale Waffen sichergestellt. Allerdings gibt es auch weniger positive Erkenntnisse: Zum einen ist die Zahl der Opfer seit zwei Jahren etwa gleich, auch wenn es weniger Schießereien gibt. Das heißt, dass diese Schießereien tödlicher verlaufen als früher.

Auch der König sorgt sich

Und die Polizei sieht Zeichen dafür, dass eskalierende Gangkriminalität verstärkt auch in kleineren Städten und ländlichen Gegenden besonders im Norden zunehmend zum Problem wird. Ein Problem, das trotz der kleinen Trendwende vor allem in Malmö und Göteborg noch immer eines der größten im Land ist und sogar von König Carl Gustaf bei seiner Neujahransprache erwähnt wurde. "Wir erleben, wie unterschiedliche Verbrechen in unserer Gesellschaft für Unsicherheit sorgen: Sprengstoffanschläge, Schießereien - das macht nicht nur den Menschen Sorgen, sondern auch mir und meiner Familie", gestand er.

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